Direkt zum Inhalt
Welle der Hass-Gewalt

Welle der Hass-Gewalt Die Attacken auf LGBTI*-Menschen haben sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt in den USA – 21 LGBTI*-Amerikaner kamen zu Tode

ms - 04.11.2024 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Es sind dramatische Zahlen, die der neue Anti-LGBTI*-Extremismus-Report der queeren US-Organisation GLAAD jetzt in Zusammenarbeit mit der Human Rights Campaign und dem Anti-Defamation League's Center on Extremism aufzeigt: Die Zahl der Angriffe auf LGBTI*-Menschen hat binnen der letzten zwei Jahre um 112 Prozent in den USA zugenommen. 

21 Todesfälle in zwei Jahren

Ähnlich wie in Europa ist dabei davon auszugehen, dass der größte Teil der Angriffe gar nicht erst publik wurde. Im Report werden von Juni 2022 bis Juni 2024 insgesamt rund 1.630 Vorfälle festgehalten, wobei sich die Zahlen zuletzt allein im Jahr 2024 verdoppelt haben. 

Zu diesen Angriffen gehörten über 450 Proteste, 330 Propaganda-Aktionen, 320 Fälle von Vandalismus, 200 Drohungen mit Bomben und Massenerschießungen, 130 Angriffe und 45 Fälle von Brandstiftung. Insgesamt wurden dabei in den letzten zwei Jahren mindestens 161 LGBTI*-Menschen verletzt, weitere 21 Homosexuelle und queere Personen starben. Zusätzlich on top sozusagen kommen noch 360 Attacken auf Bildungseinrichtungen und Bibliotheken sowie 325 zerstörte Symbole der LGBTI*-Community wie Pride-Fahnen dazu. 

Breit angelegter Angriff auf die Community

„Der Report erzählt eine Geschichte, die von den FBI-Statistiken über Hassverbrechen nicht vollständig erfasst wird, weil viele dieser Vorfälle, wie Proteste bei Pride-Veranstaltungen, nicht die Kriterien erfüllen, die für eine Anklage erforderlich sind und daher in den meisten offiziellen Zählungen von Hassverbrechen auch nicht enthalten sind. Wir müssen jedoch anerkennen, dass die Auswirkungen dieser Taten auf lokale LGBTI*-Communitys unabhängig davon zu spüren sind, ob der Vorfall strafrechtlich verfolgt wird oder nicht“, so Barbara Simon, Senior News-Direktorin von GLAAD. 

Dabei betont die Expertin weiter, wie dramatisch auch „gefakte“ Angriffe ihre Folgen haben, beispielsweise Bombendrohungen auf eine Bibliothek wie zuletzt in Massachusetts. Schlussendlich wurde glücklicherweise keine Bombe gefunden, trotzdem rückte die Polizei und das Bombenentschärfungskommando an und evakuierte die Bibliothek. 

„Unsere Daten zeigen, wie auch ein solcher Vorfall die Situation negativ beeinflusst, Angst verbreitet, das ist ein breit angelegter, systemischer Angriff gegen LGBTI*-Menschen, gegen unsere Sichtbarkeit und gegen unsere Gleichberechtigung sowie unsere Verbündeten“, so Simon weiter. 

„Du bist der Teufel“

Ein beliebtes Opfer der Hater ist dabei unter anderem die, in den USA bekannte Drag-Queen Salina EsTitties: „Der Online-Hass ist wahnsinnig und es gibt so viel davon, und die Leute sind so sehr bereit dafür, alles rauszulassen. Es ist ein klares Abbild dessen, wie die Menschen in den ganzen USA hier tatsächlich fühlen. Unsere LGBTI*-Community hat nicht nur damit zu kämpfen, ihr authentisches Selbst zu sein, das allein ist schon nicht einfach, aber es wird noch schwerer, wenn Leute sagen: 'Du bist der Teufel, du bist ein Dämon' oder 'Das ist nicht akzeptabel'.“

Aufruf zu mehr Solidarität

Queere Verbände wie die in New Jersey ansässige LGBTI*-Advocacy Centers Out Montclair raten dazu, mehr zusammen zu stehen innerhalb der Community und auch mehr Allys außerhalb zu finden, beispielsweise in Stadträten. „Finden Sie Leute in Ihrer Gemeinde, die Ihnen im Angesicht von Intoleranz zur Seite stehen, bauen Sie eine Gemeinschaft der Unterstützung innerhalb Ihrer Gemeinde auf. Führen Sie Gespräche, die wirklich schwierige Fragen und Themen ansprechen und die den Prozess des Verständnisses und der Heilung in Ihrer Gemeinde in Gang setzen. Es ist ein kleiner Schritt, aber es ist ein Schritt nach vorne und ein Schritt nach vorne, um anderen zu helfen, die Gemeinschaft zu verstehen“, so Marie Cottrell von Montclair. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Strafe, weil er CSD zuließ?

Anklage gegen Gergely Karácsony

Der Bürgermeister von Budapest sieht sich mit strafrechtlichen Ermittlungen konfrontiert, weil er die Pride-Parade im Juni 2025 ermöglicht hat.
Vorurteile im Kampf gegen HIV

Religiöser Hass in Uganda

Christliche Kirchen verhindern aus Homophobie in Uganda die Unterstützung von Menschen mit HIV, wie die jüngste UNAIDS-Studie belegt.
Rollback in Arlington

Ende bei Antidiskriminierungsschutz

Die erste Stadt in den USA, Arlington, hat jetzt die LGBTIQ+-Antidiskriminierungsgesetze aufgehoben. Eine Entwicklung mit landesweiter Signalwirkung.
Homosexuelle als Bedrohung

Neue Stigmata in Malaysia

Der größte islamische Jugendverein in Malaysia erklärte homosexuelle Menschen zur Bedrohung und fordert weitere Restriktionen gegen die Community.
Asyl für queere Flüchtlinge

Neues Zentrum in Amsterdam

In Amsterdam soll ein neues Asylzentrum nur für queere Flüchtlinge und alleinstehende Frauen entstehen.
Kontenlöschungen bei Meta

Queere Gruppen und Frauen betroffen

Meta steht massiv in der Kritik, zahlreiche Konten mit queeren Inhalten sowie zu Frauenrechten und Abtreibung gelöscht oder stark zensiert zu haben.
Neue Diskriminierung

Keine HIV-positiven US-Soldaten

Das US-Verteidigungsministerium will HIV-positive Soldaten entlassen. Ob das gelingt, ist derzeit Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung.
Klage gegen Erzbistum Köln

Vorwurf von sexuellem Missbrauch

Ein 70-jähriger Mann hat jetzt das Erzbistum Köln wegen mehrfachem sexuellen Missbrauch in seiner Jugend auf eine Million Euro Schmerzensgeld verklagt
Hassdelikt: Polizei ermittelt

Ein gezielter Tritt gegenLGBTIQ+

Ein Postbote in Belfast wurde entlassen, weil er einen Gartenwichtel in Regenbogenfarben samt Pride-Flagge mutwillig umstieß.