Direkt zum Inhalt
Wegfall von US-Gender Studies

Wegfall von US-Gender Studies Universitäten streichen Angebot wegen Rückgang der Studenten

ms - 03.02.2026 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Die Texas A&M Universität stellt ihren Studiengang für Gender Studien ein. Das gab die Hochschulleitung jetzt bekannt. Die Entscheidung fällt vor dem Hintergrund einer universitätsweiten Überprüfung des Kursangebots, demnach immer weniger Studenten Interesse an einem solchen Studiengang haben. Die Kosten, das Studienfach weiter anzubieten, seien damit zu hoch, betonte die Campusleitung. Der Beschluss folgt demnach einem neuen Trend in den USA, immer mehr Universitäten haben Fächer im Bereich Gender inzwischen beendet, darunter unter anderem die University of Iowa, die Wichita State University in Kansas und die University of California, Santa Cruz. 

Einstellung aus Kostengründen

Auslöser der Überprüfung in Texas war ein Video, das im vergangenen Jahr viral ging und einen Studenten zeigte, der eine Professorin wegen Unterrichtsinhalten zur Geschlechtsidentität konfrontierte. Der Vorfall führte zu öffentlicher und politischer Kritik. Interimspräsident Tommy Williams traf dann schlussendlich die Entscheidung zur Einstellung des Studiengangs aufgrund geringer Studentenzahlen und den hohen Kosten, die dem gegenüberstehen. 

„Wir wissen, dass dies eine verheerende Nachricht ist. Doch eine der zentralen Aufgaben von Universitätsleitungen ist der verantwortungsvolle Umgang mit öffentlichen Mitteln. Selbst die kleinsten Programme erfordern fortlaufende Investitionen in Lehrkapazitäten, personelle Unterstützung und administrative Aufsicht“, so ein Sprecher des Interimspräsidenten gegenüber der Texas Tribune. 

Texas A&M bot in der Frauen- und Gender-Forschung einen Bachelor of Arts, einen Bachelor of Science, ein Nebenfach sowie ein Zertifikat für Graduierte an. Derzeit sind nur noch 25 Studenten im Hauptfach und 31 Studenten im Nebenfach eingeschrieben. Bereits immatrikulierte Studenten und Studentinnen dürfen ihr Studium innerhalb der nächsten sechs Semester abschließen, neue Aufnahmen sind nicht mehr vorgesehen. In den Gender Studies werden gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht wissenschaftlich untersucht, darunter Machtverhältnisse, soziale Ungleichheit sowie Themen wie Sexualität, Feminismus, Geschlechtsidentität und die Lebensrealitäten von LGBTIQ+-Personen in unterschiedlichen kulturellen und historischen Kontexten.

Streit über Lerninhalte 

Die Kontroverse im vergangenen Herbst ging dabei im Kern um die Frage, ob Professoren und Lehrkräfte persönliche Meinungen und Einstellungen zu Themen wie Rasse, „Geschlechterideologie“ oder Inhalte zu sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität vertreten oder in den Unterricht einbringen dürfen. Nach eingehender Prüfung entschied die Campusleitung, dass dies nur in Ausnahmefällen für weiterführende Kurse gestattet ist. 

Nach Angaben der Universität wurden 5.400 Kurspläne für das Frühjahrssemester überprüft. Dabei seien sechs Lehrveranstaltungen gestrichen worden, weitere Kurse sollen inhaltlich verändert worden sein. Bereits 2024 hatten die Regenten beschlossen, zahlreiche Nebenfächer und Zertifikate mit geringer Nachfrage abzuschaffen, darunter auch ein LGBTIQ+-Studies-Nebenfach. Die Universität sorgte erst zu Beginn des Jahres für Schlagzeilen, weil sie im Einführungskurs für antike Philosophie Texte von Platon untersagt hatte, denn diese würden eine „Gender-Ideologie“ fördern.

Kritik von Schriftstellerverband 

Die Organisation PEN America kritisierte die aktuelle Maßnahme scharf. Texas A&M gehe „rücksichtslos mit der akademischen Freiheit um“, erklärte die Organisation. „Wenn Lehrer gezwungen werden, einzuschränken, was sie unterrichten, wird der Zugang der Studenten zu Wissen zensiert. Zu begrenzen, was in einem Universitätsklassenzimmer gelehrt werden darf, ist keine Bildung, sondern ideologische Kontrolle“, so Amy Reid, Programmdirektorin für Freedom to Learn bei PEN America. An der Texas A&M Universität studieren derzeit fast 82.000 Studenten und Studentinnen, die Hochschule bietet über 140 Bachelor-Studiengänge, weitere 175 Master-Programme und über 90 Promotionsprogramme an. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Signal für Verfassungstreue

Polizeianwärter zu Recht entlassen

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, dass zwei Polizeikommissaranwärter wegen Homphopie zu Recht entlassen wurden.
Umsetzung von „Queer leben“

Verunsicherung in der Community

Die Umsetzung des Aktionsplans „Queer leben“ der Bundesregierung bleibt trotz gegenteiliger Behauptungen auf Kurs, so Queerbeauftragte Sophie Koch.
Krise der US-Filmstudios

Prüderie bei schwulen Produktionen

"Heated Rivalry" ist ein Serienhit, auch aufgrund seiner schwulen Sex-Szenen. In den USA wäre die Serie so nie entstanden, kritisieren Filmexperten.
Umfassender Aktionsplan

Strategie stärkt queere Rechte

Die Stadt Erlangen stärkt erstmals mit einem umfassenden Strategieplan gezielt die Rechte von queeren Menschen auf kommunaler Ebene.
Krieg im Regenbogenland

Festnahme wegen Zebrastreifen

In Dallas wurde ein schwuler Mann verhaftet, weil er einen regenbogenfarbenen Zebrastreifen wieder herstellte.
Ende einer Institution

Britischer LGBTIQ+-Verband schließt

Schock in der Community: Englands ältester LGBTIQ+-Wohltätigkeitsverein METRO muss nach über 40 Jahren aufgrund fehlender Gelder schließen.
Kurzes Aufatmen in Florida

Zuschüsse für HIV-Medikamente

Nach Stopp von Finanzhilfen für einkommensschwache Menschen mit HIV hat Floridas Gouverneur DeSantis nun doch neue Geldmittel für drei Monate zugesagt
Offline in Russland

Neue Angriffe auf LGBTIQ+

Russland sperrt gerade im Großraum Moskau wesentliche digitale Angebote, ein weiterer Angriff auf Kritiker und LGBTIQ+-Menschen.
Geldstrafe in Finnland

Homophobes Statement in der Politik

Die finnische Abgeordnete Päivi Räsänen muss eine Geldstrafe zahlen, nachdem sie Homosexualität als "Entwicklungsstörung" bezeichnete.