Direkt zum Inhalt
Nach Todesschüssen von ICE: FBI führt alleinige Ermittlungen

Tod von Renee Nicole Good Nach Todesschüssen von ICE: FBI führt alleinige Ermittlungen

mr - 09.01.2026 - 15:30 Uhr
Loading audio player...

Eine Entscheidung der US-Bundesbehörden sorgt in Minnesota für Unmut: Die Untersuchung des Todes von Renee Nicole Good, die am 7. Januar 2026 von einem ICE-Beamten in Minneapolis erschossen wurde, wird ausschließlich vom Bundeskriminalamt FBI geführt. Die zuständige Behörde des Bundesstaats Minnesota, das Bureau of Criminal Apprehension (BCA), wurde vom Zugang zu den Ermittlungsakten ausgeschlossen, wie Gouverneur Tim Walz bestätigte. Dies wirft Fragen nach Transparenz und Fairness auf.

 

FBI übernimmt alleinige Leitung – Staat ausgeschlossen

Ursprünglich war vorgesehen, dass BCA und FBI gemeinsam ermitteln. Doch nach einer Intervention der US-Staatsanwaltschaft in den Mittagsstunden desselben Tages zog sich das Bundeskriminalamt zurück. Das BCA erklärte, ohne vollständigen Zugang zu Beweismitteln, Zeugenaussagen und Ermittlungsunterlagen könne es keine unabhängige Untersuchung garantieren, wie sie sowohl nach den Gesetzen von Minnesota als auch von der Öffentlichkeit verlangt werde. Das bedeutet für den Bundesstaat einen Rückschritt in der Bemühung um Aufklärung und Kontrolle polizeilicher Gewalt.

 

Proteste, Forderungen und politische Reaktionen

Nach dem tödlichen Vorfall hatte die Bundesregierung unter Donald Trump behauptet, die 37-jährige Good habe ihr Auto als Waffe gegen die ICE-Agenten eingesetzt. Allerdings zeigen Videoaufnahmen, dass sie offenbar versuchte, sich vom Tatort zu entfernen, als die Schüsse fielen. Die Nachfragen nach neutraler Aufklärung wachsen, auch weil Good in der queeren und literarischen Community von Minneapolis eine bekannte Figur war.

„Es ist sehr, sehr schwer zu glauben, dass wir jetzt ein faires Ergebnis bekommen, wenn die Staatsbehörden ausgeschlossen sind“, sagte Gouverneur Walz auf einer Pressekonferenz. „Wir sind erschöpft als Minnesotanerinnen und Minnesotaner, erschöpft als Amerikanerinnen und Amerikaner. Dieser Druck auf unser Bundesland ist schlicht grausam.“

Mit diesen Worten forderte Walz mehr Besonnenheit und eine größere Einbindung lokaler Instanzen.

 

Transparenz und Vertrauen auf dem Prüfstand

Das Vorgehen des FBI steht exemplarisch für die komplexen Zuständigkeiten zwischen Bundes- und Landesbehörden in den USA. Minnesota hatte seit 2020 nach dem Tod von George Floyd einen neuen Standard für unabhängige Ermittlungen gegen den Einsatz tödlicher Polizeigewalt entwickelt. Dass das BCA jetzt außen vor bleibt, trifft auf Widerstand, da Betroffene und Öffentlichkeit ein transparentes Vorgehen erwarten. Bundesweit zeigen vergleichbare Vorfälle, dass das Vertrauen in die Justiz stark mit der Nachvollziehbarkeit von Ermittlungen verknüpft ist.

Der Fall wirft die Frage auf, ob eine unabhängige und gerechte Aufarbeitung ohne die Beteiligung lokaler Ermittlerinnen und Ermittler möglich ist. Für die Zukunft bleibt entscheidend, ob das FBI seine Zusage einer umfassenden Untersuchung und Berichterstattung gegenüber Staats- und Bundesanwalt einhält – und ob daraus strukturelle Konsequenzen für die Zusammenarbeit multilokaler Behörden im gesamten Land erwachsen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Brasilianer mutiger Vorreiter

Meilenstein für das Männer-Tennis

Beim diesjährigen Australian Open wird João Lucas Reis da Silva als erster offen schwuler Mann in den Qualirunden eines Grand-Slam-Turniers antreten.
Literaturfreiheit unter Druck

Zensurwelle schreitet vorran

In Utah sind 22 Bücher, darunter der bekannte Roman „Wicked“ von Gregory Maguire, aus allen öffentlichen Schulen entfernt worden.
Ein Jahr Trump-Regierung

Erste Bilanz der LGBTIQ+-Community

Mehrere LGBTIQ+-Organisationen haben in den USA eine erste Bilanz nach einem Jahr Trump-Administration gezogen, dabei gibt es Licht und Schatten.
Opfer erstattet Anzeige

Mit Messer im Gesicht verletzt

Ein 19-jähriger Tänzer und Student, wurde zum Ziel einer schweren homofeindlichen Attacke in Genua, Italien.
Marvel Rivals und LGBTIQ+

Repräsentation der Community

Staffel 5 des kostenlosen Mobile-Games "Marvel Rivals" ist gestern online gegangen. Doch werden queere Charaktere inzwischen mehr eingebunden?
Homophobe Agenda in Ägypten

Diskriminierung und Online-Fallen

Outright International zieht ein bitteres Fazit über Ägypten: Angriffe, Repression, Diskriminierung und Online-Fallen im Bereich LGBTIQ+ nehmen zu.
Szenesterben in Österreich

Älteste Schwulenbar Wiens macht zu

Das Szenesterben ist in Deutschland wie auch in Österreich ein großes Problem. In Wien musste jetzt die älteste Schwulenbar der Stadt schließen.
Kardinal Timothy Radcliffe

Sexuelle Orientierung ist unwichtig

Der britische Kardinal Timothy Radcliffe erklärte, es gab bereits einen schwulen Papst. Homosexualität sei dabei gar nicht so wichtig, eher die Liebe.
Cybermobbing vor Gericht

White-Tiger-Prozess in Hamburg

Ein 21-Jähriger namens „White Tiger“ soll als Kopf einer pädokriminellen Bande Kinder in den Suizid getrieben haben. Prozessbeginn heute in Hamburg.