Die Angst nimmt zu Neue Umfrage zeigt Sorgen nach islamistischer Tat in Berlin
Der islamistische Terroranschlag beim Christopher Street Days (CSD) in Berlin hat bei vielen Menschen das Sicherheitsgefühl verändert. In einer aktuellen Umfrage gaben 38 Prozent der Befragten an, dass ihr persönliches Sicherheitsgefühl seit der Tat eindeutig oder eher abgenommen habe, so die Ergebnisse einer aktuellen Befragung des Spiegels.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund jeder vierte Befragte gibt an, dass sich das persönliche Sicherheitsgefühl nach dem Anschlag verschlechtert hat.
- Die Mehrheit bewertet die eigene Sicherheit unverändert.
- SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fordert sichtbare Unterstützung durch politische Verantwortliche.
- Opfer des Anschlags können finanzielle Soforthilfen beantragen.
Ein unsicheres Land für die Mehrheit
Etwa die Hälfte der Teilnehmer (54 Prozent) erklärte, die eigene Einschätzung habe sich nicht verändert. Sieben Prozent sagten, ihr Sicherheitsgefühl sei eindeutig oder eher besser geworden. Ein Prozent machte keine Angabe. Auch die allgemeine Einschätzung der Sicherheitslage in Deutschland wurde in der Befragung thematisiert. Auf die Frage, ob Deutschland „ein stabiles und sicheres Land“ sei, antworteten 51 Prozent der Befragten mit „eindeutig oder eher nicht“. 37 Prozent stimmten der Aussage „eher“ oder „eindeutig“ zu. Zwölf Prozent waren unentschieden.
Der schwule SPD-Fraktionschef Matthias Miersch betonte dabei gegenüber der Funke Mediengruppe in Richtung Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): „Es wäre ein sehr gutes Zeichen, wenn der Kanzler zu einem CSD kommen würde.“ Es sei wichtig, „dass wir als politische Verantwortungsträger in der aktuellen Lage Flagge zeigen“. Und weiter: „Viele der CSD-Teilnehmenden leiden nach der Tat sehr, auch wenn sie nicht unmittelbar betroffen gewesen sind. Ich bin Teil dieser Community, die angegriffen wurde, und kann sehr gut nachvollziehen, wie viele sich emotional fühlen.“
Queere Verbände verlangen besseren Schutz
Im Berliner Tiergarten wurde am vergangenen Samstagabend der Opfer des islamistischen Anschlags gedacht. Bei dem Amoklauf am Samstag vor einer Woche hatte der 21-jährige Abdul Ballout mit einem Auto mehrere Passanten angefahren und anschließend mit einer Machete weitere Menschen verletzt. Eine polnische Mutter, die ihre Tochter zum CSD begleitet hatte, starb, 31 weitere Menschen wurden verletzt, darunter sieben schwer. Der junge Islamist wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen, nachdem Einsatzkräfte ihn in einer Gartenkolonie in Spandau gestellt hatten. An der Gedenkveranstaltung nahmen nach Angaben der Polizei 650 Menschen teil, darunter auch zahlreiche Vertreter der Landespolitik. Eingeladen hatten der Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg und der LSVD Bundesverband gemeinsam. Vertreter der Organisationen verbanden die Gedenkveranstaltung mit der erneuten Forderung nach mehr Schutz für queere Menschen.
Schnelle finanzielle Hilfe für Opfer
Der Bundesopferbeauftragte der Bundesregierung, Roland Weber, stellte indes inzwischen den Betroffenen des Berliner CSD-Anschlags schnelle finanzielle Unterstützung in Aussicht. Neben medizinischer und psychologischer Hilfe könnten Opfer auch materielle Unterstützung erhalten. „Terroropfer haben Anspruch auf sofortige finanzielle Hilfe“, sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur. Die sogenannten Härteleistungen werden nach Angaben Webers vom Bundesamt für Justiz ausgezahlt und können dort beantragt werden. Die Höhe richtet sich nach dem Grad der Verletzungen. Verletzte Menschen erhalten demnach in einem abgestuften Verfahren zunächst 3.000 bis 5.000 Euro. Hinterbliebene von Todesopfern können bis zu 30.000 Euro bekommen.
„Es handelt sich um eine erste Leistung zur Überbrückung bestimmter Kosten. Sie kann sehr schnell fließen“, sagte Weber. Seine Geschäftsstelle unterstütze Betroffene bei Bedarf auch beim Ausfüllen der notwendigen Anträge. Je nach persönlicher Situation könnten mittel- und langfristig weitere Leistungen infrage kommen. Dazu zählen etwa Entschädigungszahlungen, finanzierte Umschulungen, Renten oder Versicherungsleistungen. Auch dabei bietet Weber Unterstützung an. Auch Menschen, die den Anschlag beobachtet haben oder sich in der Nähe befanden, stehen für Weber im Fokus. „Es gibt Augenzeugen, Menschen, die in der Nähe eines Anschlags waren, und die laufen oft weg“, sagte er. „Manchen geht es bald wieder gut, die stecken das weg und verkraften das. Andere nicht. Diese Gruppe ist am schwersten zu erreichen.“ Betroffene des Anschlags, darunter Hinterbliebene, Verletzte, Angehörige, Augenzeugen oder Menschen, die spontan Erste Hilfe geleistet haben, können sich an die kostenlose Hotline des Opferbeauftragten unter 0800-0009546 wenden.