Offener Brief an Senegal Afrikanische Prominente: Umdenken bei der Homosexuellenverfogung
Prominente Persönlichkeiten aus Afrika und der afrikanischen Diaspora haben Senegal aufgefordert, das verschärfte Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen auszusetzen. In einem offenen Brief an Präsident Bassirou Diomaye Faye warnen die Unterzeichner vor den Folgen der Regelung für schwule und lesbische Menschen im Land.
Das Wichtigste im Überblick
- Rund 30 Persönlichkeiten aus Afrika und der afrikanischen Diaspora wenden sich mit einem offenen Brief an Senegals Präsidenten.
- Sie kritisieren das verschärfte Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen.
- Die Unterzeichner sprechen von Angst, Gewalt und Stigmatisierung gegenüber homosexuellen Menschen.
- Gefordert werden ein Moratorium für Festnahmen und ein „respektvoller und konstruktiver Dialog“.
- Die Verfasser verweisen auf internationale Menschenrechtsverpflichtungen.
Offener Brief von Prominenten
Nach Angaben der Verfasser habe das Gesetz ein Klima von Angst, Gewalt und Stigmatisierung geschaffen. Genannt werden unter anderem Übergriffe, Festnahmen, familiäre Konflikte sowie erschwerter Zugang zur Gesundheitsversorgung, beispielsweise gerade beim Thema HIV. Bestätigt wurde zudem eine massive Zunahme an Gewalt und eine Verhaftungswelle von schwulen Männern. Unterzeichnet wurde der Brief von Juristen, Künstlern, Menschenrechtsaktivisten und Politikern aus mehreren afrikanischen Ländern sowie der Diaspora. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die kamerunische Anwältin Alice Nkom, der frühere UN-Sonderberichterstatter Doudou Diène aus Senegal sowie der Philosoph Achille Mbembé. Im März dieses Jahres hatte Präsident Faye das neue Gesetz unterzeichnet, das unter anderem die Strafen für Homosexualität auf zehn Jahre Haft verdoppelte.
In dem Schreiben betonen die Autoren zunächst, dass sie Senegals Souveränität respektierten. Zugleich verweisen sie jedoch auf internationale Verpflichtungen des Landes. „Senegal hat die Afrikanische Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker sowie die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet, die insbesondere das Recht auf Privatsphäre und das Prinzip der Nichtdiskriminierung verankern. Warum also weigert sich Senegal, seine eigenen afrikanischen und internationalen Verpflichtungen einzuhalten?“, heißt es in dem Brief.
Homosexualität ist nicht „unafrikanisch“
Zugleich loben die Unterzeichner Präsident Faye und die Hoffnungen, die seine Wahl ausgelöst habe. „Viele sahen in Ihnen die Verkörperung politischer Erneuerung – die einer neuen Generation, die sich für die Werte von Gerechtigkeit, Würde und Souveränität einsetzt.“ Die Verfasser widersprechen zudem der Darstellung, Homosexualität sei „unafrikanisch“. „Diese Vorstellung hält einer Überprüfung nicht stand. Alle afrikanischen Historiker und Ethnologen wissen das“, heißt es in dem Schreiben weiter. Außerdem verweisen sie darauf, dass gleichgeschlechtliche Lebensrealitäten in afrikanischen Gesellschaften historisch dokumentiert seien und viele Strafgesetze gegen homosexuelle Menschen aus der Kolonialzeit stammten.
Forderung nach Moratorium
Der Brief nennt zudem mehrere afrikanische Staaten, darunter Botswana, Mosambik, Gabun und Angola, die Homosexualität in den vergangenen Jahren entkriminalisiert haben. Dies zeige, „dass es innerhalb Afrikas unterschiedliche Wege gibt und dass der Kontinent nicht zwangsläufig zur Repression verurteilt ist“. Abschließend fordern die Unterzeichner ein Moratorium für Festnahmen und die Vollstreckung von Strafen, um Raum für eine gesellschaftliche Debatte zu schaffen. „Wir möchten die senegalesischen Behörden dazu einladen, einen respektvollen und konstruktiven Dialog über diese Fragen zu eröffnen.“ Zudem äußern die Autoren die Hoffnung, der Senegal werde „weiterhin ein Leuchtturm für Afrika bleiben – nicht nur durch seine politische Stabilität, sondern auch durch sein Engagement für die Menschenwürde“.