Zuhause bei den Eltern 30 Prozent der Jugend lebt noch bei Mama und Papa
Immer mehr junge Erwachsene leben auch mit Mitte 20 noch im Elternhaus. Nach ersten Ergebnissen des Mikrozensus 2025 wohnten 30 Prozent der 25-Jährigen in Deutschland noch bei ihren Eltern, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Besonders häufig betrifft dies Männer. Für viele junge LGBTIQ+-Menschen bringt das neben finanziellen Vorteilen jedoch besondere Herausforderungen mit sich – etwa beim Coming-Out, beim Dating oder beim Führen einer Beziehung.
Das Wichtigste im Überblick
- 30 Prozent der 25-Jährigen in Deutschland leben noch im Elternhaus.
- Männer wohnen deutlich häufiger bei ihren Eltern als Frauen.
- Viele junge Erwachsene im Elternhaus sind trotz Arbeit aus finanziellen Gründen noch nicht ausgezogen.
- 22 Prozent der jungen Menschen, die bis 25 Jahre noch zu Hause leben, definieren sich als LGBTIQ+.
- Gerade für queere Menschen erschwert das „Hotel Mama“ häufig das Coming-Out, Beziehungen und das Dating.
Männer verlassen später das Nest
Während der Anteil der 25-Jährigen im Elternhaus in den Jahren 2022 bis 2024 konstant bei 28 Prozent lag, stieg er 2025 auf 30 Prozent. Vor allem junge Männer bleiben länger zu Hause. Mehr als jeder dritte 25-jährige Mann (36 Prozent) lebte 2025 noch bei seinen Eltern. Bei den Frauen traf dies auf knapp jede Vierte (23 Prozent) zu. Auch mit zunehmendem Alter bleibt der Unterschied bestehen. Mit 30 Jahren wohnten noch 13 Prozent der Männer im Elternhaus, aber nur sieben Prozent der Frauen. Insgesamt lag der Anteil bei zehn Prozent. Selbst mit 40 Jahren lebten noch fünf Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen bei ihren Eltern.
Hohe Kosten trotz Vollzeitjobs
Dabei handelt es sich keineswegs überwiegend um Menschen ohne eigenes Einkommen. Gut drei Viertel (77 Prozent) der 25- bis 34-Jährigen, die noch bei ihren Eltern wohnen, sind erwerbstätig. Von ihnen arbeiten 80 Prozent in Vollzeit und 20 Prozent in Teilzeit. Sechs Prozent sind arbeitslos, weitere 17 Prozent zählen zu den Nichterwerbspersonen. Als wichtigste Gründe gelten die stark gestiegenen Mieten, hohe Lebenshaltungskosten und ein angespannter Wohnungsmarkt. Vor allem in Großstädten können sich viele junge Erwachsene trotz Beruf keine eigene Wohnung leisten oder entscheiden sich bewusst dafür, zunächst Geld zu sparen – also genau dort, wo viele schwule, lesbische, bisexuelle und trans* Menschen leben.
Für viele queere Menschen ist die Situation jedoch oft auch anderweitig noch komplexer als für Gleichaltrige. Genau in jener Gruppe der jungen Menschen, die noch zu Hause leben, sind sie am stärksten vertreten: 22 Prozent der Generation-Z definiert sich selbst als LGBTIQ+, soviel wie keine andere Generation davor. Gerade unter schwulen Männern und queeren jungen Erwachsenen spielt neben den wirtschaftlichen Gründen häufig auch die persönliche Lebenssituation eine Rolle.
Besondere Belastung beim Dating
Nicht alle haben sich gegenüber ihrer Familie bereits geoutet oder können offen über ihre sexuelle Orientierung beziehungsweise geschlechtliche Identität sprechen. Manche befürchten Ablehnung oder Konflikte im Elternhaus und verzichten deshalb darauf, Beziehungen sichtbar zu leben oder potenzielle Partner mit nach Hause zu bringen. Auch dort, wo das Verhältnis zur Familie grundsätzlich gut ist, erschwert das Wohnen bei den Eltern oft das Kennenlernen neuer Partner. Spontane Treffen oder gemeinsame Abende in den eigenen vier Wänden sind häufig kaum möglich. Viele weichen deshalb auf Hotels, die Wohnung des Partners oder öffentliche Orte aus. Das kann Beziehungen belasten und das Dating insgesamt komplizierter machen.
Gerade schwule Männer berichten immer wieder, dass sie deutlich länger auf diskrete Treffpunkte angewiesen sind als Gleichaltrige mit eigener Wohnung. Hinzu kommt, dass viele Dating-Apps zwar Kontakte erleichtern, fehlender privater Wohnraum jedoch dazu führt, dass Treffen schwieriger organisiert werden können. Nicht immer ist Sommer und ein Platz im Freien eine Option. Aber auch für Paare, die bereits zusammen sind, kann das Leben im Elternhaus zur Belastung werden. Gemeinsame Zeit ist häufig nur eingeschränkt möglich, Privatsphäre fehlt, und eine eigenständige Alltagsgestaltung bleibt oft aus.
Europäischer Vergleich
Trotz des steigenden Anteils junger Erwachsener im Elternhaus liegt Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin unter dem Durchschnitt. Nach Berechnungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat zogen junge Erwachsene 2025 hierzulande im Schnitt mit 24,1 Jahren aus dem Elternhaus aus. Im EU-Durchschnitt lag das Auszugsalter bei 26,3 Jahren. Besonders früh verlassen junge Menschen in Finnland (21,3 Jahre), Dänemark (21,8 Jahre), Litauen und Estland (jeweils 22,7 Jahre) das Elternhaus. Am spätesten ziehen junge Erwachsene in Kroatien (31,5 Jahre), Griechenland und der Slowakei (jeweils 30,9 Jahre) sowie Spanien und Italien (jeweils 30,2 Jahre) aus. Wie in nahezu allen EU-Staaten verlassen auch in Deutschland Frauen das Elternhaus früher als Männer. Das durchschnittliche Auszugsalter lag 2025 bei Frauen bei 23,3 Jahren, bei Männern bei 24,8 Jahren. Im EU-Durchschnitt ziehen Frauen mit 25,5 Jahren und Männer mit 27,2 Jahren aus.