Zwei 29 Jahre alte schwule Männer wurden im Zentrum der italienischen Stadt Bologna von einer Gruppe von rund 15 Menschen brutal angegriffen und zusammengeschlagen. Zuvor sollen sie homophob beleidigt worden sein. Alleiniger Auslöser für die Attacke soll nach ersten Erkenntnissen der Fakt gewesen sein, dass die beiden Männer Händchen hielten.
Das Wichtigste im Überblick
- Zwei 29-jährige Italiener wurden in der Nacht zum 25. September im Zentrum von Bologna Opfer eines brutalen homophoben Angriffs.
- Die beiden Männer hielten Händchen, als sie zunächst von einem jungen Mann beleidigt und angegriffen worden sind.
- Dieser soll anschließend Freunde gerufen haben. Schließlich sollen rund 15 junge männliche Ausländer auf die beiden Männer eingeschlagen und eingetreten haben.
- Die Opfer seien nach dem Angriff unter Schock und mit schweren Verletzungen am Boden zurückgelassen worden.
- Einer der Männer musste in der Notaufnahme des Krankenhauses Sant’Orsola behandelt werden, ist inzwischen aber außer Lebensgefahr.
- Die Carabinieri werten aktuell Aufnahmen von Überwachungskameras aus.
- Nach Medienberichten wird wegen Körperverletzung mit diskriminierendem Hintergrund ermittelt.
- Bolognas Bürgermeister Matteo Lepore und Vizebürgermeisterin Emily Clancy verurteilten die Tat und kündigten Unterstützung für die Opfer an.
- Die Stadt will sich bei Verfahren wegen diskriminierend motivierter Straftaten und Hasskriminalität als Nebenklägerin beteiligen.
Hassattacke wegen Händchenhalten
Der Vorfall ereignete sich nach einem Bericht der Zeitung Repubblica am 25. September gegen 2.00 Uhr nachts. Die beiden jungen schwulen Italiener waren demnach in der Innenstadt unterwegs, als es in der Nähe der Porta Mascarella zunächst zu einer Auseinandersetzung mit einem jungen Mann gekommen sein soll. Dieser habe die beiden Männer beleidigt und angegriffen. Anschließend soll er Freunde hinzugerufen haben. Schließlich seien die beiden 29-Jährigen von einer etwa 15-köpfigen Gruppe mit Schlägen und Tritten brutal immer wieder attackiert worden und das nur, weil sie homosexuell sind und Händchen hielten, wie die italienische Presse betonte. Nach der Attacke wurden die Opfer wehrlos, unter Schock und mit teils schweren Verletzungen am Boden zurückgelassen.
Die Carabinieri der mobilen Einsatzabteilung rückten an und kümmerten sich um die beiden Männer. Die Beamten begannen zudem damit, die Geschehnisse der Nacht zu rekonstruieren. Eines der Opfer musste mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme des Krankenhauses Sant’Orsola gebracht werden, der 29-jährige kam unter anderem mit schweren Kopfschmerzen in die Klinik. Nach Angaben der Polizei ist der Mann außer Lebensgefahr. Die weiteren Ermittlungen liegen bei den Carabinieri in Bologna. Die Beamten versuchen nun, die Mitglieder der Gruppe zu identifizieren.
Gewaltbereiter Mob
Laut Corriere und Il Resto del Carlino soll es sich um junge Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren gehandelt haben, die mit einer ausländischen Herkunft beschrieben wurden. Für die Ermittler könnten insbesondere Aufzeichnungen von Überwachungskameras jetzt von Bedeutung sein. Sie könnten dabei helfen, den Ablauf des Angriffs genauer nachzuvollziehen und die mutmaßlichen Täter zu identifizieren. Aktuel wird wegen Körperverletzung ermittelt, erschwert durch eine diskriminierende Motivation beziehungsweise ethnischen, rassistischen oder religiösen Hass.
Stadt reagiert auf homophobe Attacke
Bolognas Bürgermeister Matteo Lepore und Vizebürgermeisterin Emily Clancy reagierten mit einer ausführlichen gemeinsamen Erklärung. Sie sprachen den Opfern die Unterstützung der Stadt aus und warnten vor den Folgen von Hass und Diskriminierung. „Wir möchten den beiden jungen Männern, die Opfer des Angriffs in der vergangenen Nacht wurden, unsere tiefste Solidarität und die Anteilnahme der gesamten Stadtverwaltung aussprechen.“ Die Stadtspitze bezeichnete insbesondere den mutmaßlichen Anlass des Angriffs als alarmierend.
„Es ist inakzeptabel und schmerzhaft, dass in unserer Stadt zwei Menschen zunächst diskriminierende Beleidigungen und anschließend eine derart brutale körperliche Gewalt erleiden müssen. Dass eine alltägliche Geste wie Händchenhalten für jemanden zum Vorwand wird, körperliche und verbale Gewalt dieses Ausmaßes zu entfesseln, ist ein Alarmsignal, das wir nicht verharmlosen dürfen. Dieser Vorfall ist nicht nur ein schwerwiegendes Ereignis, sondern ein Einschüchterungsversuch, der das Herz unserer Gemeinschaft trifft. Leider ist dies nicht einmal der einzige Fall, von dem wir in den vergangenen Monaten erfahren haben.“
Sorge über organisiertes Vorgehen
Auch der geschilderte Ablauf der Attacke bereitet den Verantwortlichen nach eigenen Angaben Sorgen. Aus einem Angriff eines Einzelnen soll sich binnen kurzer Zeit eine Attacke einer größeren Gruppe entwickelt haben. „Schon der Ablauf des Geschehens, bei dem die Beleidigung durch einen Einzelnen anschließend das organisierte Vorgehen einer Gruppe ausgelöst hat, erinnert uns daran, wie wichtig es ist, gegenüber Hassrhetorik und ihren realen Auswirkungen auf das Leben der Menschen wachsam zu bleiben.“
Lepore und Clancy betonten zugleich, dass Menschen sich im öffentlichen Raum frei bewegen und ihre Gefühle zeigen können müssten. „Sicherheit im öffentlichen Raum und die Freiheit, die eigenen Gefühle offen zu leben, sind unveräußerliche Rechte und bilden die Grundlage unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Angesichts solcher Entwicklungen haben die Institutionen die Pflicht, nicht nur mit Solidarität, sondern auch mit strukturellen Maßnahmen und eindeutigen Stellungnahmen zu reagieren.“
Bologna will Opfer unterstützen
Die Stadtverwaltung verwies in diesem Zusammenhang auf eine bereits im Mai getroffene Entscheidung. Opfer diskriminierend motivierter Gewalt sollen bei der juristischen Aufarbeitung nicht allein gelassen werden. „Aus diesem Grund haben wir als Stadt Bologna bereits im vergangenen Mai eine klare Linie beschlossen: Wir werden die Opfer nicht allein mit den rechtlichen Folgen dieser Gewalttaten lassen. Die Stadt wird sich in Verfahren wegen diskriminierend motivierter Straftaten und Hasskriminalität als Nebenklägerin beteiligen.“ Zum Abschluss richteten Bürgermeister und Vizebürgermeisterin eine deutliche Botschaft an Menschen, die Gewalt aus diskriminierenden Motiven ausüben. „Denjenigen, die glauben, mit der Arroganz der Gewalt handeln zu können, sagen wir mit aller Entschiedenheit: Ihr werdet auf die Grundsätze einer Stadt treffen, die Inklusion zu ihrem Markenzeichen gemacht hat und keinerlei Form von Diskriminierung toleriert.“