Direkt zum Inhalt
Sichere Herkunftsstaaten
ANZEIGE

Sichere Herkunftsstaaten Die Maghrebstaaten sollen ohne Bundesrat als sicher eingestuft werden - der LSVD+ kritisiert dies scharf!

ms - 04.06.2025 - 15:30 Uhr
Loading audio player...

Die Bundesregierung hat heute einen ersten Schritt für die Vereinfachung der Einstufung von Staaten als sichere Herkunftsländer gemacht – künftig soll dann die schwarz-rote Koalition die Entscheidung, welche Länder als sicher eingestuft werden, eigenständig vornehmen können, eine Zustimmung des Bundesrats ist dann nicht mehr nötig. Das Vorhaben hatte die CDU/CSU bereits vor der Regierungsbildung angekündigt, Ziel ist es dabei, Migranten schneller in ihre Heimatländer zurückschicken zu können. 

Abschiebung in Maghrebstaaten

Die schärfere Asylpolitik stößt nicht nur bei der Opposition, sondern auch bei einigen queeren Vereinen wie dem Verband Queere Vielfalt (LSVD+) auf starke Ablehnung. Grüne und Linke haben mittels des Bundesrats damit nicht mehr wie bisher die Chance, eine Neubewertung zu verhindern, es reicht dann künftig die einfache Rechtsverordnung der Bundesregierung. Nach Plänen der Union sollen somit zeitnah Länder wie unter anderem Marokko, Algerien oder Tunesien als sicher eingestuft werden – ein Asylantrag von queeren Personen aus diesen Ländern würde damit zumeist nicht positiv beschieden werden. 

Scharfe Kritik an Bundesregierung

Laut dem LSVD+ werde damit nicht nur der Bundesrat übergangen, sondern auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht mehr beachtet. Alva Träbert aus dem Bundesvorstand dazu: „Wir lehnen die geplante neuerliche Verschärfung der Asylgesetzgebung ab. Algerien, Marokko und Tunesien sind keine sicheren Herkunftsstaaten, schon gar nicht für LSBTIQ* Schutzsuchende. In den drei Maghrebstaaten drohen LSBTIQ* Personen mehrjährige Haftstrafen und teilweise auch Folter. Die gesamtgesellschaftliche Ächtung von und Gewalt gegen queere Menschen ist massiv. Bisher scheiterte die Einstufung der drei Staaten am Widerstand des Bundesrates, und dies aus guten Gründen. Das Bundesverfassungsgericht hat vollkommen zurecht geurteilt, dass nur solche Staaten als ´sicher´ eingestuft werden können, in denen alle Personen- und Bevölkerungsgruppen vor Gewalt sicher sind. Dass die Bundesregierung diese letztlich im Grundgesetz verankerten Maßgaben nun einfach umgehen will, kritisieren wir scharf.“

Der LSVD+ befürchtet dabei „verheerende Konsequenzen“ und lehnt das Gesetzesvorhaben vehement ab. Kommt es trotzdem, brauche es Ausnahmeregeln für queere Flüchtlinge, so Träbert weiter: „Sollte es trotz aller rechtlicher Einwände beschlossen werden, fordern wir, dass LSBTIQ* Antragsteller*innen aus den als ´sicher´ eingestuften Ländern aufgrund ihrer besonderen Vulnerabilität von den geplanten Schnellverfahren ausgenommen werden, und dass ihre Schutzgesuche grundsätzlich niemals als ´offensichtlich unbegründet´ abgelehnt werden.“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte indes betont, mit dem heutigen Beschluss die Asylwende weiter vorantreiben zu wollen. Zustimmung an der Reform gebe es laut Dobrindt auch von Deutschlands Nachbarstaaten.  

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Der Druck zum Posten

Urlaub unter Beobachtung

Vor allem junge Menschen – auch viele queere – teilen ihren Urlaub selbstverständlich in sozialen Netzwerken. Doch das Posten kann belastend werden.
Gewalt gegen queere Fahrgäste

Forderungen an Fahrdienst Uber

Ein schwerer Angriff auf eine trans* Frau in Kolumbien löst Forderungen nach besserem Schutz queerer Fahrgäste bei Fahrdienst-Apps wie Uber aus.
Allein in der Wohnung

Queere Menschen häufig betroffen

Rund 2,1 Millionen homosexuelle und queere Menschen leben allein, besonders ältere Menschen sind häufig davon betroffen.
Kritik an der US-Polizei

Queere Menschen im Fokus?

Eine neue Studie offenbart: In Kalifornien werden Menschen, die als trans* wahrgenommen werden, häufiger von der Polizei durchsucht und festgenommen.
Aktivisten verlassen Kamerun

Community massiv unter Druck

In Kamerun bedrohen Exil, Erschöpfung und sinkende Fördermittel die Strukturen der LGBTIQ+-Community und ihre bisherigen Erfolge.
Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.