Direkt zum Inhalt
Weigerte sich zur Zensur: US-Bibliotheksleiterin entlassen
ANZEIGE

Warnungen vor Überwachung Weigerte sich zur Zensur: US-Bibliotheksleiterin entlassen

mr - 01.04.2026 - 17:00 Uhr
Loading audio player...

Die Leiterin der Rutherford County Library in Tennessee, Luanne James, wurde am 30. März von der Bibliotheksführung entlassen, nachdem sie sich geweigert hatte, über 100 LGBTIQ+-Bücher aus den Regalen zu entfernen oder umzupositionieren. Die Entscheidung fiel nach wochenlangen Spannungen über den Umgang mit queeren Inhalten in öffentlichen Bibliotheken und stößt landesweit auf Resonanz.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Bibliotheksleitung von Rutherford County entließ Luanne James am 31. März 2026.
  • Über 100 Bücher mit LGBTIQ+-Bezug, teils in Kinder- und Jugendabteilungen, sollten entfernt oder umgestellt werden.
  • James verweigerte sowohl die Umstellung der Bücher als auch die Herausgabe von Daten über Leihende.
  • Die Bibliotheksleitung berief sich auf Beschwerden und politischen Druck gegen die Zugänglichkeit der Werke.
  • Bürgerinnen und Bürger, Bürgerrechtsorganisationen und Fachverbände reagierten mit Protest und Unterstützungserklärungen.

 

Entlassung wegen Verweigerung der Zensur

Während einer kurzfristig anberaumten Sitzung im Rathaus von Murfreesboro votierte die Bibliotheksleitung für die Absetzung von Luanne James. Vorausgegangen war die ausdrückliche Anweisung, LGBTIQ+-Literatur aus dem Kinder- und Jugendbereich zu entfernen oder mindestens in einen gesonderten Bereich für Erwachsene umzuschichten. Luanne James ließ sich nicht umstimmen und erklärte:

„Zugangs­beschränkungen oder die Entfernung dieser Materialien sind ein Verstoß gegen das Recht der Öffentlichkeit auf freie Information und widersprechen den Grundsätzen der freien Meinungsäußerung.“

 

Forderungen nach Privatinformationen und Überwachung

Die Vorsitzenden des Bibliotheksvorstands, insbesondere Cody York, forderten von James darüber hinaus, detaillierte Listen über Nutzerinnen und Nutzer zu erstellen, die Bücher mit queeren Inhalten ausgeliehen hatten, darunter Namen und Adressen. James verweigerte diese Erhebung und wies auf die Gefahren einer potenziellen Überwachung von Lesenden hin. Bürgerrechtsgruppen wie die American Library Association und PEN America warnten, dieses Vorgehen widerspreche grundlegenden Standards des Datenschutzes und der Informationsfreiheit in öffentlichen Bibliotheken.

 

Geteilte Reaktionen in der Kommune

Die Gemeinde von Rutherford County war bei der Sitzung tief gespalten. Während einige die Entscheidung der Bibliotheksleitung begrüßten und den Schutz ihrer Kinder betonten, warfen andere den Verantwortlichen vor, queere Menschen zu diskriminieren und stereotype Vorstellungen zu befördern. In Kommentaren wurde die Verbannung queerer Bücher als Instrument politischer Einflussnahme und moralischer Kontrolle kritisiert.

 

Bedeutung für den US-weiten Bibliotheksbetrieb

Fachverbände und Wissenschaftlerinnen verweisen auf den Fall als Beispiel einer landesweiten Entwicklung. In mehreren US-Bundesstaaten häufen sich politische Eingriffe gegen queere Buchbestände in öffentlichen Einrichtungen. Die Entlassung von Luanne James wird von Expertinnen und Experten als Signal gegen professionelle Selbstständigkeit im Bibliothekswesen bewertet und könnte Nachahmungseffekte andernorts begünstigen.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Warum sollten die Bücher entfernt oder umgestellt werden? Nach Beschwerden und politischem Druck forderte der Vorstand die Entfernung oder Umplatzierung, besonders aus Kinder- und Jugendabteilungen.

Welche Daten über Lesende sollte die Direktorin herausgeben? Es wurden Namen, Adressen, Haushaltsstruktur und entliehene Titel von Personen verlangt, die LGBTIQ+-Bücher ausgeliehen hatten.

Wie reagieren überregionale Organisationen? Bürgerrechtsgruppen und Bibliotheksverbände haben die Entlassung scharf kritisiert und warnen vor einem Klima der Zensur an öffentlichen Einrichtungen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Appell von Ghanas Erzbischof

Statement gegen Anti-LGBTIQ+-Gesetz

Ghanas anglikanischer Erzbischof lehnt die Kriminalisierung homosexueller Menschen ab und stellt sich gegen das geplante Anti-LGBTIQ+-Gesetz.
Krise bei Goose-App

Gründer zieht sich zurück

Goose-Mitgründer Derek Chadwick verlässt überraschend die Dating-App nach rund zwei Monaten, weil sich ihre Ausrichtung von seiner Vision entfernt hat
Eklat in Florida

DeSantis suspendiert Gefolgsmann

Aufregung in Florida: Ein von Gouverneur Ron DeSantis ernannter Amtsträger ist wegen schwerer Vorwürfe gegen ein Kind jetzt festgenommen worden.
LGBTIQ+-Politik im Wahlcheck

Parteien mit klaren Unterschieden

Der LSVD+ Berlin-Brandenburg sieht deutliche Unterschiede bei den queerpolitischen Positionen der Parteien und fordert konkrete politische Maßnahmen.
Dortmund zeigt Flagge

1.000 Pride-Flaggen für die Stadt

Dortmund setzt vor dem CSD mit 1.000 Pride-Flaggen ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Solidarität und Akzeptanz in der Stadt.
Vom Popstar zum Berater

Grammy-Gewinner wechselt Seiten

Der schwule, frühere Clean-Bandit-Musiker Neil Amin-Smith ist vom Grammy-Gewinner zum Wirtschaftsberater aufgestiegen.
Vom Chatroom zur Dating-App

30 Jahre digitale Schwulenszene

Von Gay.com bis Grindr: Das Internet hat die schwule Kontaktkultur grundlegend verändert – und ständig neue Formen des Kennenlernens geschaffen.
Serie setzt Zeichen in Mexiko

Amazon Prime zeigt neues Hit-Format

Die Prime-Serie „No One Will Miss Us“ verändert im Herkunftsland Mexiko den Blick auf schwule Liebe. Hauptdarsteller Alejandro Puente erklärt, warum!
Versteckte Zeichen an Bord

Flirten auf dem Kreuzfahrtschiff

Auf Kreuzfahrtschiffen können Ananas, schwarze Ringe oder Einhornmotive versteckte Hinweise auf lustvolle Interessen sein. Kennst Du dich aus?