Direkt zum Inhalt
Ein Pride in Kiew?

Ein Pride in Kiew? Kiews Stadtrat lehnt bisherige Pride-Pläne aus Sicherheitsgründen ab - zeigt sich aber gesprächsbereit

ms - 11.06.2024 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj heute bei der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Berlin ist, wird im Land selbst aktuell über die Möglichkeiten eines Pride in Kiew debattiert. Das Team des Kyiv Pride möchte trotz des Kriegs mit Russland in diesem Jahr einen CSD veranstalten – die Frage ist nur, wo?

Ein Pride in der U-Bahn?

Das erste Konzept der Veranstalter sah vor, den Pride in einer U-Bahn-Station stattfinden zu lassen, um so für die CSD-Teilnehmer die größtmögliche Sicherheit vor Bomben zu gewährleisten. Diese Idee lehnte der Stadtrat von Kiew jetzt allerdings aus Sicherheitsbedenken ab, da das U-Bahnsystem der Stadt bei einem russischen Luftangriff als Luftschutzbunker für die gesamte Bevölkerung jederzeit zur Verfügung stehen müsse.

Eine Pride-Demonstration könnte aufgrund des begrenzten Platzes zu einem hohen Risiko im Ernstfall werden, noch dazu, da es auch anderweitig jederzeit zu einem hohen Fahrgastaufkommen und damit zu weiteren Platzproblemen kommen kann. Das Organisationsteam rechnet mit rund 500 potenziellen Teilnehmern beim Pride. Zuletzt im Jahr 2021 hatten rund 7.000 Menschen am CSD teilgenommen

Unterstützung von der Stadtverwaltung

Der erste stellvertretende Bürgermeister von Kiew, Mykola Povoroznyk, betonte allerdings, dass er den  Kyiv Pride unterstütze und die Wichtigkeit des Einsatzes für Gleichberechtigung und für die LGBTI*-Menschenrechte für wichtig erachte – nur müsse der Pride eben an einem anderen Ort stattfinden. Ob und wie ein möglicher Pride in Kiew so kurzfristig noch stattfinden kann, ist derzeit völlig offen – die Veranstalter wollten die Demonstration bereits am kommenden Sonntag (16. Juni) stattfinden lassen. 

Zeichen setzen – auch im Krieg

Das Team des Kyiv Pride betonte, wie wichtig es sei, trotz des Krieges ein Zeichen für die Rechte von LGBTI*-Menschen zu setzen, noch dazu, da die Akzeptanz und Zustimmung aus der Bevölkerung seit dem russischen Angriffskrieg zugenommen habe. Im November 2023 hatten 72 Prozent der Ukrainer in einer Umfrage angegeben, gleiche Rechte für LGBTI*-Menschen zu befürworten, inklusive einer gleichgeschlechtlichen Ehe für Homosexuelle – im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei gerade einmal 29 Prozent. Auch Selenskyj sprach sich im Grundsatz für eine mögliche Homo-Ehe aus, betonte aber, dass es die dafür notwendige Verfassungsänderung nicht in Kriegszeiten geben werde. 

Trotzdem kommt es allerdings nach wie vor auch zu Anfeindungen, gerade gegenüber den Mitarbeitern von Kyiv Pride, die auch als Beratungsanlaufstelle für LGBTI*-Menschen fungieren. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Destanee Aiava tritt zurück

Karriereende und schwere Vorwürfe

Die australische Tennisspielerin Destanee Aiava beendet ihre Karriere und erhebt schwere Vorwürfe von Homophobie hinter den Kulissen.
Statement gegen Hass in Uganda

Abkehr von homophoben Politikern

Unterstützt wirklich die Mehrheit in Uganda das Anti-Homosexuellen-Gesetz? Die verantwortlichen Politiker erhielten nun von den Wählern eine Klatsche.
Hasskriminalität in England

Besonders schweres Verbrechen

In England soll das Gesetz zur Hasskriminalität verschärft werden, sodass Angriffe auf LGBTIQ+-Personen als besonders schwer eingestuft werden.
Schumer kündigt Gesetz an

Sicherung der Pride-Flagge

Seit Tagen wird in New York gegen das Entfernen der Pride-Flagge am Stonewall Monument protestiert, jetzt soll ein neues Gesetz Sicherheit schaffen.
Anderson Cooper hört auf

Keine Zusammenarbeit mehr mit CBS

Das bekannteste schwule TV-Gesicht der USA, Anderson Cooper, beendet nach 20 Jahren seine Zusammenarbeit mit CBS. Spielte die Trump-Politik hinein?
Urteil in Großbritannien

Beziehungsdrama in England

Der Gerichtsprozess um ein grausamen Mord bei einem lesbischen Paar schockt derzeit die Community in England, jetzt fiel das Urteil.
Ende des Regenbogens

Keine Regenbogentreppe in Arnsberg

Nach zweimaliger Sachbeschädigung wird es keine Regenbogentreppe in Arnsberg mehr geben. In der Community vor Ort ist der Frust darüber groß.