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Scharfe Kritik in USA Appell an US-Ärzte: „Wir müssen einen Standpunkt einnehmen!“

Von ms - 04.05.2022 - 08:45 Uhr
Scharfe Kritik gegenüber Angriffe auf die LGBTI*-Community // © IMAGO / NurPhoto
Foto: Scharfe Kritik gegenüber Angriffe auf die LGBTI*-Community // © IMAGO / NurPhoto
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Die stellvertretende US-Gesundheitsministerin und trans-Frau Rachel Levine richtete sich jetzt mit klaren und eindringlichen Worten an Ärztekollegen und hob die dramatische Lage von queeren Jugendlichen in den USA unmissverständlich deutlich hervor. Dabei betonte sie auch, dass konservative Kräfte in Amerika die gesamte LGBTI*-Community derzeit massiv angreifen würden.

Levine ist nicht nur die ranghöchste trans-Person in der aktuellen Biden-Regierung, sondern arbeitete zuvor auch als Kinderärztin, Professorin für Pädiatrie und Psychiatrie und als Gesundheitsministerin von Pennsylvania. Inzwischen ist sie ein Vier-Sterne-Admiral im United States Public Health Service und seit März 2021 zudem stellvertretende Gesundheitsministerin der Vereinigten Staaten.

In einer Rede in Fort Worth, Texas, wandte sich Levine nun an Ärztekollegen und sprach über die Angriffe konservativer Politiker auf die LGBTI*-Community: "Heute bitten viele unserer Mitmenschen im ganzen Land um unsere Aufmerksamkeit, weil sie angegriffen werden und nur noch sehr wenige Möglichkeiten sehen, sich überhaupt an sie zu wenden. Ich möchte dies sehr, sehr deutlich sagen: Lesbische, schwule, bisexuelle, transgender und queere Amerikaner begehen Selbstmord in einem Ausmaß, das unser Gewissen schockieren sollte."

Levine nahm dabei Bezug auf Umfragen aus dem Jahr 2020, die nahelegen, dass beispielsweise 52 Prozent der trans- und nicht-binären Jugendlichen ernsthaft über Selbstmord nachdenken. Die stellvertretende Gesundheitsministerin sprach weiter von einer psychischen Gesundheitskrise, die unter LGBTI*-Jugendlichen immer mehr an Dramatik gewinnen würde: "Denken Sie daran, wie viele Jugendliche es inzwischen für besser halten, zu sterben, als noch mehr Schikanen, Sündenbock-Mentalität und absichtlichen Missbrauch zu ertragen! Dabei könnte ein einziger fürsorglicher Erwachsener für viele LGBTI*-Jugendliche den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen!“

Immer wieder bekräftigte Levine auch die immense Bedeutung der geschlechtsangleichenden Versorgung für transsexuelle Jugendliche, eine Maßnahme im Gesundheitswesen, die Republikaner in den letzten Monaten trans-Jugendlichen immer strikter verweigern wollen. Dabei stellt Levine auch klar: „Medizinische Geschlechtsangleichung ist medizinische Versorgung und zugleich eine psychische Gesundheitsfürsorge. Sie ist eine Maßnahme zur Suizidprävention. Sie verbessert die Lebensqualität und sie rettet Leben! Der positive Wert einer geschlechtsangleichenden Behandlung ist weder wissenschaftlich noch medizinisch ernsthaft umstritten.“

Die persönliche Betroffenheit war Levine dabei mehrfach anzumerken. Indirekt hatte sie dabei auch die letzten Entwicklungen in Bundesstaaten wie Texas im Blick, in dem der republikanische Gouverneur Greg Abbott Eltern, die ihre Kinder geschlechtsangleichend betreuen, des "Missbrauchs" beschuldigen lassen will. Aktuell liegt der Fall vor Gericht, eine finale Entscheidung steht noch aus.

Anderenorts im Bundesstaat Alabama wurden im April geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen für trans-Personen unter 18 Jahren unter Strafe gestellt – bei Verstößen drohen künftig Gefängnisstrafen und Geldbußen. Levine dazu: "Die Sprache der Medizin und der Wissenschaft wird benutzt, um Menschen in den Selbstmord zu treiben. Unter dem Deckmantel der Sorge um Kinder wird versucht, das Leben von Kindern zu zerstören. Wir müssen aufstehen. Wir müssen im Namen derer, die verletzt werden, einen Standpunkt einnehmen. Wir müssen Ärzte sein. Das ist es, was wir tun, auch wenn es schwierig ist."

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