Direkt zum Inhalt
Wohnungslos in Deutschland

Wohnungslos in Deutschland Junge schwule Männer verstärkt im Fokus

ms - 26.06.2026 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

In Deutschland waren zum Stichtag 31. Januar 2026 rund 452.900 Menschen aufgrund von Wohnungslosigkeit untergebracht. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mit. Damit sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent oder 21.800 Personen. Eine hohe Anzahl der Betroffenen sind dabei homosexuell oder queer. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Rund 452.900 Menschen waren zum Stichtag 31. Januar 2026 in Deutschland wohnungslos untergebracht.
  • Studien schätzen mindestens 55.000 LGBTIQ+-Personen unter den Wohnungslosen, teils auch bis zu rund 72.000.
  • Untergebrachte Wohnungslose sind im Schnitt 31 Jahre alt und mehrheitlich männlich.
  • Alleinstehende bilden die größte Haushaltsgruppe unter den Wohnungslosen.

Statistik erfasst nur Teil der Problematik 

Die neue Statistik erfasst Personen, die etwa in überlassenem Wohnraum, Sammelunterkünften oder Einrichtungen für Wohnungslose untergebracht sind. Obdachlose Menschen ohne Unterkunft sowie verdeckte Wohnungslosigkeit sind darin nicht enthalten, sodass die Gesamtzahl der Menschen ohne Wohnung noch einmal deutlich höher sein dürfte. Unterschieden wird zudem zwischen wohnungslos und obdachlos, letztere leben auf der Straße, während erstere oftmals bei Freunden oder Bekannten unterkommen können. Unter den untergebrachten Wohnungslosen waren laut Destatis rund 85 Prozent ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) stammte aus der Ukraine. Ihre Zahl lag bei 128.900 Personen. Die Zahl deutscher Staatsangehöriger betrug 67.200 Personen.

Junge Männer unter 30 Jahren 

Das Durchschnittsalter der untergebrachten Wohnungslosen lag bei 31 Jahren. 41 Prozent waren jünger als 25 Jahre, 39 Prozent zwischen 25 und 50 Jahre alt und 19 Prozent 50 Jahre oder älter. Rund 57 Prozent waren Männer und rund 42 Prozent Frauen. Nach Haushaltsstruktur stellten Alleinstehende mit 158.700 Personen (35 Prozent) die größte Gruppe dar. 33 Prozent lebten in Paarhaushalten mit Kindern, 17 Prozent in Alleinerziehenden-Haushalten, sieben Prozent in sonstigen Mehrpersonenhaushalten und vier Prozent in Paarhaushalten ohne Kinder. Bei vier Prozent war der Haushaltstyp unbekannt. Im Bundesländervergleich wurden die meisten untergebrachten Wohnungslosen in Nordrhein-Westfalen (104.700) registriert, gefolgt von Baden-Württemberg (90.800) und Berlin (57.600).

Besonders betroffen: LGBTIQ+-Personen

Studien der letzten Jahre weisen darauf hin, dass Homosexuelle und queere Menschen überdurchschnittlich häufig von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Gründe dafür liegen unter anderem in familiären Konflikten nach dem Coming-out, Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt sowie fehlender sozialer Unterstützung. Gerade junge LGBTIQ+-Personen gelten als besonders gefährdet. Viele – insbesondere männliche Jugendliche – werden nach einem Coming-out von ihren Familien ausgeschlossen oder verlassen das Elternhaus aufgrund homophober oder stark konservativer Einstellungen im familiären Umfeld. Dies führt häufig dazu, dass sie in sehr jungen Jahren in Wohnungsnot geraten oder in prekären Wohnsituationen leben müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 55.000 LGBTIQ+-Personen in Deutschland wohnungslos sind. Andere Studien der vergangenen Jahre kommen sogar auf  mehr als 72.000 Betroffene.

Soziale Struktur und Risikofaktoren

Neben LGBTIQ+-Personen zeigen die Daten eine insgesamt junge und männlich geprägte Gruppe unter den Wohnungslosen. Die Mehrheit ist alleinstehend, was die soziale und wirtschaftliche Vulnerabilität zusätzlich verstärken kann. Experten verweisen zudem darauf, dass Migration, unsichere Beschäftigung und fehlender Zugang zu Wohnraum zentrale Faktoren der Wohnungslosigkeit bleiben. Gerade das Zusammenspiel aus Diskriminierung, familiären Brüchen und strukturellen Hürden auf dem Wohnungsmarkt führt laut Studien dazu, dass queere Menschen in besonderem Maße gefährdet sind, dauerhaft in Wohnungsnot zu geraten.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Projekt Rainbow Wool

Rettung schwuler Schafböcke

Ein deutsches Projekt rettet schwule Schafböcke vor der Schlachtung. Eine erste Bilanz nach drei Jahren zeigt den weltweiten Erfolg der Idee.
Mord an schwulem Dolmetscher

19-Jähriger in Mailand festgenommen

Nach dem gewaltsamen Tod eines 60-Jährigen schwulen Dolmetschers in Mailand ist nun ein 19-jähriger Tatverdächtiger festgenommen worden.
Urteil gegen US-Pastor

Sexualdelikte an Minderjähriger

Ein US-Pastor, der gegen LGBTIQ+-Inhalte an Schulen wetterte, ist wegen Sexualdelikten an einer Minderjähriger zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.
Diskriminierende Rhetorik

Kritik an Sprache im EU-Parlament

Mehr als 60 Verbände wie die ILGA-Europe fordern ein konsequenteres Vorgehen gegen diskriminierende Rhetorik im Europäischen Parlament.
WM-Spiel mit Pride-Bezug

FIFA erlaubt Regenbogenflaggen

Mit Blick auf das Pride-WM-Spiel zwischen Ägypten und Iran morgen in Seattle hat die FIFA bestätigt, dass Regenbogenflaggen im Stadion erlaubt sind.
Scharfe Kritik an Trump

Streit um queeren Wohnschutz

US-Demokraten werfen der Trump-Regierung vor, den Diskriminierungsschutz für LGBTIQ+-Menschen im Wohnungswesen abzubauen.
Urteil wegen Mordes

Hass auf Homosexuelle

Ein Mann hat seinen schwulen Mitbewohner aus Homophobie getötet. Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn nun wegen Mordes zu einer hohen Haftstrafe.
Landesaktionsplan im Fokus

Anlaufstelle für queere Menschen

Kathrin Anklam-Trapp übernimmt das Amt der Landesbeauftragten für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität in Rheinland-Pfalz.