Ein Jahr Trump-Regierung Licht und Schatten für junge queere Jugendliche
Seit einem Jahr ist Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der USA. Mehrere queere Organisationen haben jetzt eine erste Bilanz gezogen, die gemischt ausfällt. Es gibt dabei durchaus auch Hoffnungsbotschaften, gerade auch für junge LGBTIQ+-Menschen.
Licht und Schatten
In den USA stehen LGBTIQ-Kinder und -Jugendliche weiterhin unter erheblichem politischen und gesellschaftlichen Druck. Allein im Jahr 2025 befassten sich die Parlamente der Bundesstaaten mit mindestens 616 Gesetzentwürfen, die sich gegen queere Menschen richteten – ein Höchststand. In Oklahoma verloren trans* Kinder den Zugang zu medizinischer Versorgung.
Auch auf Bundesebene kam es zu Einschnitten: Die Trump-Regierung stellte wenige Wochen nach dem Pride Monat die LGBTIQ+-Jugend-Suizid-Hotline ein. Dies geschah trotz alarmierender Zahlen des Trevor Projects. Demnach gaben 39 Prozent der LGBTIQ+-Jugendlichen an, im vergangenen Jahr ernsthaft Suizidgedanken gehabt zu haben. Mehr als jeder Zehnte unternahm einen Suizidversuch, und 90 Prozent erklärten, politische Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen hätten ihrem allgemeinen Wohlbefinden direkt geschadet.
Trotz dieser Entwicklung gibt es auch positive Signale. Im vergangenen Jahr scheiterten 91 Prozent der Anti-LGBTIQ+-Gesetzentwürfe. Zudem beteiligten sich zahlreiche Kinder und Jugendliche an den sogenannten „No Kings“-Protesten. Elterninitiativen gewinnen an Stärke, und Unterstützerinnen und Unterstützer finden sich zunehmend auch in unerwarteten gesellschaftlichen Bereichen.
Das US-Medium Uncloseted Media, das regelmäßig über Diskriminierung und Hass im Bereich LGBTIQ+ berichtet, startete im Herbst 2025 eine landesweite Aktion mit einem anderen Fokus: Menschen im ganzen Land wurden eingeladen, Botschaften der Hoffnung für queere Jugendliche zu hinterlassen. Höhepunkt der Kampagne war eine Installation im historischen Stonewall Inn in New York, wo Besucher über ein Wählscheibentelefon Sprachnachrichten mit Worten der Ermutigung, Zuversicht und Solidarität aufnehmen konnten.
Die Mär vom Schutz der Kinder
In den vergangenen Jahren wurde in politischen Debatten häufig mit dem Begriff der „elterlichen Rechte“ argumentiert, um LGBTIQ+-Menschen als Gefahr für Kinder darzustellen. Die Organisation GLAAD stellte dazu fest, dass falsche „Grooming“-Narrative weiterhin zu den zentralen Strategien von Anti-LGBTIQ+-Desinformation gehören.
Dem gegenüber stehen nach Schätzungen rund 2,6 Millionen LGBTIQ+-Eltern in den USA. Studien belegen zudem, dass Akzeptanz innerhalb der Familie – etwa durch aktives Eintreten für die Identität des Kindes – mit einem geringeren Suizidrisiko bei queeren Jugendlichen verbunden ist. Für junge Menschen, die in ihren Familien keine Unterstützung erfahren, können andere Vorbilder Hoffnung geben.
Besonders schwierig ist die Lage für LGBTIQ+-Jugendliche in ländlichen Regionen. Laut einer nationalen Umfrage gaben nur vier Prozent der queeren Jugendlichen auf dem Land an, ihre Gemeinde sei „sehr akzeptierend“. Dennoch leben schätzungsweise 3,8 Millionen LGBTIQ+-Menschen in ländlichen Gebieten der USA, und auch dort gibt es Unterstützer. Viele LGBTIQ+-Kinder wachsen zudem in konservativen oder stark religiösen Gemeinschaften auf.
Zusammenhalt der Community
Nach Angaben des Trevor Projects hat etwa ein Fünftel der LGBTIQ+-Jugendlichen bereits an Protesten teilgenommen. Das gilt als Zeichen eines wachsenden politischen Engagements. Queere Menschen zählen damit weiterhin zu den aktivsten Gruppen im öffentlichen Widerstand. Uncloseted Media betonte, dass trotz der schwierigen Lage Veränderungen sichtbar seien. So identifizieren sich in der Generation Z mehr Menschen als LGBTIQ+ als in jeder anderen heute lebenden Generation.