Direkt zum Inhalt

Neuer Familienbericht Die Vielfalt von Familienformen muss besser gefördert werden, fordert jetzt die Familienberichtskommission

Von ms - 15.01.2025 - 13:00 Uhr
Neuer Familienbericht
Foto: iStock / FatCamera
ANZEIGE
Loading audio player...

Im heute vorgestellten zehnten Familienbericht wird betont, wie schwierig die Lebensrealität für alleinerziehende Eltern mit Kindern sein kann – davon betroffen sind auch lesbische und schwule Eltern, die allein ihre Kinder großziehen. Inzwischen erziehen in jeder fünften Familie Eltern ihre Kinder allein oder getrennt.

Schwierige Lage bei Alleinerziehenden

Durch die oftmals bis heute erlebte Stigmatisierung von Regenbogenfamilien sowie durch die anhaltende Schlechter-Bezahlung von Homosexuellen im Beruf müssen sich schwule oder lesbische Eltern bereits heute besonderen Herausforderungen stellen – fällt dann noch aus diversen Gründen wie Trennung oder Todesfall der Partner weg, verschlimmert sich die Situation noch weiter. 

Insgesamt gibt es in Deutschland aktuell rund 1,7 Millionen Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren, der Großteil davon sind Frauen – der Anteil der Väter wächst allerdings und lag zuletzt 2023 bei 18 Prozent. Gerade alleinstehende Mütter mit Kinder sind allerdings besonders von Armut betroffen – verstärkt wird die Problematik oftmals noch durch einen LGBTI*-Hintergrund. Obwohl sie überwiegend erwerbstätig sind, sind viele auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen. Entsprechend ist das Armutsrisiko von Alleinerziehenden etwa drei Mal höher als das von Frauen in Paarbeziehungen.

Hohes Armutsrisiko

Bundesfamilienministerin Lisa Paus sagte dazu heute im Kabinett: „Der Familienbericht zeigt auf, wie es allein- und getrennterziehenden Familien in Deutschland geht. So macht der Bericht deutlich, dass gerade für Alleinerziehende das Armutsrisiko hoch ist.“ Dabei betonte die Ministerin weiter, dass sich der Kinderzuschlag für Alleinerziehende und Familien mit kleinen Einkommen zuletzt mehrfach erhöht habe und derzeit bei maximal 297 Euro pro Monat und Kind liegt. Zudem wurde das Kindergeld im Januar dieses Jahres auf 255 Euro monatlich angehoben. 

Vielfalt anerkennen und fördern

Prof. Michaela Kreyenfeld, die Vorsitzende der Familienberichtskommission, ergänzte dazu: „Die Vielfalt von Familie nach Trennung und Scheidung hat zugenommen. Auch wenn das Wechselmodell mit 5–10 Prozent in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch wenig verbreitet ist, übernehmen die meisten Eltern Erziehungs-, Betreuungs- und Sorgeverantwortung. Es ist an der Zeit, Recht, Politik und Statistik an diese veränderten Bedingungen anzupassen, um mit den Lebensrealitäten von Familien Schritt zu halten und alle gut zu unterstützen. Der Familienbericht liefert hierzu wichtige Ansatzpunkte.“

Die Expertin benennt dabei vier zentrale Ziele: Die Förderung der ökonomischen Eigenständigkeit von Müttern wie Vätern, die Stärkung der gemeinsamen Elternverantwortung, die Berücksichtigung von Vulnerabilitäten und die Anerkennung sowie Förderung der Vielfalt von Familienformen – das käme insbesondere auch Regenbogenfamilien zugute. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.
Warnung von Édouard Louis

Krawalle erschüttern Frankreich

Nach gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich kritisiert Schriftsteller Édouard Louis die Regierung und fordert ein Verbot rechtsextremer Parteien.
Pläne für ESC 2028

Vorentscheid mit mehreren Sendern

ARD, RTL und ProSiebenSat.1 denken über einen gemeinsamen deutschen ESC-Vorentscheid nach. Eine Umsetzung wäre ab 2028 denkbar.
Angriff auf queeres Zentrum

LGBTIQ+-Banner in Cottbus zerstört

Erneut sind Regenbogenbanner an einem queeren Kulturzentrum in Cottbus beschädigt worden. Die Betreiber sprechen von Einschüchterung.