Literaturfreiheit unter Druck „Wicked“ & Co.: Utah entfernt 22 Bücher aus Schulen
Bereits seit vier Jahrzehnten hält der konservative Kurs in Utah an. Jetzt sorgt eine neue Entscheidung für weitere heftige Debatten: In Utah sind 22 Bücher, darunter der bekannte Roman „Wicked“ von Gregory Maguire und „Das also ist mein Leben“ von Stephen Chbosky, aus allen öffentlichen Schulen entfernt worden. Die Schulbehörden des US-Bundesstaates verweisen auf eine 2024 aktualisierte Gesetzgebung, nach der Inhalte, die „schädlich für Minderjährige“ sein könnten, systematisch aus Schulbibliotheken entfernt werden müssen. Die Entscheidung löst landesweit Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und des Zugangs zu Literatur aus.
Neue Zensurwelle trifft Bestseller
Nach der 2022 beschlossenen und seither mehrfach verschärften Gesetzgebung haben Schulen in Utah die Aufgabe, Bücher mit so genannten „sensiblen Inhalten“ zu begutachten und zu entsorgen. Besonders betroffen sind Werke, die Diversität, sexuelle Identität oder gesellschaftliche Probleme thematisieren. Neben „Wicked“ sind auch Bücher wie „Nineteen Minutes“ von Jodi Picoult oder die preisgekrönten Werke von Toni Morrison und Maya Angelou betroffen. Die Bandbreite der verbotenen Titel reicht damit von Gegenwartsliteratur bis hin zu Klassikern.
Bemerkenswert ist die Praxis, die ausgeräumten Bücher sogar physisch zu vernichten. Der republikanische Bildungspolitiker Brent Strate erklärte laut US-Medien, es gehe darum, Kinder umfassend vor schädlichen Einflüssen zu schützen, auch wenn das bedeute, dass Bücher zerstört würden. Beobachterinnen und Beobachter sehen hierin einen beispiellosen Eingriff in die Bildungsautonomie.
Die ACLU (American Civil Liberties Union) hat gemeinsam mit betroffenen LGBTIQ+-Autorinnen und -Autoren sowie Schülern eine Klage eingereicht. Kritisiert wird besonders, dass die Maßnahme überproportional Bücher betrifft, die von Frauen, People of Color oder queeren Schreibenden stammen.
Seit 1985 dominiert die Republikanische Partei Utahs Politik. Immer wieder wurden progressive Symbole und Persönlichkeiten wie Harvey Milk aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Die jetzige Bücherverbannung geschieht in einer Zeit, in der auch in anderen US-Bundesstaaten, von Texas bis Florida, vergleichbare Tendenzen sichtbar werden. Laut der American Library Association verzeichneten Schulen im Jahr 2023 eine Rekordzahl an Versuchen, Bücher zu verbieten, wobei die meisten Werke Themen wie Rassismus, sexuelle Orientierung oder Identität behandeln.
Die Entwicklungen werfen die Frage auf, wie viel Vielfalt und kritische Auseinandersetzung im Bildungsraum noch möglich sein werden. Die nationale und internationale Aufmerksamkeit dürfte die Debatte weiter anheizen. Während Gerichte nun über die Rechtmäßigkeit der Zensur entscheiden, steht Utah exemplarisch für einen Kulturkampf, der weit über den Bundesstaat hinausweist.