Überfall mit Dating-Masche Homophobe Gewalt bei Sänger Leopold aus Berlin
Der Berliner Sänger Leopold ist nach eigenen Angaben in seiner Berliner Wohnung Opfer eines gewaltsamen Überfalls geworden. Der Musiker schilderte den Vorfall in einem auf Instagram veröffentlichten Video. Eine Sprecherin der Berliner Polizei bestätigte inzwischen, dass der Fall angezeigt wurde. Weitere Angaben machte sie unter Verweis auf die Staatsanwaltschaft zunächst nicht.
Das Wichtigste im Überblick
- Sänger Leopold berichtet von einem Überfall in seiner Berliner Wohnung.
- Das Treffen soll über die Datingplattform Grindr vereinbart worden sein.
- Drei Männer sollen das Opfer über Stunden festgehalten und bedroht haben.
- Laut Leopold kam es auch zu queerfeindlichen Beleidigungen.
- Die Berliner Polizei bestätigte die Anzeige des Vorfalls.
- Beratungsstellen verweisen weiterhin auf eine hohe Zahl nicht gemeldeter queerfeindlicher Übergriffe.
Brutaler Überfall in der Wohnung
Nach Darstellung des Sängers hatte er am vergangenen Dienstag über die queere Datingplattform Grindr ein Treffen in seiner Wohnung im Berliner Stadtteil Wedding vereinbart. Demnach verschafften sich zunächst zwei Männer Zutritt zur Wohnung, später sei ein dritter hinzugekommen. Nach Angaben des Musikers hielten ihn die Täter über mehrere Stunden fest, schlugen ihn und nahmen ihm persönliche Gegenstände ab. „Einer der beiden hat mir zu Beginn ein paar Mal auf den Kopf geschlagen, sodass ich eingeschüchtert war“, berichtete Leopold.
Die Männer sollen anschließend Bargeld verlangt haben. Da sich laut Leopold nur wenig Geld in der Wohnung befand, hätten die Täter versucht, Geld abzuheben sowie Überweisungen über Online-Banking vorzunehmen. „Sie haben meine ganze Wohnung durchsucht und alle meine Sachen durchwühlt“, sagte der Sänger weiter. „Sie haben mehrere Videos von mir in Unterwäsche gemacht. Sie haben mich beschimpft, queerfeindlich beleidigt und haben mir mehrfach Gewalt angedroht, das aber dann nicht weiter in die Tat umgesetzt.“
Ausgenutzt und erniedrigt
Nach seinen Angaben versuchten die Angreifer außerdem, ihn zum Konsum von mutmaßlichem Kokain zu zwingen. Dies habe er jedoch verhindern können. Vor dem Verlassen der Wohnung hätten die Täter ihm sein Handy und den Wohnungsschlüssel zurückgegeben, die Bankkarte jedoch behalten. Im Anschluss erstattete Leopold Anzeige bei der Polizei. „Ich habe mich vollkommen beschämt, erniedrigt, hilflos und ausgenutzt gefühlt. Ich bin auch immer noch damit überfordert, wie ich am besten damit umgehen soll, aber es fühlt sich für mich richtig an, das hier heute öffentlich zu machen“, erklärte der Musiker.
Rekordniveau bei Überfällen
Die Berliner Opferberatungsstelle Maneo registrierte im vergangenen Jahr 723 explizit queerfeindliche Vorfälle. Insgesamt erfasste die Beratungsstelle im vergangenen Jahr 1014 neue Meldungen, ein neuer Rekordhöchststand. Die Dunkelziffer soll dabei um ein Vielfaches höher liegen, Polizei und Studien-Fachleute gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Angriffe aus Scham und Angst gar nicht erst zur Anzeige kommen. Die Fälle der Dating-Masche, bei der schwule Männer gezielt in eine Falle gelockt und dort zumeist von jungen Männergruppen bedroht, geschlagen und ausgeraubt werden, hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Zuletzt wurde erst letzte Woche in Hamburg ein 19-Jähriger so zum Opfer.