LGBTIQ+-Wohnen neu gedacht San Francisco baut bezahlbaren Wohnraum für queere Senioren
San Francisco beschließt bezahlbares Wohnen für queere Seniorinnen und Senioren.
Pilotprojekt setzt neue Maßstäbe
Die Stadt San Francisco investiert verstärkt in bezahlbaren Wohnraum für ältere queere Menschen. Mit dem neu genehmigten Bau von 187 Wohneinheiten ausschließlich für Seniorinnen und Senioren der LGBTIQ+-Community am Market Street 1939 reagiert die Stadt auf akuten Handlungsbedarf. In einem Land, in dem rund drei Millionen über 50-Jährige sich heute als LGBTIQ+ identifizieren und diese Zahl bis 2030 auf sieben Millionen steigen könnte, gilt das Vorhaben als innovativer Vorstoß gegen Altersarmut und soziale Ausgrenzung.
Fokus auf Teilhabe und Versorgungssicherheit
Das Vorzeigeprojekt entstand in Zusammenarbeit der Organisationen Openhouse und Mercy Housing und wird durch das kalifornische Förderprogramm "Affordable Housing and Sustainable Communities" getragen. Die Wohnungen sind für Menschen mit sehr niedrigem bis mittlerem Einkommen vorgesehen. Angesprochen werden damit Haushalte mit einem Jahreseinkommen zwischen rund 16.000 und 92.000 US-Dollar, was zwischen 15 und 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Region entspricht. Neben offenen Gemeinschaftsflächen sollen auch spezifische Unterstützungsangebote etwa im Bereich Gesundheit und Mobilität entstehen. Der Fokus liegt klar auf Vernetzung und Teilhabe, um der verbreiteten Vereinsamung in der LGBTIQ+-Altersgruppe entgegenzuwirken.
Herausforderungen im Alltag queerer Seniorinnen und Senioren
Studien zufolge sind LGBTIQ+-Seniorinnen und -Senioren doppelt so häufig alleinstehend wie Gleichaltrige der Gesamtbevölkerung, vielfach kinderlos und etwa fünfmal seltener verheiratet. Diskriminierungserfahrungen in Beschäftigung, Wohnen oder Gesundheitsversorgung sind ebenso verbreitet wie ein überdurchschnittliches Armuts- und Gesundheitsrisiko. Hinzu kommt fehlende familiäre Unterstützung, was das Risiko für soziale Isolation, Armut und Wohnungslosigkeit weiter erhöht. Initiativen wie in San Francisco gelten deshalb als Modellbeispiel gesellschaftlicher Verantwortung und Präventionsarbeit.
Mit dem Bauprojekt setzt San Francisco ein kraftvolles Signal für mehr Inklusion, Sichtbarkeit und selbstbestimmtes Altern queerer Menschen. Die Nachfrage ist hoch, vergleichbare Ansätze gibt es inzwischen in Städten wie Pittsburgh oder New York. Offen bleibt, ob andere Kommunen nachziehen und wie der Zugang zu bezahlbarem, diskriminierungsfreiem Wohnen flächendeckend verbessert werden kann.