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Schwul im Job

Schwul im Job Tuscheln, Starren und sexuelle Anspielungen sind weit verbreitet

ms - 22.05.2024 - 11:00 Uhr
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Vor wenigen Tagen erst zeigte die neue Studie der Europäischen Grundwerteagentur (FRA) auf, dass es noch massive Probleme bei der Akzeptanz von Homosexuellen und queeren Menschen in Deutschland sowie in Europa gibt. Nun legt eine zweite Untersuchung den Schwerpunkt auf die Situation im Berufsleben. Rund jede dritte LGBTI*-Person geht im Job nicht offen mit seiner sexuellen Orientierung um. 

Großteil der Befragten sind schwul

Die Studienreihe „Out im Office?!“ erhebt seit 1997 regelmäßig Daten zur Situation von LGBTI*-Menschen im Berufsleben. Für die jüngste Erhebung wurden knapp 1.600 Personen befragt, das Durchschnittsalter lag bei 45 Jahren. Über 80 Prozent der Befragten waren homo- oder bisexuell. Der größte Anteil der Interviewten sind mit knapp 37 Prozent schwule Männer. Dreiviertel der Studienteilnehmer (74,1%) arbeitet als Angestellter, knapp zehn Prozent sind Beamte und rund acht Prozent selbstständig. Über 43 Prozent der Angestellten arbeiten in einem Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. 

Out im Office – Ja oder Nein?

Rund 38 Prozent der Homosexuellen sind gegenüber allen Kollegen offen bezüglich ihrer sexuellen Orientierung, weitere rund 25 Prozent hingegen nur mit sehr wenigen oder keinem. Für Bisexuelle ist die Lage noch schwieriger, hier zeigen sich rund 66 Prozent als zumeist sehr verschwiegen. 

Ähnlich sieht die Lage gegenüber Führungskräften aus: Rund 43 Prozent der Schwulen und Lesben sind zu allen Chefs offen, 15 Prozent zu keinem einzigen. Die positive Nachricht: Langsam und schrittweise scheint sich die Situation ein wenig zu verbessern: Im Jahr 2017 waren nur 29 Prozent der Homosexuellen out gegenüber den Kollegen, 2023 stieg dieser Wert um mehr als acht Prozentpunkte an. Im gleichen Zeitraum sank die Verschwiegenheit um rund fünf Prozentpunkte. 

Weniger Wertschätzung 

Das Thema Diskriminierung ist nach wie vor ein großes Problem in der Berufswelt. Die EU-Grundrechteagentur stellte so vor wenigen Tagen fest, dass jeder fünfte LGBTI*-Mensch (19%) am Arbeitsplatz in Deutschland davon betroffen ist. Die Office-Studie fragte hier noch genauer nach: Am meisten Ungleichbehandlung erleben Schwule, Lesben und Bisexuelle in ihrem Job, wenn es um das Thema Wertschätzung (15,1%), Urlaub (12,5%) und Beförderung (10,7%) geht. Etwa jeder zwanzigste von ihnen (5,7%) fühlt sich auch in puncto Gehalt diskriminiert. 

Tuscheln, Starren und sexuelle Anspielungen

Probleme gibt es auch nach wie vor im Umgang mit den Kollegen: Fast die Hälfte der Homosexuellen (rund 43%) erleben so nach wie vor Tuscheln, Gerüchte und Lügen sowie ein unangenehmes Interesse am Privatleben. 40 Prozent muss sich übergriffige Fragen zur sexuellen Orientierung anhören. Jeder Fünfte (21,4%) beklagt zudem ein „unverhältnismäßig langes, unverhohlenes Starren“. 

Knapp 37 Prozent erleben auch, wie Gesten, Bewegungen oder die Stimme von ihnen imitiert und lächerlich gemacht werden. Ebenso Berufsalltag für viele Schwule und Lesben (38,2%) sind unangenehme sexuelle Anspielungen; jeder Vierte (23,4%) wird zudem beschimpft und beleidigt, jeder Fünfte (20,2%) erlebt Mobbing und Psychoterror. 

Zusammenfassend gesagt, erleben 60 Prozent der Schwulen und Lesben ein voyeuristisches Interesse und Irritationen, rund 55 Prozent werden abwertend behandelt oder vorgeführt, 40 Prozent erlebt sexuelle Belästigung, 23 Prozent Beschimpfungen und Beleidigungen und 25 Prozent Erpressung und Mobbing. Jeder zehnte Schwule (11,4%) ist zudem mit körperlicher Gewalt und Aggressionen konfrontiert. Unterm Strich lässt sich festhalten: Es gibt noch viel zu tun. 

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