Senegal verschärft Vorgehen Homosexuelle geraten immer stärker unter Druck
Im Senegal sind acht Frauen wegen des Vorwurfs „widernatürlicher Handlungen“ festgenommen und an die Staatsanwaltschaft von Pikine-Guédiawaye am Rand der Hauptstadt Dakar überstellt worden. Nach Angaben senegalesischer Medien nahmen die Ermittlungen ihren Anfang bei einem privaten Konflikt und wurden anschließend durch die Auswertung von Mobiltelefonen ausgeweitet.
Das Wichtigste im Überblick
- Acht Frauen sind im Senegal wegen des Vorwurfs „widernatürlicher Handlungen“ festgenommen worden.
- Die Ermittlungen begannen nach einem privaten Streit und wurden durch die Auswertung von Mobiltelefonen ausgeweitet.
- Die Frauen wurden an die Staatsanwaltschaft von Pikine-Guédiawaye bei Dakar überstellt.
- Menschenrechtsorganisationen kritisieren die zunehmende Verfolgung von homosexuellen Menschen im Land.
- Der Fall steht im Zusammenhang mit einer Verschärfung der Anti-Homosexuellen-Gesetze im Senegal.
Ermittlungen gegen acht Frauen
Um die betroffenen Frauen vor einer weiteren öffentlichen Bloßstellung zu schützen, werden ihre Namen nicht genannt. Veröffentlicht werden lediglich die Initialen, die bereits in einigen lokalen Medien kursieren. Der Fall ereignet sich vor dem Hintergrund einer zunehmenden Verschärfung der Gesetzgebung gegen Schwule und Lesben im Senegal. Ende Juni änderte die Nationalversammlung zudem die Verfassung und definierte die Ehe ausdrücklich als Verbindung zwischen Mann und Frau. Die Änderung wurde einstimmig von den 129 Abgeordneten beschlossen.
Der neue Verfassungstext legt keine biologischen Kriterien für Geschlecht fest, führt jedoch ein binäres Verständnis ein, das intergeschlechtliche Menschen ausgrenzt. Die Reform folgte auf einer Verschärfung des Strafgesetzbuches im März 2026 und steht nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen für eine zunehmende Repression gegen homosexuelle Menschen. Damals wurde das Strafmaß für homosexuelle Handlungen auf zehn Jahre Gefängnis verdoppelt. Seitdem ist es im Land zu einer Welle von Verhaftungen gekommen, vor allem unter schwulen Männern. Aber auch prominente Frauen wie „Miss Senegal Univers 2024“ wurden bereits zum Opfer der strikten Regierungspolitik.
Streit als Ausgangspunkt
Begonnen haben die aktuellen Ermittlungen offenbar mit einem Konflikt zwischen der 23-jährigen Hausangestellten M.D.F. und ihrer mutmaßlichen Partnerin F.M. (31). Nach Berichten mehrerer senegalesischer Medien soll M.D.F. die Beziehung zu F.M. beendet haben, um eine andere Frau kennenzulernen. Dies habe zu Spannungen geführt, die schließlich in einem Übergriff auf die Wohnung der Arbeitgeberin der jüngeren Frau gemündet seien. Die Anzeige der Betroffenen führte zu Ermittlungen der Gendarmerie. Der Fall wurde später an die Ermittlungsbrigade von Keur Massar übergeben.
F.M., die in Rufisque festgenommen wurde, soll den Ermittlern wahrscheinlich nicht ganz freiwillig von einer Gruppe von Frauen berichtet haben, die seit 2022 Beziehungen zwischen Dakar und Thiès pflege. Durch die Analyse ihrer Telefonkontakte sowie der Kontakte von M.D.F. sollen die Ermittler sechs weitere Frauen identifiziert haben. Kritiker sehen in der Auswertung privater Kommunikationsdaten einen problematischen Eingriff in die Privatsphäre. Sie werfen den Behörden vor, persönliche Kontakte über Jahre hinweg überprüft und dabei möglicherweise sexuelle Orientierungen offengelegt zu haben.
Frauen an Staatsanwaltschaft überstellt
Nach Angaben des senegalesischen Mediums Seneweb wurden die acht Frauen bereits befragt und sollen die ihnen vorgeworfenen Handlungen eingeräumt haben. Anschließend wurden sie an Staatsanwalt Saliou Dicko überstellt, der die Staatsanwaltschaft von Pikine-Guédiawaye leitet. Für die Ermittlungsakte wurde ein sogenannter „retour de parquet“ angeordnet. Dabei handelt es sich um eine Zurückstellung zur weiteren Prüfung, bevor möglicherweise ein Verfahren vor einem Untersuchungsrichter eingeleitet wird. Während der Befragungen soll außerdem der Name einer bekannten Persönlichkeit aus sozialen Netzwerken gefallen sein. Lokale Quellen berichten von einer im Senegal bekannten Künstlerin. Um eine weitere öffentliche Verfolgung der Betroffenen zu vermeiden, werden keine weiteren Angaben zu möglichen beteiligten Personen gemacht.
Religion spielt wichtige Rolle
Der Fall folgt auf eine Verschärfung des senegalesischen Strafrechts zu sogenannten „widernatürlichen Handlungen“. Zudem wurden neue Sanktionen für sogenannte „widernatürliche Handlungen“ und die „Förderung der Homosexualität“ eingeführt. Nach Angaben der Organisation STOP Homophobie wurden seit der Gesetzesänderung mindestens einhundert Festnahmen gemeldet. Die französische Zeitung Le Monde bezeichnete die Entwicklung Ende April als möglichen „politischen Ablenkungsmechanismus“ in einer Zeit sozialer und wirtschaftlicher Spannungen im Land.
Der Senegal ist ein mehrheitlich muslimisches Land. Rund 95 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an, überwiegend der sunnitischen Richtung. Gesellschaftlich bedeutend sind insbesondere Sufi-Bruderschaften wie die Mouriden und die Tijaniyya. Der übrige Teil der Bevölkerung ist überwiegend katholisch. Obwohl der Senegal verfassungsrechtlich ein säkularer Staat ist, bleibt der Einfluss religiöser Institutionen auf die Politik groß. Dieser Einfluss wird häufig als ein Faktor für die Verschärfung von Gesetzen gegen Schwule und Lesben genannt.