Direkt zum Inhalt
Depressionen bei Jugendlichen
ANZEIGE

Depressionen bei Jugendlichen Häufigste Ursache bei Krankenhausaufenthalten

ms - 01.04.2026 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Depressionen waren und sind ein großes Problem unter Jugendlichen, insbesondere unter queeren Minderjährigen. Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen waren im Jahr 2024 die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausbehandlungen von Kindern und Jugendlichen, so die neusten Daten des Bundesamtes für Statistik.

Neuer Anstieg bei Jugendlichen

Rund 116.000 der insgesamt etwa 615.000 Krankenhauspatienten im Alter von 10 bis 19 Jahren wurden aufgrund von Depressionen und damit einhergehenden Verhaltensstörungen oder Angstzuständen in einer Klinik behandelt. Knapp jeder fünfte Jugendliche im Krankenhaus (18,9%) ist inzwischen deswegen stationär in Behandlung. Zum Vergleich: In der Gesamtgesellschaft machen psychische Erkrankungen weniger als sechs Prozent aller klinischen Aufenthalte aus. Besonders bedenklich: Nach einem leichten Rückgang in den Jahren zuvor steigen die Fälle der Einweisungen und Klinikaufenthalte bei Minderjährigen wieder an, binnen eines Jahres ist ein Anstieg von 3,4 Prozent zu verzeichnen.

Zudem betont das Bundesamt weiter: „Im 20-Jahres-Vergleich hat die Zahl der Behandlungen wegen psychischer Erkrankungen in fast allen Altersgruppen zugenommen, am stärksten jedoch bei den 10- bis 19-Jährigen: 2024 waren 36,5 Prozent mehr psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche in stationärer Behandlung als noch 2004.“ Bei den Menschen 60+ wurde im gleichen Zeitraum eine Steigerung von rund 17 Prozent verzeichnet, bei den 20- bis 39-Jährigen ein leichtes Plus von knapp zwei Prozent. Bei den 40- bis 59-Jährigen sanken die Fälle von psychischen Erkrankungen mit Klinikaufenthalt sogar um mehr als acht Prozentpunkte.

Blick ins Detail

„Psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche werden am häufigsten wegen Depressionen im Krankenhaus behandelt. Im Jahr 2024 waren gut 33.900 der 10- bis 19-Jährigen wegen sogenannter depressiver Episoden oder wiederkehrender depressiver Störungen stationär in Behandlung. Das entspricht einem Anteil von 29,1 Prozent an allen aufgrund von psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen stationär behandelten Kindern und Jugendlichen“, so die Bundesbehörde weiter. Weitere Aspekte bei Jugendlichen sind Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (10,1%), alkoholbedingte Erkrankungen (8,5%) sowie Essstörungen (6,3%).

Besondere Rolle der queeren Jugendlichen

In Deutschland zeigen inzwischen zahlreiche Studien seit Jahren, dass queere Jugendliche dabei ein deutlich höheres Risiko für Depressionen aufweisen als ihre heterosexuellen Altersgenossen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) berichten lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche über eine erhöhte Belastung durch Diskriminierung, Mobbing und soziale Ausgrenzung, sowohl in der Schule als auch im familiären Umfeld. 

Die Health Behaviour in School-aged Children (HBSC)-Studie dokumentierte, dass queere Jugendliche häufiger von Suizidgedanken und Selbstverletzungen betroffen sind. Zudem zeigen Forschungsergebnisse des Robert Koch-Instituts (RKI), dass mangelnde Akzeptanz und das Erleben von Stigmatisierung zentrale Risikofaktoren für depressive Symptome in dieser Gruppe darstellen. Auch das Fehlen geschützter Räume und unterstützender Peer-Gruppen verstärkt das Risiko psychischer Belastungen.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Unsicherheit beim ESC

Sender kämpfen ums Überleben

Wirtschaftliche und politische Veränderungen bei mehreren Rundfunkanstalten könnten die ESC-Teilnahmen einiger Länder für 2027 gefährden.
US-Athlet Jacob Harmon

Offen auf der Matte und im Leben

Der offen schwule Turner Jacob Harmon erfüllte sich seinen College-Traum und möchte jetzt anderen jungen LGBTIQ+-Sportlern Mut machen.
Amnesty kritisiert J.K.Rowling

Frauenhilfszentrum im Fokus

Amnesty International UK stuft J. K. Rowlings Krisenzentrum für Frauen als „rechtefeindlich“ ein und löst damit erneut eine Debatte aus.
Eklat bei der L.A. Police

Homophobe Polizisten im Fokus

Ein LAPD-Beamter könnte angeklagt werden, nachdem er Kollegen bei homophoben, rassistischen und sexistischen Aussagen aufgenommen hat.
Sam Neill ist tot

Ein Star mit Haltung

Schauspieler Sam Neill ist mit 78 Jahren gestorben. Neben seiner Filmkarriere wurde er auch für seine Unterstützung der LGBTIQ+-Community geschätzt.
Spätes Urteil nach Jahrzehnten

Mord mit homophobem Hintergrund

Nach mehr als 40 Jahren sind zwei Brüder wegen des Mordes an dem schwulen Beamten Anthony Littler verurteilt worden.
Bromance bei der WM

Freundschaft trotz Viertelfinale

Nach dem WM-Viertelfinale zwischen England und Norwegen sorgen Erling Haaland und Jude Bellingham mit ihrer Freundschaft für Aufmerksamkeit.
Historische Klage in Botswana

Lesbisches Paar kämpft weiter

Zwei Frauen kämpfen vor Botswanas Oberstem Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe – ein Verfahren mit Signalwirkung für ganz Afrika.
Schwerbehindert und LGBTIQ+

Viele leben doppelt benachteiligt

Millionen Menschen leben mit einer Schwerbehinderung. Hunderttausende LGBTIQ+-Personen kämpfen dabei zudem mit mehrfachen Diskriminierungserfahrungen.