Keine schwulen Giraffen? Bizarre Theorien eines US-Politikers über Homosexualität
Der republikanische Kandidat für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus, Rod Joseph, hat mit Aussagen über Homosexualität jetzt für viel Diskussionen und Kopfschütteln gesorgt. Bei einem Gruppeninterview mit der Redaktion des South Florida Sun-Sentinel sprach der Bewerber gemeinsam mit zwei weiteren republikanischen Kandidaten über seine Vorstellungen zu menschlicher Sexualität und Geschlecht.
Das Wichtigste im Überblick
- Der republikanische Kongresskandidat Rod Joseph hat behauptet, man könne nicht schwul geboren werden.
- Als Begründung führte er Vergleiche mit Tieren wie Giraffen und Löwen an.
- Wissenschaftliche Beobachtungen zeigen jedoch gleichgeschlechtliches Verhalten bei mehr als 1.500 Tierarten.
- Eine republikanische Mitbewerberin widersprach Josephs Aussagen.
- Der offen schwule demokratische Kandidat Elijah Manley bezeichnete die Äußerungen als „unbegründet und haltlos“.
Heterosexuell geboren?
Der Politiker erklärte: „Man sieht nie eine Giraffe, eine männliche Giraffe, die sich mit einer anderen männlichen Giraffe paart. Das wäre das gleiche, als würde ich sagen: ‚Ich bin eine Giraffe‘. Nur weil ich es sage, bedeutet das nicht, dass es wahr ist.“ Nach seiner Darstellung würden alle Menschen „heterosexuell geboren“. Die Aussage fiel im Zusammenhang mit einer Frage zu einer Äußerung des republikanischen Abgeordneten Andy Ogles aus Tennessee. Dieser hatte bereits zu Beginn des Pride Monats erklärt: „Homosexualität hat keinen Platz in Amerika.“ Anschließend hatte Ogles geschrieben: „Frohen Monat der Kernfamilie.“ Die Aussage stieß auch innerhalb der Republikanischen Partei auf Kritik. Ogles erklärte später, seine Mitarbeiter seien für die Veröffentlichung verantwortlich gewesen, und löschte die Nachricht.
Joseph verweist auf Tierwelt
Joseph wollte sich zunächst nicht direkt zu Ogles’ Aussage äußern. Stattdessen sprach er über den Ursprung sexueller Orientierung und führte weitere Beispiele aus der Tierwelt an. „Schauen Sie sich den natürlichen Lebensraum an. Sie sehen nie einen Löwen, der sich ein Leben lang mit einem männlichen Löwen paart“, sagte er. „Man kann nicht schwul geboren werden. Das ist biologisch unmöglich“, sagte Joseph weiter. Er erklärte, Sexualität sei eine Präferenz und keine biologische Orientierung. „Sexuelle Präferenz, vom Römischen Reich bis heute, ist immer eine Präferenz“, behauptete er weiter. Die wissenschaftliche Faktenlage sieht indes etwas anders aus: Gleichgeschlechtliches Verhalten wurde bei mehr als 1.500 Tierarten dokumentiert, darunter auch bei Löwen. Eine britische Studie belegte zuletzt erst zu Beginn des Jahres, dass Homosexualität im Tierreich evolutionäre Wurzeln hat.
Kritik von politischen Gegnern
Josephs Aussagen stießen folgerichtig dann auch auf viel Widerspruch. Elijah Manley, einer von fünf Bewerbern um die demokratische Nominierung und der einzige offen schwule Kandidat im Rennen beider großer Parteien, bezeichnete die Aussagen schlicht als „unbegründet und haltlos“ und betonte: „Ich denke, seine Antwort ist unglaublich ignorant. Du wirst so geboren, wie du bist! Wissenschaft zu benutzen, um eine bigotte, transfeindliche und homophobe Agenda voranzutreiben, ist beschämend. Er liegt außerdem bei den Tieren falsch.“
Auch die republikanische Kandidatin Lateresa „LA“ Jones distanzierte sich von Josephs Einschätzung. Sie erklärte, sie wisse nicht, wie Gott Menschen geschaffen habe. „Ich bin Schwarze, in Amerika geboren und in diesem Land aufgewachsen“, sagte sie. „Ich weiß nicht, wie Gott Menschen geschaffen hat. Das weiß ich nicht. Ich weiß aber, wenn ich auf die Geschichte zurückblicke, insbesondere auf unsere Geschichte, dass es so viele Menschen gab, die nicht zu dem werden durften, was sie tatsächlich sind. Ich bete dafür, dass wir eine Nation werden, in der wir Menschen so annehmen, wie Gott sie geschaffen hat“, sagte Jones.
Wahlkampf ohne LGBTIQ+-Ansprache
Joseph, ein evangelikaler Christ mit haitianischen Wurzeln, ist Kriegsveteran und Träger des Purple Heart. Die Auszeichnung trug er auch während des Interviews. Seine Kampagne richtet sich nach eigenen Angaben an verschiedene Gruppen im Wahlbezirk 20 im Broward County. Dazu zählen Afroamerikaner, die 42 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung des Bezirks ausmachen, orthodoxe Juden, „Hispanics und Südamerikaner“ sowie Menschen europäischer und insbesondere rumänischer Herkunft. Die LGBTIQ+-Community wird in dieser Ansprache jedoch nicht erwähnt und das, obwohl zum Wahlbezirk auch Wilton Manors im Broward County dazugehört, das als inoffizielle „Schwulenhauptstadt“ Floridas gilt. Keine guten Voraussetzungen - und seine Wahlchancen dürften zumindest im Szeneviertel durch seine Giraffen-Theorie nicht gerade angestiegen sein.