Direkt zum Inhalt

Kein homophober Mord? War der Mord an dem Mode-Designer eine Beziehungstat?

Von ms - 12.01.2023 - 10:00 Uhr
Kein homophobes Hassverbrechen?
Foto: Facebook / Edwin Chiloba
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Polizei in Kenia hat jetzt weitere Details zum Mord an dem LGBTI*-Aktivisten und jungen Mode-Designer Edwin Chiloba (25) bekanntgegeben. Die Indizien und bisherigen Ermittlungen deuten darauf hin, dass es sich nicht wie zunächst angenommen um ein homophobes Hassverbrechen, sondern um eine Beziehungstat gehandelt haben könnte. LGBTI*-Aktivisten blicken indes skeptisch auf die Aussagen der örtlichen Polizei, die als homophob eingestuft wird – die Befürchtung steht im Raum, dass ein Hassverbrechen verschleiert werden könnte.

Schwuler Freund gesteht Mord

Die Polizei hat zwischenzeitlich vier Männer festgenommen, einer davon soll die Tat inzwischen gestanden haben. Dabei handelt es sich um den Fotografen Jackton Odhiambo, dem Freund des Mode-Designers. Die Polizei konnte zudem das Auto sicherstellen, mit dem Odhiambo zusammen mit drei inzwischen ebenso verhafteten Freunden die Leiche des jungen Mannes in eine Metallbox gepfercht und anschließend am Straßenrand abgestellt haben soll. Der mutmaßliche Täter gab an, in einer Beziehung mit Chiloba gelebt zu haben – Freunde des Opfers sprechen online von einer toxischen Beziehung zwischen den beiden Männern.

Chiloba geknebelt und erstickt

Ebenso wurden weitere Informationen zur Todesursache veröffentlicht: Nach Angaben des untersuchenden Pathologen Johansen Oduor starb Chiloba an den Folgen einer durch Ersticken verursachten Asphyxie. Der 25-Jährige war anscheinend geknebelt und anschließend ein Socken in den Mund gestopft worden, zudem sollen ihm Fetzen einer Jeans um Mund und Nase gebunden worden sein. Der Leichnam des jungen Mannes weist dabei eindeutig Spuren von Sauerstoffmangel auf.

Lückenlose Aufklärung gefordert

LGBTI*-Aktivisten sowie diverse Menschenrechtsorganisationen wie beispielsweise Human Rights Watch fordern eine lückenlose Aufklärung des Verbrechens. Die Polizei hat bereits weitere Untersuchungen angekündigt. Die grausame Tat schockiert weit über die Grenzen Kenias hinaus, weil Chiloba als Aktivist einer der wenigen kraftvollen Stimmen aus Afrika war, der sich lautstark für LGBTI*-Menschen einsetzte. Immer wieder hatte er auch kritisiert, dass Homosexualität in vielen Ländern Afrikas noch immer unter Strafe steht, auch in seiner Heimat Kenia, wo gleichgeschlechtlicher Sex mit bis zu 21 Jahren Haft geahndet werden kann.

Mehrfach war Chiloba auch verbal und physisch von homophoben Afrikanern angegriffen worden, weswegen ein Hassverbrechen schlüssig erschien, nachdem letzte Woche seine Leiche in einem Metallkoffer am Straßenrand nahe der Stadt Eldoret aufgefunden worden war. Dass nun vermutlich sein eigener schwuler Freund den Mord begangen haben könnte, schockiert die Community vor Ort beinahe noch mehr. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.