Direkt zum Inhalt
Rechtsruck in der Generation Z

Rechtsruck in der Generation Z Die LGBTI* besonders affine junge Generation Z setzt immer mehr auf AfD statt Ampel

ms - 23.04.2024 - 17:00 Uhr
Loading audio player...

Bereits im März dieses Jahres zeigte eine Online-Umfrage beim Dating-Portal Romeo auf, dass viele schwule Wähler möglicherweise politisch nach rechts gerückt sein könnten. Die Studie war allerdings nicht repräsentativ. Untermauert wird der Trend jetzt trotzdem durch die repräsentative Online-Befragung vom Allensbach-Institut für Demoskopie, der siebten Trendstudie „Jugend in Deutschland“.

AfD verdoppelte sich bei Gen-Z

Befragt wurden die 14- bis 29-Jährigen der Generation Z – jene Generation also, in der sich mehr als jeder Fünfte als LGBTI* definiert (22%, Ipsos Studie 2023), mehr als in allen anderen Altersklassen in Deutschland. Das Ergebnis: Binnen von zwei Jahren hat sich die Anhängerschaft der AfD verdoppelt, von neun Prozent im Jahr 2022 auf aktuell 22 Prozent im Jahr 2024. 

Ebenso zugenommen haben in dem Zeitraum die Parteipräferenzen für die CDU/CSU von 16 auf 20 Prozent. Die neu gegründete Partei Bündnis Sahra Wagenknecht BSW kommt aus dem Stand auf fünf Prozent in der Gen-Z. 

FDP und Grüne verlieren dramatisch

Alle anderen, im Bundestag vertretenen Parteien haben indes Stimmen verloren, mehr als halbiert hat sich die Anhängerschaft der FDP: Sie sank von einstmals 19 Prozent im Jahr 2022 auf derzeit nur noch acht Prozent. Beinahe ähnlich dramatische Verluste können die Grünen verzeichnen – von einstmals 27 Prozent auf nur noch 18 Prozent. Die SPD sank in diesem Zeitraum um nur zwei Prozentpunkte auf 12, die Linke verlor ebenso zwei Prozentpunkte und steht aktuell bei sieben Prozent. 

Inflation und Flüchtlingsströme

Auch wenn sich 22 Prozent der Generation Z als LGBTI* definieren, scheinen Themen rund um die Community kaum eine Rolle zu spielen. Die meisten jungen Deutschen beschäftigt die hohe Inflation im Land (65%) gefolgt vom Kriegsgeschehen in Europa und Nahost (60%) sowie die Spaltung der Gesellschaft (49%). Ebenso macht sich die Hälfte der jungen Generation Sorgen um teuren beziehungsweise knappen Wohnraum (54%). 

40 bis 50 Prozent der jungen Bundesbürger beschäftigen zudem Themen wie die Altersarmut, die Wirtschaftskrise, der Zusammenbruch des Rentensystems und das Erstarken der rechtsextremen Parteien. Besonders stark zugenommen hat dabei allerdings die Sorge vor einer „Zunahme der Flüchtlingsströme“, Stichwort Migration – hier haben sich die Werte binnen eines Jahres auf 41 Prozent verdoppelt. Beachtlich ebenso: Beim Klimawandel sanken die Bedenken von einstmals 55 auf 49 Prozent. 

Vertrauensverlust bei jungen Deutschen

Einer der Autoren der Studie, Jugendforscher Simon Schnetzer, erklärte dazu gegenüber der Welt: „Unsere Studie dokumentiert eine tief sitzende mentale Verunsicherung mit Verlust des Vertrauens in die Beeinflussbarkeit der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Die Aussicht auf ein gutes Leben schwindet. Die große Frage für alle Akteure in der Gesellschaft wird sein, wie sie junge Menschen für eine positive Vision im Land begeistern und sie an Veränderungsprozessen beteiligen können.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Brasilianer mutiger Vorreiter

Meilenstein für das Männer-Tennis

Beim diesjährigen Australian Open wird João Lucas Reis da Silva als erster offen schwuler Mann in den Qualirunden eines Grand-Slam-Turniers antreten.
Literaturfreiheit unter Druck

Zensurwelle schreitet vorran

In Utah sind 22 Bücher, darunter der bekannte Roman „Wicked“ von Gregory Maguire, aus allen öffentlichen Schulen entfernt worden.
Tod von Renee Nicole Good

Empörung zum Vorgehen der Behörden

Die Untersuchung des Todes von Renee Nicole Good, die von einem ICE-Beamten erschossen wurde, wird ausschließlich vom Bundeskriminalamt FBI geführt.
Ein Jahr Trump-Regierung

Erste Bilanz der LGBTIQ+-Community

Mehrere LGBTIQ+-Organisationen haben in den USA eine erste Bilanz nach einem Jahr Trump-Administration gezogen, dabei gibt es Licht und Schatten.
Opfer erstattet Anzeige

Mit Messer im Gesicht verletzt

Ein 19-jähriger Tänzer und Student, wurde zum Ziel einer schweren homofeindlichen Attacke in Genua, Italien.
Marvel Rivals und LGBTIQ+

Repräsentation der Community

Staffel 5 des kostenlosen Mobile-Games "Marvel Rivals" ist gestern online gegangen. Doch werden queere Charaktere inzwischen mehr eingebunden?
Homophobe Agenda in Ägypten

Diskriminierung und Online-Fallen

Outright International zieht ein bitteres Fazit über Ägypten: Angriffe, Repression, Diskriminierung und Online-Fallen im Bereich LGBTIQ+ nehmen zu.
Szenesterben in Österreich

Älteste Schwulenbar Wiens macht zu

Das Szenesterben ist in Deutschland wie auch in Österreich ein großes Problem. In Wien musste jetzt die älteste Schwulenbar der Stadt schließen.
Kardinal Timothy Radcliffe

Sexuelle Orientierung ist unwichtig

Der britische Kardinal Timothy Radcliffe erklärte, es gab bereits einen schwulen Papst. Homosexualität sei dabei gar nicht so wichtig, eher die Liebe.