Thailands Konversionstherapien Die queere Community kämpft für ein Ende der unseriösen Praktiken
Thailand ist in diesem Jahr mit Sieben-Meilen-Stiefeln Richtung Gleichberechtigung marschiert, neben der gleichgeschlechtlichen Ehe und einer besseren Gesundheitsversorgung für queere Menschen wurde zuletzt ein neuer Verband gegründet, der Homophobie im ländlichen Raum entgegenwirken soll. Ist das nächste Projekt jetzt ein mögliches Verbot von Konversionstherapien?
Heilungsversuche im Geheimen
Bis heute sind in Thailand sogenannte „Homo-Heilungen“ beliebt, obgleich Christen und Muslime in der Minderheit sind, werden jene Praktiken bis heute gerne von Vertretern jener Religionen aber auch durchaus von Schulen oder medizinischen Fachkräften angeboten. Das Problem: Über Konversionstherapien wird im südostasiatischen Land bis heute kaum gesprochen, vieles geschieht im Geheimen, wie Nikki Phinyapincha berichtet. Die trans* Frau ist Gründerin von TransTalents und Organisatorin des Trans Pride Thailand.
„Als ich aufwuchs, dachte ich, Thailand sei ein sicherer Ort für Menschen wie mich. An der Oberfläche wirkt unser Land LGBTIQ+ freundlich, aber hinter verschlossenen Türen erleben viele von uns immer noch Diskriminierung, Ablehnung und Misshandlungen. In der thailändischen Gesellschaft verbirgt sich die Diskriminierung, der wir ausgesetzt sind, oft hinter höflicher ´Sorge´.“ In Thailand werden sowohl Homosexuelle wie auch gerne trans* Menschen einer Umpolungspraktik unterzogen.
Lebenslange Narben nach „Therapie“
Phinyapincha denkt bis heute mit Grauen an ihre eigene Jugend zurück: „Lehrer empfahlen meinen Eltern, mich als Teenager in ein sogenanntes ´Leadershipcamp´ zu schicken – sie sagten, es würde mir helfen, zu wachsen und disziplinierter zu werden. Erst heute verstehe ich so wirklich, dass ich damals in ein Konversionstherapie-Programm gezwungen wurde, mit dem Ziel, mich auszulöschen. Man sagte mir, ich müsse mich ändern. Ich wurde Gewalt und Scham ausgesetzt, alles unter dem Vorwand, mir ´zu helfen´. Sie haben viele verschiedene Arten von Gewalt gegen mich angewendet, sowohl verbal als auch physisch. Und ich denke, das hat meine Kindheitstraumata wirklich geprägt. Nach diesem Vorfall fühlte ich mich nicht sicher, auch nicht gegenüber meiner Familie. Diese Narben an Leib und Seele sind bis heute nicht wirklich verblasst.“
Breite Debatte in der Gesellschaft
Die Geschichte der trans* Frau ist dabei nur eine von vielen. Phinyapincha fordert wie viele andere queere Thailänder, dass damit endlich Schluss sein muss. Zusammen mit der ILGA Asia und weiteren nationalen LGBTIQ+-Verbänden soll das Thema nun ans Licht geholt und in der Gesellschaft debattiert werden. Das Ziel ist zum einen ein gesetzliches Verbot von Konversionstherapien und zum anderen eine breitangelegte Aufklärungskampagne darüber in den Medien, den Schulen, der Politik und schlussendlich auch innerhalb von Familien.
„Dies sind zutiefst schädliche Interventionen, die auf der medizinisch falschen Vorstellung beruhen, dass LGBTIQ+-Personen krank sind, was schwere Schmerzen und Leiden verursacht und zu lang anhaltenden psychologischen und physischen Schäden führt. Bereits im Jahr 2020 forderte der Unabhängige Menschenrechtsexperte der UN ein weltweites Verbot der Konversionstherapie. Solche Praktiken stellen eine eklatante Verletzung der Rechte auf körperliche Autonomie, Gesundheit und freie Äußerung der eigenen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität dar“, so die ILGA Asia.