Direkt zum Inhalt

Zwei Theologen vor Gericht Darf immer noch im Namen Gottes Hass verbreitet werden?

Von ms - 20.05.2022 - 15:45 Uhr
Christliche Hetze gegenüber Homosexuellen // © Ocskaymark
Foto: Christliche Hetze gegenüber Homosexuellen // © Ocskaymark
ANZEIGE
Loading audio player...

Juristisch gesehen dürfte heute aus queerer Sicht ein ziemlich bitterer Tag sein – gleich in zwei Fällen könnten juristische Spielereien dazu führen, dass weiter gegen Homosexuelle gehetzt werden darf.

Im ersten Fall entschied das Landgericht Bremen heute bereits den Fall des evangelischen Pastors Olaf Latzel und sprach den Seelsorger frei. Latzel hatte in einem Seminar unter anderem Besucher eines CSDs als “Verbrecher“ bezeichnet. Zudem soll er vom “Genderdreck“ gesprochen und erklärt haben, dass Homosexualität “todeswürdig“ sei.

Das Gericht folgte mit seinem Freispruch der Forderung der Verteidigung, die die Aussagen des Pastors von der Religions- und Meinungsfreiheit abgedeckt sahen.

Das Urteil sorgt aktuell für reichlich Kritik – über 60 queere Aktivisten demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude und die Landesvorsitzende Lara Gerecke der Jugendorganisation der SPD erklärte: "Hass bleibt Hass, auch wenn es so in der Bibel steht und Olaf Latzel bleibt ein Hetzer. Es ist erschreckend, dass solche menschenunwürdigen Äußerungen in unserer Demokratie und von unserem Staat unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit geduldet werden!"

Die Staatsanwaltschaft kann noch innerhalb einer Woche Revision einlegen.

 

Der zweite Fall beschäftigt das Amtsgericht Köln und betrifft den polnischen Theologen Dariusz Oko.

In einem Artikel der kirchennahen Zeitschrift „Theologisches“ bezeichnete Oko nach Aussage der Staatsanwaltschaft Homosexuelle als “Krebsmetastasen“, “Parasiten“, “verdorben und degeneriert“.

Oko selbst erklärte nun heute, dass er nicht über alle Homosexuellen gesprochen habe, sondern sich in seiner Kritik nur auf homosexuelle Priester bezogen habe, die schwere Verbrechen begehen würden.

Das Amtsgericht hatte bereits einen Strafbefehl über 4.800 Euro gegen Oko erlassen, doch der Theologe weigerte sich zu zahlen, weswegen es nun vor Gericht ging. Im vergangenen Sommer hatte die polnische Regierung nach Bekanntwerden des Strafbefehls Kritik an der deutschen Justiz geäußert. Wolfgang Rothe, ein Priester aus München, hatte die Anzeige damals erstattet und wird seitdem mit Hass und Hetze von Seiten gläubiger Katholiken überzogen.

Nach der Mittagspause will sich Oko jetzt selbst ausführlich zur Sache äußern.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

ntv"Man hat sich geschminkt": Thomas Anders vergleicht sich mit Bill KaulitzSüddeutsche ZeitungHip-Hop aus München: Wie Rapperin Ebow das Lebensgefühl von Gastarbeiterkindern vertontFalterTipp Pop: Ebow – Cool, queer und gesellschaftskritischtazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Sexszenen bei Heated Rivalry

Dreharbeiten und Proben laufen

Die Vorbereitungen für „Heated Rivalry“ Staffel 2 laufen. Regisseur Jacob Tierney spricht über Sexszenen, Nacktheit und den Schutz seiner Stars.
Heiße Sportstars

Besondere Nominierungen

Bei Grindrs Jahreswahl „Unwrapped 2026“ konkurrieren Fußballstars, Tennisprofi Carlos Alcaraz und Olympiasiegerin Alysa Liu um besondere Titel.
„Black Doves“ kehrt zurück

Netflix setzt Spionagethriller fort

Ab 5. November läuft die zweite Staffel von „Black Doves“ auf Netflix. Ben Whishaw kehrt als schwuler Auftragskiller mit bewegter Vergangenheit zurück
Ehemann ist schwul: Frau klagt

50.000 Euro Schadensersatz?

Eine Italienerin fordert 50.000 Euro von ihrem schwulen Ex-Mann, weil ihr Kinderwunsch unerfüllt blieb. Das Gericht entscheidet nicht über die Klage.
Queere Jugend macht Politik

Mit 16 schon mitbestimmen

Die US-Initiative „Queer the Ballot“ zeigt LGBTIQ+-Jugendlichen, wie sie politische Entscheidungen beeinflussen können – auch ohne Wahlrecht.
Ein Vorbild nimmt Abschied

Basketballstar beendet Karriere

Der offen schwule Basketballprofi Isaac Humphries beendet mit 28 Jahren seine Karriere. Sein Coming-Out bezeichnet er als seinen stolzesten Moment.
Spendenboom bei Gallant

350.000 Dollar nach Enthüllung

Nach der Veröffentlichung alter BDSM-Fotos erhält der schwule US-Demokrat Chris Gallant mehr als 350.000 Dollar Spenden und übertrifft seinen Rivalen.
Russland fahndet nach Reporter

Schwuler Journalist auf der Flucht

Russland geht zunehmend gegen homosexuelle Journalisten vor. Der geflüchtete Vadim Vaganov berichtet über staatliche Verfolgung und Einschüchterung.
Hoffnung für Jugendliche

Unterstützung senkt Suizidrisiken

Eine US-Langzeitstudie zeigt: Trotz zunehmender Diskriminierung gehen Selbstverletzungen und Suizidversuche bei LGBTIQ+-Jugendlichen zurück.