Direkt zum Inhalt
Horror-Gesetzvorhaben im Irak

Horror-Gesetzvorhaben im Irak Die Eckpunkte des geplanten Verbotsgesetzes werden immer radikaler bis hin zur Todesstrafe

ms - 26.02.2024 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Die Situation für Homosexuelle im Irak eskaliert immer weiter – bereits im vergangenen Jahr arbeitete das Parlament an neuen Gesetzesvorhaben, die darauf abzielen, Homosexualität an sich bereits strafbar zu machen. Die jetzt vorgelegten Richtlinien gehen in ihrer Radikalität noch weiter und fordern die Todesstrafe bereits für die bloße Existenz von Schwulen – jenseits der Frage, ob sexuelle Handlungen überhaupt vorgenommen worden sind.

Todesstrafe auch für Aktivisten

Wie bereits im letzten Jahr angedacht, sollen dabei auch die Strafen für alle Menschenrechtsaktivisten verschärft werden, die Homosexuellen in irgendeiner Weise helfen – auch ihnen kann inzwischen dann die Todesstrafe drohen. Aktuell kriminalisiert die irakische Gesetzgebung Schwule und Lesben nicht, auch wenn diese immer wieder aus fadenscheinigen Gründen wie dem Antiprostitutionsgesetz trotzdem inhaftiert und gefoltert werden.

Genau dieses Gesetz soll nun nebst anderen erweitert werden und in seiner Definition von verbotener „sexueller Perversion“ auch Homosexuelle mit einschließen. In einem weiteren Schritt soll außerdem die „Imitation von Frauen“ geahndet werden, gemeint sind damit Trans-Menschen. In beiden Fällen droht den Inhaftierten darauf womöglich bald die Todesstrafe.

Ruf nach internationaler Staatengemeinschaft

Die internationale LGBTI*-Organisation All-Out fordert jetzt mit Hilfe einer Petition im Zusammenschluss mit den Menschenrechtsgruppen Guardians of Equality Movement (GEM) und Gala Iraq das irakische Parlament sowie auch Präsident Abdul Latif Rashid dazu auf, die geplanten Änderungen unverzüglich abzulehnen.

Es ist Eile geboten, denn zeitnah könnte das Parlament bereits über die drakonischen Gesetze final abstimmen und damit in Kraft treten lassen. In den ersten Stunden haben bereits weit über 10.000 Menschen die Petition unterzeichnet – fraglich nur, ob dies im Irak einen tatsächlichen Eindruck hinterlässt. Der Appell richtet sich daher auch an die internationale Staatengemeinschaft; sie solle sich verstärkt mit diplomatischem Druck dafür einzusetzen, dass die grundlegenden Menschenrechte im Irak gewahrt bleiben und die geplante Gesetzgebung gestoppt wird.

Schnell handeln, bevor es zu spät ist

„Die Abstimmung steht kurz bevor, und die Gefahr wächst. Der Irak könnte schon bald einige der härtesten Anti-LGBT*-Gesetze der Welt verabschieden, die das Leben von LGBT*-Menschen und ihren Unterstützern mit dem Tod bedrohen. Die Auswirkungen dieses Gesetzes wären verheerend, da nicht nur die Existenz von LGBT* kriminalisiert wird, sondern auch Verbündete und Menschenrechtsverteidiger mit extremen Maßnahmen, einschließlich der Todesstrafe, bestraft werden. Dieser Gesetzesvorschlag widerspricht dem verfassungsmäßigen Engagement des Irak für Gleichheit und internationalen Menschenrechtsstandards. Wir müssen schnell handeln, um zu verhindern, dass dieses drakonische Gesetz in Kraft tritt“, so ein Sprecher von All-Out.

Direkt an Präsident Abdul Latif Rashid gerichtet, heißt es in dem offiziellen Schreiben weiter: „Diese Gesetzgebung stellt eine offenkundige Missachtung der Werte von Gleichheit, Nichtdiskriminierung und Privatsphäre dar, die in der irakischen Verfassung und im Völkerrecht verankert sind. Wir fordern Sie nachdrücklich auf, diesen vorgeschlagenen Änderungsantrag eindeutig abzulehnen. Die Verabschiedung des Gesetzes würde nicht nur die LGBT*-Community gefährden, sondern auch den Ruf des Irak als Nation schädigen, die die Rechte und die Würde ihrer Bürger respektiert.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

King’s Speech des Königs

Erneut leere Versprechungen?

König Charles III. hat in seiner "King’s Speech“ erneut ein Verbot von Konversionstherapien betont. Abermals leere Versprechungen für die Community?
Anstieg der Hasskriminalität

Alarmsignale aus NRW und Hessen

In NRW und Hessen hat die Hasskriminalität gegen queere Menschen stark zugelegt, teilweise verdreifachten sich die Fallzahlen in kurzer Zeit.
Erste Homo-Ehe in Polen

Historischer Schritt für Community

Historischer Schritt: In Polen wurde jetzt erstmals eine in Deutschland geschlossene Ehe zweier schwuler Männer offiziell anerkannt.
Rückgratlose EU-Kommission

Kein Konversionstherapie-Verbot

Peinlich! Die EU-Kommission will kein Verbot von Konversionstherapien umsetzen, sondern spricht nur eine unverbindliche Empfehlung aus.
Endspurt ESC

25 Finalisten stehen fest

Spannung und Vorfreude: Die 25 Finalisten zum ESC stehen fest und Australien könnte am Samstag erstmals den ESC gewinnen.
Initiative von Apotheken

Geschützte Anlaufstellen

Queere junge Menschen sind seit Jahren besonders stark von psychischen Belastungen betroffen, eine neue Initiative von Apotheken könnte hier helfen.
Auszeichnung für Aktivist

Frank Mugisha aus Uganda

Der LGBTIQ+-Aktivist Frank Mugisha aus Uganda wurde für seine außergewöhnliche, lebensgefährliche Arbeit mit dem Inamori Ethics Prize 2026 geehrt.
Vatertag unter Schwulen

Schwul an Christi Himmelfahrt

Vatertag – doch was machen schwule Männer ohne Kinder da? Kein Problem, denn wir feiern an diesem Ehrentag einfach unsere Daddys.