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Stonewall in der Krise

Stonewall in der Krise Der größte queere Verein Großbritanniens hat Finanzsorgen

ms - 07.01.2026 - 08:30 Uhr
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Die britische LGBTIQ+-Wohltätigkeitsorganisation Stonewall steckt in einer schweren finanziellen Krise. Ein dramatischer Rückgang der Einnahmen aus staatlichen Fördermitteln und Unternehmensspenden führte 2025 zu einem Defizit von mehr als 900.000 britischen Pfund. Der Verein verzeichnete in seinem jüngsten Finanzjahr einen Rückgang der Einnahmen von 6,9 Millionen auf 4,7 Millionen Pfund. Währenddessen betrugen die Ausgaben 5,6 Millionen Pfund.

Leere Kassen bei Stonewall 

Die Rücklagen von Stonewall sind damit auf weniger als 92.000 Pfund gesunken, was einen Rückgang von fast einer Million Pfund innerhalb eines Jahres darstellt. Besonders stark betroffen ist die Finanzierung aus dem öffentlichen Sektor, die im Jahr 2025 nur noch rund 450.000 Pfund betrug, nach rund 619.000 Pfund im Vorjahr. Auch private Unternehmensspenden gingen allerdings deutlich zurück: von knapp 349.000 Pfund im Jahr 2024 auf etwa 143.000 Pfund im vergangenen Jahr.

Stonewall reagierte auf die Zahlen mit einem öffentlichen Statement. Ein Sprecher der Organisation erklärte: „Wie weithin berichtet wurde, waren die letzten Jahre für den Wohltätigkeitssektor äußerst herausfordernd, und viele Organisationen spüren die Auswirkungen eines schwierigen wirtschaftlichen Klimas. Diese Herausforderungen haben sich im LGBTIQ+-Sektor noch verstärkt, da sich viele in der Gemeinschaft zunehmend bedroht fühlen. Klarer und kraftvoller Einsatz und Engagement sind notwendiger denn je.“

Weiter erklärte der Sprecher: „Das Vereinigte Königreich war einst weltweit führend in den LGBTIQ+-Rechten. Leider ist das heute nicht mehr der Fall. Während wir als Gemeinschaft weiterhin Fortschritte machen, die gefeiert werden müssen, verändert sich das Vereinigte Königreich und die Welt. Weltweit durchlebt die LGBTIQ+-Bewegung, zusammen mit vielen anderen sozialen Gerechtigkeits- und Menschenrechtsfragen, eine Phase erheblicher Turbulenzen, bei denen Rechte und Freiheiten – insbesondere für die trans- und nicht-binären Gemeinschaften – infrage gestellt werden.“

Kritik an der Organisation 

Nach Angaben des britischen Telegraph sind die Einnahmen der queeren Organisation seit 2022 allerdings auch deswegen rapide gesunken, weil mehrere Ministerien und Unternehmen sowie auch Medien wie die BBC ihre Finanzierungen eingestellt haben. Die Kritik lautete bereits damals, dass sich der Verein immer mehr radikalisieren würde und nicht mehr für die Meinungsvielfalt innerhalb wie außerhalb der Community eintrete. Stonewall hatte in den letzten Jahren unter anderem Firmen dazu gedrängt, Diversity-Maßnahmen nach ihrem Plan durchzusetzen – taten sie dies nicht im Sinne der Organisation, benannte Stonewall diese öffentlich und stufte sie als Arbeitgeber im Ranking herab. Die damalige Außenministerin Liz Truss hatte bereits 2022 massiv kritisiert, dass Stonewall Unternehmen dermaßen unter Druck setze.

Stonewall erhofft sich nun vermehrt Spenden aus der Bevölkerung. Mit Blick auf die aktuelle Situation versicherte die Wohltätigkeitsorganisation überdies, dass sie bereits Maßnahmen ergriffen habe, um die finanzielle Lage zu stabilisieren. „Wir haben Ende 2024, nach der Ernennung eines neuen CEO, Schritte unternommen, um das zugrunde liegende Defizit anzugehen“, erklärte der Sprecher weiter. Die geplanten ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 würden dabei bereits Fortschritte in eine stabilere finanzielle Zukunft aufzeigen. 

Gründung nach New York Protesten

Stonewall ist einer der ältesten und der größte britische LGBTIQ+-Verein, gegründet 1989, unter anderem von Schauspieler Sir Ian McKellen. Die Organisation, benannt nach den Stonewall-Unruhen in New York 1969, setzte sich ursprünglich gegen das Gesetz §28 ein, das Schulen und lokalen Behörden in Großbritannien untersagte, „Homosexualität zu fördern“. Seitdem hat sich Stonewall für eine Vielzahl von Gesetzesänderungen stark gemacht, darunter die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe und die Anerkennung der sexuellen Orientierung sowie der Geschlechtsidentität als geschützte Merkmale im Gleichstellungsgesetz von 2010. In den letzten Jahren fokussierte sich der Verein immer stärker auf den Kampf für trans* und queere Rechte. 

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