Initiative von Apotheken Safe Space für queere junge Menschen
Immer mehr junge Menschen kämpfen mit psychischen Belastungen und suchen Unterstützung, besonders dramatisch ausgeprägt ist die Situation seit Jahren unter LGBTIQ+-Jugendlichen. Nach Angaben des aktuellen Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung zeigen inzwischen rund 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler psychische Auffälligkeiten, unter queeren Menschen sind die Fallzahlen je nach Studie noch höher. Nun könnten immer mehr Apotheken zu Safe Spaces für Betroffene werden.
Das Wichtigste im Überblick
- Psychische Belastungen bei Jugendlichen in Deutschland nehmen wieder zu.
- Die Initiative „OurGenerationZ“ baut bundesweit sogenannte Safe-Space-Apotheken auf.
- Jugendliche sollen dort anonym und kostenlos erste Hilfe und Orientierung erhalten.
- Mehr als 40 Apotheken beteiligen sich bereits an dem Projekt.
- Besonders für queere und homosexuelle Jugendliche kann das Angebot eine wichtige geschützte Anlaufstelle sein.
Offline Anlaufstelle
Hinter der neuen Idee steht die Jugendbewegung OurGenerationZ (OGZ), die auf ein neues Konzept baut: sogenannte Safe-Space-Apotheken. Die Idee dahinter ist, Jugendlichen einen unkomplizierten und anonymen Zugang zu ersten Hilfsangeboten zu ermöglichen. „Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass wir auch offline eine Art Anlaufstelle brauchen“, sagt Lara Laurenz, Mitgründerin und Sprecherin von OGZ Deutschland sowie Vorstandsvorsitzende des Fördervereins OurGenerationZ gegenüber dem ZDF. Nach Angaben der Initiative beteiligen sich inzwischen bundesweit mehr als 40 Apotheken an dem Projekt.
Niedrigschwellige Hilfe ohne Anmeldung
In den teilnehmenden Apotheken können Jugendliche kostenlos und anonym Gespräche führen. Ziel sei es, Betroffene an passende Beratungs- und Hilfsangebote weiterzuvermitteln – etwa an Fachärztinnen und Fachärzte, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen. „Niemand muss in einer Apotheke seine Versichertenkarte zeigen und seinen Namen nennen“, erklärte der Gelsenkirchener Apotheker Gerrit Nattler, der sich früh an der Initiative beteiligt hatte.
Gerade diese Anonymität sei für viele Jugendliche entscheidend, betonte Laurenz. Viele junge Menschen hätten Hemmungen, sich direkt an Eltern, Lehrkräfte oder offizielle Stellen zu wenden. Nach Angaben der Initiatoren ersetzen die Gespräche keine psychologische Beratung oder Therapie. Vielmehr sollen sie eine erste Orientierung bieten und dabei helfen, innerhalb des Gesundheitssystems geeignete Ansprechpartner zu finden.
Unterstützung für queere Jugendliche
Nach Einschätzung von Fachleuten kann das Angebot insbesondere für homosexuelle, trans* oder queere Jugendliche eine wichtige Rolle spielen. Viele junge Menschen aus der LGBTIQ+-Community erleben Ausgrenzung, familiäre Konflikte oder psychischen Druck und scheuen sich oftmals, offen über ihre Probleme zu sprechen. Gerade die Möglichkeit, anonym und ohne bürokratische Hürden Unterstützung zu erhalten, könnte Hemmschwellen leichter abbauen. Safe-Space-Apotheken könnten dadurch für queere Jugendliche zu einem geschützten ersten Kontaktpunkt werden, bevor professionelle Beratungs- oder Therapieangebote in Anspruch genommen werden.
Vermittlung an Fachstellen vor Ort
Apotheken könnten durch ihre lokale Vernetzung eine wichtige Rolle übernehmen, sagt Laurenz weiter. „Apotheker kennen sich vor Ort aus und können zum Beispiel zu Drogen- oder Schwangerschaftsberatungsstellen vermitteln.“ Jugendliche können sich entweder direkt an eine teilnehmende Apotheke wenden oder über die Initiative auf Instagram nach einer passenden Anlaufstelle suchen. Als weitere Vorteile nennt Apotheker Nattler neben der Anonymität auch die häufig langen Öffnungszeiten vieler Apotheken sowie die Möglichkeit, Beratung in unterschiedlichen Sprachen anzubieten.
Schulungen für Apothekenteams
Die Beteiligung an dem Projekt bedeute allerdings auch zusätzlichen Aufwand. Wichtig sei vor allem ein guter Überblick über regionale Hilfsangebote und Fachstellen, sagte Nattler. Dies könne erklären, warum manche Apotheken bislang noch zurückhaltend seien.vZugleich sieht er in dem Konzept eine Chance für die Branche. „Man merkt überall, dass Apotheken unter Druck stehen“, sagte der Apotheker mit Blick auf zunehmende Konkurrenz durch Online-Angebote.
Begleitet wird das Projekt unter anderem von der Freien Universität Berlin sowie von Psychologen und Ärzten. Sie unterstützen die teilnehmenden Apotheken bei Schulungen und bei der sensiblen Gestaltung der Gespräche. Nach Einschätzung der Initiatoren gehören schwierige Gespräche bereits heute zum Alltag vieler Apotheken. Darauf könne aufgebaut werden, um Jugendlichen in belastenden Situationen empathisch zu begegnen.
Hier gibt es Hilfe
Bei psychischen oder anderweiten emotionalen Problemen sowie auch bei Depressionen oder beispielsweise Angststörungen, versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.
Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de