Direkt zum Inhalt
Hoffnung in Polen

Neue Hoffnung in Polen LGBTI*-freundliches Dreierbündnis hat nach der Wahl die Stimmenmehrheit

ms - 16.10.2023 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Neue Hoffnung in der polnischen LGBTI*-Community – wird es nach den gestrigen Parlamentswahlen in Polen künftig eine neue Regierung ohne Beteiligung der homophoben PiS-Partei geben? Die PiS wurde gestern zwar erneut stärkste Kraft, kann aber nicht mehr alleine regieren – drei Oppositionsparteien indes hätten die Regierungsmehrheit, angeführt von Donald Tusk und der Bürgerkoalition (KO). Tusk hatte vor der Wahl bereits angekündigt, die Rechte von LGBTI*-Menschen im Land stärken und auch eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft rechtlich umsetzen zu wollen.

Das Ende der PiS-Regierung

Die drei Oppositionsparteien Bürgerkoalition KO (31,6 %), das konservativ-liberale  Wahlbündnis "Der dritte Weg" (13 %) sowie die Neue Linke" (8,6 %) könnten zusammen die neue Regierung stellen. Die Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kam nach derzeitigen Angaben auf 36,8 Prozent der Stimmen – das wären 200 Sitze in dem 460 Sitze großen Parlament.

Tusk von der KO erklärte so auch bereits am gestrigen Wahlabend: „Ich habe mich noch nie so sehr über den zweiten Platz gefreut. Polen hat gewonnen, die Demokratie hat gewonnen, das ist das Ende der PiS-Regierung!“

PiS räumt Niederlage kleinlaut ein

Selbst PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski räumte bereits ein, dass trotz des „großen Erfolges“ seiner Partei es möglicherweise sein könne, dass die PiS nicht weiter in der Regierung vertreten sein wird: „Die Frage, die sich uns stellt, ist, ob dieser Erfolg in eine weitere Amtszeit unserer Regierung umgesetzt werden kann, und das wissen wir noch nicht. Aber wir müssen Hoffnung haben und wir müssen auch wissen, dass wir, egal ob wir an der Macht oder in der Opposition sind, dieses Projekt auf unterschiedliche Weise umsetzen werden.“

Der einzige mögliche Koalitionspartner für die PiS ist die rechtsextreme Partei Konfederacja – bereits in der Vergangenheit hatte die PiS projektbezogen mit der Partei zusammengearbeitet. Allerdings erreichte die Konfederacja nur 6,2 Prozent der Stimmen, umgerechnet also 12 Sitze im künftigen Parlament. Selbst bei einer Koalition würden die beiden Parteien also die Regierungsmehrheit mit 231 Mandaten verfehlen.

Neue Hoffnung für die LGBTI*-Community

Das amtliche Endergebnis wird am Dienstag erwartet, wobei sich das Kräfteverhältnis im Parlament noch durch kleine Parteien verschieben könnte. So oder so wird eine langwierige Regierungsbildung erwartet – die LGBTI*-Community ist trotzdem voller Hoffnung, endlich eine neue, LGBTI*-freundliche Regierung zu bekommen. Bestenfalls könnte das auch das Ende der „LGBT-freien Zonen“ in Polen sein.

Auch international ist die Freude in der Community groß - Remy Bonny von der LGBTI*-Organisation Forbidden Colours erklärte via X: „Das polnische Volk hat für die europäische Demokratie gestimmt. Die Opposition muss den acht Jahren des Widerstands von LGBTIQ+- und Frauenaktivisten danken, die die Demokratie an vorderster Front verteidigt haben. DonaldTusk muss jetzt einen starken Gleichstellungsplan umsetzen, damit jeder Pole wieder frei sein kann."

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Pride Monat Juni

Protest und Gedenken

Der Pride Monat Juni erinnert an die LGBTIQ+-Bürgerrechtsbewegung und ist bis heute zugleich Protest, Gedenken und Feier der Vielfalt.
OnlyFans-Creator als Aufklärer

Neue Wege der HIV-Prävention

Ein neues Projekt setzt bei der HIV-Prävention auf vertraute Stimmen aus der queeren Community statt auf klassische Warnkampagnen.
EU-Gelder auf dem Spiel

Bis zu zwei Mio. Euro jährlich

Anti-LGBTIQ+-Rhetorik: Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier, nun stehen EU-Gelder auf dem Spiel.
Hass-Konferenz in Afrika

Treffen Anti-LGBTIQ+-Verbände

In Ghana treffen sich kommende Woche Politiker und Organisationen aus mehreren afrikanischen Staaten zu einer Konferenz gegen LGBTIQ+-Rechte.
Pride-Parade in Budapest 2026

Polizei erteilt CSD-Genehmigung

Die Pride-Parade in Budapest soll in diesem Jahr stattfinden können, so die Polizei – trotz der umstrittenen Gesetzeslage in Ungarn.
Streit um Partnerschaftsgesetz

Widerstand von Polens Präsident

Polens Parlament hat die Einführung eingetragener Lebenspartnerschaften beschlossen – doch Präsident Karol Nawrocki will das Gesetz stoppen.
LGBTIQ+-Museum setzt Zeichen

Ehrung queerer US-Aktivisten

Trotz neuer Einschränkungen gegen Diversitätsprogramme in Florida baut ein großes LGBTIQ+-Museum seine Arbeit weiter aus und ehrt Helden der Community
Schwule Männer spenden Blut

Reform zeigt Zunahme in England

In England steigt die Zahl schwuler und bisexueller Männer, die Blut spenden, erstmals nach der Reform deutlich um mehr als 500 Prozent an.