Posting löst Debatte aus Italien: Kritik an Eisdiele wegen "Pistacchio Gay"-Eis
Ein rosa-grünes Pistazieneis mit dem Namen „Pistacchio Gay“ löste in einer süditalienischen Eisdiele einen Sturm der Kritik und eine hitzige Diskussion rund um Stereotype und Alltagsdiskriminierung aus. Angestoßen wurde die Debatte vom Schauspieler und künstlerischen Leiter des Giacinto Festivals, Luigi Tabita, der das Bild auf seinen sozialen Kanälen veröffentlichte. Sein Posting steigerte sich rasch zur Grundsatzdebatte: Wann ist eine vermeintlich harmlose Werbeidee einfach nur geschmacklos?
Stereotype Farben, echte Auswirkungen
Die Zuordnung von Farben zu Geschlechtern oder sexuellen Orientierungen scheint altmodisch und bleibt dennoch Alltag in vielen Köpfen. Dass rosa für Frauen oder Homosexualität, blau hingegen für Männer oder Heterosexualität steht, wird immer wieder reproduziert, mal augenzwinkernd, mal unbedacht. Die Eisdiele in Catania präsentierte einen pinkfarbenen Kern in grünem Pistazieneis und etikettierte dies als „Pistacchio Gay", wohl in humorvoll gemeinter Absicht, aber mit tief sitzenden Klischees. Was wie ein Scherz wirken soll, verstärkt nach Ansicht von Betroffenen und Initiativen das Problem: Sichtbarmachung durch Reduktion auf Äußerlichkeiten statt durch Akzeptanz. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 62 Prozent der LGBTIQ+-Personen in Italien regelmäßig mit Klischees dieser Art konfrontiert werden, oft in scheinbar beiläufigen Situationen des Alltags.
Reaktionen: Viel Kritik und die Frage nach Verantwortung
Die Resonanz im Netz war vielschichtig. Neben Unterstützung für Tabitas Kritik meldeten sich auch Personen, die den Einwand zunächst für übertrieben hielten. Besonders stach jedoch ein Kommentar hervor:
„Luigi Tabita, vielleicht meinten sie es nett, aber es ist tatsächlich geschmacklos und sogar paradox. Hast du sie kontaktiert oder sollen wir das übernehmen?“ – aus den Social-Media-Kommentaren unter dem Beitrag von Luigi Tabita.
Bemerkenswert ist, dass die Diskussion nicht beim einzelnen Eisschild endet. Fachleute aus der Antidiskriminierungsarbeit heben hervor, dass Sprache und Werbung ständig das Bild von gesellschaftlichen Minderheiten formen und so entscheidenden Einfluss auf Akzeptanz und Gleichberechtigung nehmen.
Ein Fall mit Vorgeschichte
In Italien kommt es immer wieder zu Vorfällen, bei denen Kreativität in der Werbung zu Stolperfallen wird. Expertinnen und Experten für Diversity bemängeln, dass fehlende Sensibilität in der öffentlichen Kommunikation oft nicht mit böser Absicht einhergeht, sondern mit unbewussten Vorurteilen. Die italienische Antidiskriminierungsstelle UNAR registrierte 2025 einen deutlichen Anstieg von Beschwerden über LGBTIQ+-feindliche Sprache in der Werbung. Besonders häufig betroffen: Alltagsprodukte und Lokale, die mit scheinbar originellen Aktionen an traditionelle Rollenbilder anknüpfen. Obwohl Medienbildung und Sensibilisierung seit Jahren verstärkt werden, fehlt vielfach die alltägliche Reflexion über die Bedeutung von Sprache und Symbolik.