Kampf gegen den Pride Monat In den USA ist ein Gegenentwurf zum Ehrenmonat der Community angedacht, der heterosexuelle Ehepaare feiern soll
Kurz vor Beginn des diesjährigen Pride Monats Juni haben einige Republikaner in den USA nun erneut zum Kampf gegen den Gedenkmonat zu Ehren der Stonewall-Aufstände 1969 ausgerufen – damals wehrte sich die Community erstmals gegen die willkürliche und brutale Schikane der New Yorker Polizei, die Geburtsstunde aller heutiger CSDs. Für konservative Hardliner spielt das keine Rolle, sie sehen in dem Pride Monat einen Angriff auf die Grundwerte der Familie.
Feier der „natürlichen Familie“
Die neue Idee daher ist nun: Die USA müssten im Juni den „Monat der natürlichen Familie“ feiern – ein entsprechender Gesetzentwurf wurde bereits in das Repräsentantenhaus von Ohio eingebracht. Geehrt werden sollen dabei explizit heterosexuelle Ehepaare mit Kindern – auch wenn diese zumindest geschichtlich betrachtet nicht auf Jahrzehnte der Verfolgung, Diskriminierung und Unterdrückung zurückblicken können. „Wenn ihr den Pride der Schwulen feiert, dann feiern wir die natürliche Familie“, so einer der republikanischen Befürworter gegenüber NBC News.
Landesweite Unterstützung von Konservativen
Die weiteren Pläne sehen vor, dass der Ehrenmonat für „natürliche Familien“ vom Muttertag im Mai bis zum Vatertag im Juni andauern soll. Die Idee findet Anklang weit über den US-Bundesstaat hinaus, mehrere konservative landesweite Organisationen und Anti-LGBTIQ+-Verbände haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, allen voran die Natural Family Foundation (NFF), die betonte, dass die „natürliche Familie der Eckpfeiler der gesamten Zivilisation“ sei und dass „das moralische Gefüge einer Gesellschaft verpflichtet ist, diese Familienform zu schützen.“ Eine „richtige“ Ehe bestehe nur aus einem „biologisch geborenen Mann und einer biologisch geborenen Frau, die in einer lebenslangen, festen, monogamen Beziehung mit ihren biologischen Kindern“ zusammenleben. Absurderweise dürfte diese Definition auch viele heterosexuelle Partnerschaften mit und ohne Kinder ausschließen. Ebenso werden der Logik folgend natürlich auch Scheidungen und vorehelicher Sex missbilligt.
Gefährliche Gesetzesinitiative
Dwayne Steward, Geschäftsführer der queeren Organisation Equality Ohio, erklärte zum jüngsten Vorhaben: „Es entwertet nicht nur die Existenz von Alleinerziehenden und zahllosen anderen Betreuungspersonen, sondern zielt auch direkt auf LGBTIQ+-Familien in unserem Staat ab. Wenn man kein heterosexuelles, monogames Paar mit Kindern ist, zählt man überhaupt nicht als Familie. Als Teil von Adoptiveltern bekomme ich diese verbale Auslöschung persönlich zu spüren. Dieser Gesetzentwurf ist nicht nur beleidigend, er ist gefährlich.“
Die Angriffe auf den Pride Monat selbst sind nicht neu, bereits im letzten Jahr versuchten beispielsweise Verbände und Einzelpersonen, den „Monat der Heterosexualität“ auszurufen. In Deutschland gab es erfolglose Bemühungen, mit einem „Stolzmonat“ einen Gegenentwurf zum Gedenkmonat der Community zu etablieren.