Direkt zum Inhalt

Prozess nach Dating-Masche Die jungen Angeklagten rechtfertigten ihre Raubüberfälle mit der Aussage, Schwule seien pädophil

Von ms - 05.12.2024 - 09:00 Uhr
Prozess nach Dating-Masche
Foto: iStock / nirat
ANZEIGE
Loading audio player...

In Nordrhein-Westfalen müssen sich derzeit vier junge Männer vor Gericht verantworten, weil sie mittels der Dating-App-Masche in Mönchengladbach Jagd auf Homosexuelle gemacht haben sollen. Nach dem bekannten Muster sollen die Angeklagten drei schwule Männer online kontaktiert und anschließend ausgeraubt haben. 

Die Tatvorwürfe im Detail lauten auf gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, besonders schwerer Raub, besonders schwere räuberische Erpressung,  räuberischer Angriff und erpresserischer Menschenraub. Bei einer Verurteilung drohen den vier Männern wahrscheinlich Haftstrafen, für den Haupttäter fordert die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Die Verteidigung zielt auf eine Bewährungsstrafe ab.   

Schilderungen der Opfer 

In dieser Woche nun sagten vor Gericht am dritten Verhandlungstag zwei Opfer aus. Ein 29-jähriger Mann schilderte so, wie er sich mit dem mutmaßlichen Haupttäter getroffen habe, bis zwei weitere Männer in sein Auto eingestiegen seien. Zuvor sei es zu „sexuellen Tätigkeiten“ gekommen. Die Angeklagten hatten den jungen Schwulen daraufhin offenbar gezwungen, zu sich nach Hause zu fahren, dort wollten sie zusätzlich zum Auto den Fahrzeugbrief erbeuten. Als zufällig ein Polizeiwagen vorbeikam, konnte der 29-Jährige die Beamten auf sich aufmerksam machen. 

Im zweiten Fall berichtete ein 55-Jähriger, wie die Männer ebenso zu ihm ins Auto gestiegen und ihn anschließend mit einem Messer am Hals bedroht hätten. Sie erpressten so demnach die PIN-Nummer der Bankkarte und hoben Bargeld am Sparkassenautomaten ab. Danach sollen die vier Angeklagten den Mann weiter malträtiert haben – sie zwangen ihn demnach, auf einen Feldweg zu fahren und dort niederzuknien. Immer wieder hätten die Männer dann gegen seinen Kopf getreten, zwischendurch sperrten sie ihn auch in den Kofferraum seines Autos, so das Opfer weiter. Insgesamt zweieinhalb Stunden habe die Tortur gedauert. Beide Homosexuellen erklärten, bis heute unter dem Angriff zu leiden. Das dritte Opfer der mutmaßlichen Täter sagte bisher nicht aus – er soll in seiner Wohnung überfallen und ausgeraubt worden sein. 

Jagd auf vermeintlich Pädophile

Die vier Angeklagten selbst rechtfertigten ihre Taten vor Gericht damit, man habe den Männern nur eine Lektion erteilen wollen, denn Nutzer der Planet-Romeo-App seien an Minderjährigen interessiert. Ihr Handeln sei gerechtfertigt, weil es sich bei den Usern um Pädophile handeln würde. Der vorsitzende Richter widersprach indes den vier Männern und stellte klar, dass Minderjährige auf der Plattform gar nicht präsent sind und dass dies so oder so das Vorgehen der Männer nicht rechtfertige. Ein Urteil im Prozess wird kommende Woche erwartet. 

In diesem Jahr ist es verstärkt zu Überfällen auf Homosexuelle mit der Dating-Masche gekommen, zuletzt machten zwei Überfalle dieser Art in Lüneburg Schlagzeilen, eines der Opfer war ein JU-Politiker. Der junge Mann überlebte die Tat aller Voraussicht nach nur, weil ein Passant schlussendlich eingriff.   

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenFrankfurter Allgemeine ZeitungAuf dem Heimweg: Angriff auf homosexuelles Paar in BremenDER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.