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Kardinal Timothy Radcliffe

Kardinal Timothy Radcliffe Liebe sei wichtiger als Homosexualität bei Priestern

ms - 09.01.2026 - 09:30 Uhr
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Der britische Kardinal Timothy Radcliffe (80) ist überzeugt davon, dass es in der Geschichte der Kirche bereits einen schwulen Papst gegeben hat: „Ich bin mir sicher, dass es schon einen gab", erklärte er in einem Interview mit dem Telegraph. Auf die Frage nach dem Namen dieses Papstes antwortete Radcliffe weiter: „Ich weiß nicht, wer es war.“ Der Geistliche betonte dabei weiter eine generelle Bedeutung: „Mir geht es nicht darum, ob jemand schwul ist. Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn jemand nicht in der Lage ist, jemanden zu lieben.“

Einsatz für Menschen mit HIV 

Radcliffe hat seit Jahrzehnten enge Beziehungen zur schwulen Gemeinschaft in London und setzt sich seit den 1980er Jahren intensiv für Menschen mit Aids ein. Er erklärte, wie er während einer Konferenz im Jahr 1986 in Staffordshire erstmals einen Aids-kranken Mann getroffen hatte, der seine Sicht auf die Krankheit veränderte. Beim Friedensgruß der Messe habe er den Mann umarmt und dabei gedacht: „Ich habe noch nie jemanden mit Aids umarmt – wird das das Ende für mich sein?“ Rückblickend kommentierte Radcliffe: „Wir waren damals einfach unwissend.“ Ein Jahr später besuchte Radcliffe einen HIV-positiven Mann im Sterben, der in einem Krankenhaus in Chelsea lag. Der Mann hatte immer wieder nach ihm gefragt, und als Radcliffe ihn kurz vor seinem Tod besuchte, konnte er ihm die letzte Ölung spenden. 

Frauen und trans* Menschen

Auch zu anderen Themen aus der Community nahm der 80-Jährige Stellung, die Diskussion um trans* Rechte betrachtet er differenziert. Seiner Ansicht nach litten nur sehr wenige Menschen wirklich an einer Geschlechtsdysphorie, und er plädierte dafür, diese Menschen mit Respekt zu behandeln. Dennoch ist er der Meinung, dass man sich sein Geschlecht nicht einfach durch eine persönliche Entscheidung aussuchen könne, da die biologische Realität eine grundlegende Rolle spiele. Er bezeichnet dies als eine „falsche, illusorische Vorstellung von Freiheit.“

Der Dominikaner äußerte sich ebenfalls zur Rolle der Frauen in der Kirche und betonte, dass er Frauen in der katholischen Kirche nicht als unterdrückte Minderheit ansähe. Angesichts der Konversion anglikanischer Priester zur katholischen Kirche, die wegen der Weihe von Frauen in der anglikanischen Kirche stattfand, halte er die Priesterweihe von Frauen für schwer durchsetzbar. Gleichzeitig äußerte er sich positiv über eine zügige Weihe von Frauen zu Diakoninnen: „Ich finde, dass es eine viel zu klerikalistische Sichtweise ist, nur Priester als diejenigen zu betrachten, die in der Kirche Bedeutung haben. Heilige sind viel wichtiger als Priester.“

Statement zu Papst Leo

Mit Blick auf Papst Leo XIV. erklärte er, dieser habe die Fähigkeit, die Arbeit seines Vorgängers fortzusetzen als auch eine Brücke zu denen zu schlagen, die sich von der bisherigen Richtung entfernt fühlten. „Leo ist ein sehr ruhiger Mann. Er ist jemand, bei dem man das Gefühl hat, dass er sich ganz auf Gott konzentriert. Er reagiert nicht impulsiv, sondern hört zu und besitzt ein großes Vermittlungstalent“, so Radcliffe. Der Pontifex selbst hatte im letzten Jahr allerdings klargestellt, dass er Reformen in der Kirche Homosexuelle oder Frauen betreffend ablehne. Auch bei der zweitägigen außerordentlichen Kardinalsversammlung im Vatikan in dieser Woche war dies kein Thema. 

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