Direkt zum Inhalt
Weidel und die Ehe für Alle

Weidel und die Ehe für Alle Weidel betont Leitbild der Familie und spricht sich indirekt gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus

ms - 18.02.2025 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Die Kanzlerkandidatin der AfD, Alice Weidel, hat gestern zum zweiten Mal hintereinander keine konkreten Antworten auf direkte Fragen geben können – bereits bei RTL am vergangenen Sonntag ließ sie Fragen zur angedachten Grenzsicherung ihrer Partei sowie zu der Finanzierung ihrer Wirtschaftspolitik weitestgehend unbeantwortet, in der ARD-„Wahlarena“ gestern Abend dann sprach sie sich indirekt gegen die gleichgeschlechtliche Ehe aus. 

Lebenspartnerschaft oder Ehe?

Bereits im Januar hatte der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD, Stephan Brandner, erklärt, man wolle in einer nächsten Legislaturperiode erneut einen Antrag zur Abschaffung der Ehe für Alle einbringen, denn diese sei grundgesetzwidrig. Weidel erklärte gestern nun, sie sei davon überzeugt, dass „Lebenspartnerschaften von Homosexuellen – Frau und Frau, Mann und Mann – gleichgestellt sein sollten, ohne das Institut der Ehe zu berühren.“

Auf die Rückfrage, ob diese Einstellung sowie ihre eigene Homosexualität und ihre Partnerschaft mit einer Frau nicht dem Wahlprogramm der AfD zuwiderlaufen, die als Leitbild Mutter, Vater, Kind betont, sagte Weidel weiter: „Ich kann als Frau, die mit einer Frau zusammen ist, als Politikerin genau dieses Leitbild vertreten, weil ich glaube, dass die Familien in Deutschland unter die Räder gekommen sind (…) Ich glaube, dass die Familie die Keimzelle unserer Gesellschaft ist.“ Sie wolle aber nicht, so Weidel weiter, dass sich der Staat in Partnerschaftsmodelle einmische. 

In einer dritten Rückfrage wollte eine Frau wissen, ob sie der Meinung ist, dass auch der rechtsextreme AfD-Politiker Björn Höcke aus Thüringen ihre Einstellung teile - Weidel antwortete kurz: „Ich nehme die Frage gerne mit – ich glaube schon. Wir haben uns da ausgesprochen. Die Partei kennt mich sehr gut.“

„Sie sollten Angst haben“

Ein Gast hakte hier noch einmal nach, worauf Weidel betonte, sie lebe in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und diese müsse rechtlich mit der Ehe gleichgestellt werden. Dabei ging es auch um grundsätzliche Fragen, die sie mit ihrer Frau zu Hause immer wieder besprechen würde: „Was ist, wenn mir was passiert? Wenn ich bei einem Anschlag versterbe?“ Warum die AfD dies nicht in ihrem Wahlprogramm thematisiere oder auch nur einmal von gleichgeschlechtlichen Paaren schreibt, ließ die Kanzlerkandidatin unbeantwortet. 

Ein junger Mann aus dem Grünen-Vorstand in Hameln brachte es als erster Fragesteller zu dem Thema gleich zu Beginn auf dem Punkt, als er zu Weidel sagte: „Wenn ich mir ihr Wahlprogramm anschaue, dann habe ich Angst um meine Zukunft. Ich bin homosexuell, und ich habe Angst. Übrigens sollten auch Sie Angst haben, denn Mitglieder ihrer Partei, die wollen die Homosexuellen vielleicht mal wieder ins Gefängnis oder ins KZ stecken. Wie können Sie eigentlich Mitglied dieser Partei sein als homosexuelle Person? Das ist ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem, was sie haben. Sie vertreten alles, wofür die AfD nicht steht.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Premium-Abo mit Goldkante?

Preismodell schon jetzt in Kritik

Die beliebte Dating-App Grindr startet in ausgewählten Regionen ein Premium-Abonnement zum stolzen Preis von bis zu 500 US-Dollar pro Monat.
Dobrindt verweist auf Tatort

Verfahren gegen nichtbinäre Maja T.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt verteidigt das strafrechtliche Vorgehen und das Urteil gegen die nichtbinäre deutsche Person Maja T. in Ungarn.
Neues Maß für das Arbeitsrecht

Weisungsrecht beim Gendern betont

Urteil in Hamburg: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitenden geschlechtergerechte Sprache verbindlich vorschreiben.
Mehr Finanzmittel gefordert

Auszeichnung für queeres Engagement

Mit der Übergabe der „Goldmarie“ beim Queeren Neujahrsempfang 2026 wurden zwei herausragende Persönlichkeiten für ihr Engagement im geehrt.
Penisgate bei Olympia

Wenn die Beule zu groß ist

Penisgate! Der Intimbereich der Skispringer wird bei den Olympischen Winterspielen ab heute exakt vermessen, denn die Beule darf nicht zu groß sein.
Morde in Brasilien

Höchste Opferzahlen bei LGBTIQ+

Für Schwule und trans* Menschen bleibt Brasilien ein tödliches Pflaster mit hohen Mordraten. Weltweit die meisten trans* Personen werden dort ermordet
Homophobe Schmähungen

Neuer Vorfall im britischen Fußball

In England sorgen homophobe Beleidigungen bei einem Fußballspiel erneut für Schlagzeilen - einer von rund 1.400 gemeldeten Vorfälle der Saison.
Social-Media-Verbot

CDU-Plan für Deutschland

Die CDU will ein Social-Media-Verbot für alle Unter-16-Jährigen einführen. Dazu müssten die Daten aller Nutzer registriert werden.
Teilweise Kehrtwende

Behandlung queerer US-Jugendlicher

Zwei große US-Ärzteverbände sprechen sich jetzt gegen Operationen bei trans* Jugendlichen aus. Queere Verbände betonen einen Rückschritt für LGBTIQ+.