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Russlands Verbotswahnsinn! Das beliebteste Theaterstück Russlands ist abgesetzt – weitere werden folgen.

Von ms - 21.04.2023 - 15:00 Uhr
Russlands Verbotswahnsinn!
Foto: iStock / Nurejew
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Lange Zeit hatten sich Kritiker über die Verschärfung des Anti-Homosexuellen-Paragrafen Ende letzten Jahres in Russland noch lustig gemacht – Präsident Wladimir Putin hatte darin alles verbieten lassen, was auch nur entfernt einen Bezug zum Thema Homosexualität haben könnte. Das Gesetz existiert bereits seit 2013, damals noch mit Konzentration auf den Schutz von Minderjährigen. Inzwischen gilt das Verbot für alle Russen. Spötter witzelten, dass die Russen dann wohl auch einige ihrer Literaturklassiker oder auch ihre weltberühmten Theaterstücke absetzen müssten – genau das ist jetzt offenbar passiert. Das berühmte Bolschoi-Theater gab bekannt, dass Stück über die russische Tanzlegende und Ballettweltstar Rudolf Nurejew zu streichen.

Theaterstück verstößt gegen traditionelle Werte

Ganz offen erklärte die Theaterleitung, dies aus politischem Druck heraus tun zu müssen. Kirill Serebrennikows Ballett „Nurejew“ könne gegen das Verbot von „Propaganda nicht traditioneller Werte“ verstoßen, immerhin sei Nurejew selbst schwul gewesen. Das vielfach ausgezeichnete Ballettstück von Serebrennikow gehörte zu den beliebtesten Aufführungen der weltgrößten Balletttruppe, doch auch das nützte schlussendlich nichts, so Theaterintendant Wladimir Urin bei der Vorstellung des neuen Spielplans.

Nurejew – zu schwul für die russische Regierung!

Serebrennikow hatte mit seinem stets ausverkauften Ballett „Nurejew“ gleich vier Auszeichnungen beim renommierten Tanzpreis Benois de la Danse erhalten. Ihm selbst sprach die internationale Jury in Moskau den Preis für die beste Ballettregie zu. Der in dem Ballett dargestellte Nurejew war aus der Sowjetunion geflohen und in den USA und Europa weltberühmt geworden, bevor er 1993 im Alter von nur 54 Jahren an Aids verstorben war. In der Aufführung waren auf der Bühne homosexuelle Szenen und Männer in Frauenkleidern und auf Stöckelschuhen zu sehen.

Russland bekräftigt Verbot

Russlands Kommunikationsaufsichtsbehörde veröffentlichte indes nun auch erstmals konkrete Leitlinien zum Verbot von Propaganda „nicht traditioneller Lebensweisen“ und bekräftigte, dass jedwede positive oder auch nur gleichwertige Darstellung von homosexuellen Lebensweisen mit heterosexuellen streng verboten ist, auch in Büchern, Theaterstücken, Filmen und anderweitigen Medien.

Künstler flüchten aus Russland

Der 53-jährige Serebrennikow selbst ist bereits aufgrund der politischen Verfolgung nach Frankreich und Deutschland ausgewandert, wo er heute erfolgreich auch als Filmemacher arbeitet. In seinen jüngeren Werken übt er ganz klar Kritik an der Homophobie unter Putin. Aus Angst vor Verfolgung haben in den letzten Monaten nach Angaben von Reuters viele weitere Künstler Russland verlassen, um frei arbeiten zu können.

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