Direkt zum Inhalt

Letzte Chance Die Lage in Afghanistan wird immer dramatischer – bald sei jede Chance auf Rettung vertan

Von ms - 03.11.2023 - 12:00 Uhr
Letzte Chance
Foto: iStock / Emrah Onder
ANZEIGE
Loading audio player...

Die LGBTI*-Organisation All-Out schlägt nun erneut Alarm – die Lage für Homosexuelle in Afghanistan verschlimmere sich von Woche zu Woche immer mehr. Offiziell spricht der Verband von einer „letzten Chance“ zur Rettung von homosexuellen Afghanen, bevor diese allesamt von der Taliban entdeckt, inhaftiert und schlussendlich hingerichtet werden.

Deutschlands „skandalöses“ Verhalten

In Deutschland sind zwar inzwischen die ersten schwulen Afghanen angekommen, doch die Kritik an der Bundesregierung reißt nicht ab – über ein Jahr lang tat das Auswärtige Amt nichts, um den Schwulen und Lesben im Land zu helfen. Im Herbst 2022 wurde dann ein Bundesaufnahmeprogramm angekündigt, das aufgrund der deutschen Bürokratie und Kontrollfehlern seitens einiger NGOs erneut ein Jahr brauchte, um erstmals überhaupt Menschen aus dem Land zu retten.

Trotz großer Hoffnung verläuft die weitere Evakuierung nach wie vor schleppend, die Linke.queer warf in diesem Zusammenhang der Ampel-Koalition inzwischen vor, gescheitert zu sein. Die Bilanz der Bundesregierung sei „skandalös und ein Hohn für diejenigen, denen man vollmundige Versprechen gemacht hat“, so die beiden Bundessprecher Daniel Bache und Luca Renner.

Erdbeben verschlimmerte die Lage weiter

All-Out berichtet nun über die aktuellen Entwicklungen vor Ort, die sich seit der Machtergreifung der Taliban im August 2021 einmal mehr verschärfen – tagtäglich verschwinden Homosexuelle oder werden „verhaftet, eingesperrt, gefoltert, sexuell missbraucht oder ausgebeutet, gegen ihren Willen zwangsverheiratet und zu Tode gesteinigt. Andere werden in den Selbstmord getrieben.“

Zusammen mit dem Notfallprogramm der ILGA Asia versucht der Verband, weiteren homosexuellen Afghanen zu helfen, wobei es immer wieder auch zu finanziellen Engpässen kommt: „Diese Krise ist so gewaltig, dass es schwierig ist, genügend Mittel zu finden, um darauf zu reagieren. Und die verheerenden Erdbeben in Afghanistan bedeuten, dass Hilfe dringender denn je benötigt wird.“ Schwule und Lesben leben in ständiger Angst vor Inhaftierung, Folter und Tod, durch die Erdbeben wurden dabei nun oftmals noch die letzten geheimen Verstecke zerstört, weswegen beide Organisationen auch um Spenden bitten. 

„Wir verloren alles, als die Taliban die Kontrolle übernahmen“

Des Weiteren dokumentiert All-Out auch die Berichte von geretteten Homosexuellen. „Ich war jeden Tag auf der Flucht. Wäre ich verhaftet worden, hätte mir nichts anderes als Steinigung und der Tod gedroht. Und die Situation verschlimmert sich von Tag zu Tag“, so ein schwuler junger Afghane.

Ein ebenso schwuler Mann berichtet dann: „Nachdem ich mich bei einem Familienmitglied geoutet hatte, erlebte ich die schlimmsten sieben Jahre meines Lebens – nichts ist mit dieser dunklen Zeit vergleichbar. Ich verlor die finanzielle und emotionale Unterstützung meiner Familie, und nachdem die Taliban die Macht ergriffen hatten, verlor ich auch meinen Job. Es war furchtbar. Und meine Geschichte ist kein Einzelfall. Es gibt immer noch so viele Menschen, die in Sicherheit gebracht werden müssen.“

Und eine lesbische Frau erklärte der Organisation: „Ich arbeitete in der Unterhaltungsbranche und war in meiner Stadt bekannt. Doch meine Freundin und ich verloren alles, als die Taliban die Kontrolle übernahmen. Sie suchten überall nach uns, und wir dachten, es sei alles vorbei. Nur dank der Großzügigkeit der All Out-Mitglieder und der Unterstützung von ILGA Asia konnten meine Freundin und ich aus Afghanistan fliehen. Bitte vergesst unsere LGBT*-Familie nicht, die immer noch in Gefahr ist und nach Hoffnung ringt.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER SPIEGEL»Selling Sunset«-Star: Chrishell Stause gibt Trennung von G Flip bekanntBerliner MorgenpostBerliner Theater senden Zeichen an LGBTQ-Community: „Ihr gehört dazu“WDRFast ausgestorben: Schwule Pinguine werden ElternDER STANDARDVerhetzungsprozess um "Dachau" und "Mauthausen" gegen lautstarken UneinsichtigenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

US-Lesbenbar vor dem Aus

Maskenpflicht polarisiert Community

Die lesbische Bar The Last Ditch in Massachusetts stellt ihren regulären Betrieb ein. Zuvor hatten gelockerte Corona-Regeln für viel Kritik gesorgt.
Empörung über Nicki Minaj

Rapperin gegen trans* Jugendliche

Bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Donald Trump kritisierte Nicki Minaj erneut geschlechtsangleichende Behandlungen für trans* Minderjährige.
Italiens Sexualkunde

Verbotsgesetz wird überprüft

Italiens Kassationsgericht macht den Weg frei für eine Volksabstimmung über ein Gesetz, das Sexualbildung inklusive LGBTIQ+ an Schulen einschränkt.
Auszeichnung für Tugay Saraç

Ehrung für mutige Aufklärungsarbeit

Der schwule 29-jährige Tugay Saraç wird für seine Präventionsarbeit an Schulen und seinen Einsatz für LGBTIQ+-Muslime mit 10.000 Euro ausgezeichnet.
ESC 2027 ohne Niederlande

Rundfunk zieht Teilnahme zurück

Die Niederlande verzichten trotz vorheriger Zusage doch auf den ESC 2027. Hintergrund sind anhaltende Konflikte über Israels Teilnahme.
Trauer um André Höhl

Fernsehballett-Star ist tot

Der langjährige schwule Tänzer des Deutschen Fernsehballetts André Höhl ist tot. Viele gemeinsame Auftritte verbinden ihn mit bekannten Musikstars.
Regenbogenbänke in ganz Berlin

Zeichen gegen Queerfeindlichkeit

Nach wiederholten Beschädigungen der Gedenkbank im Tiergarten wollen Berliner Kulturinstitutionen mit Regenbogenbänken Solidarität zeigen.
Viel Stoff, bequemer Halt

Schwule Jungs, lockere Hosen

Zum Tag der Boxershorts wird es luftig: Warum schwule Männer auf lockeren und besonders elastischen Stoff stehen und weshalb das mehr Erotik bedeutet.
Wünsche der Glee-Fans

Viel Liebe und neue Songs

Das „Glee“-Reboot sorgt für Vorfreude: Fans wünschen sich Hits von Chappell Roan, Troye Sivan und Sabrina Carpenter – samt chaotischer Geschichten.