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Homosexuelle Veteranen Entschädigungszahlungen in England laufen bald aus

Von ms - 23.06.2026 - 12:00 Uhr
Homosexuelle Veteranen in Sorge
Foto: iStock / Benny Sutton
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Mindestens 1.000 ehemalige Angehörige der britischen Streitkräfte, die im Rahmen des sogenannten „Gay Ban“ wegen ihrer sexuellen Orientierung entlassen wurden, droht der Verlust von Entschädigungsleistungen. Darauf weist die Organisation Fighting With Pride hin, die sich für die Betroffenen einsetzt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Mindestens 1.000 homosexuelle Veteranen haben laut Hilfsorganisation noch keinen Entschädigungsantrag gestellt
  • Frist für das Programm läuft in weniger als sechs Monaten ab
  • Entschädigungen von bis zu 70.000 Pfund möglich
  • Verbot für homosexuelle Soldaten galt in Großbritannien bis zum Jahr 2000
  • Sorge vor fehlender Information und Scham bei Betroffenen
  • Verteidigungsministerium betont Aufarbeitung und Öffentlichkeitsarbeit

Betroffene könnten Anspruch verlieren

Die Organisation geht davon aus, dass noch zahlreiche sogenannte „verlorene“ Veteranen bislang keinen Antrag gestellt haben. Die Frist für die Einreichung läuft in weniger als sechs Monaten ab. Betroffene könnten laut Schätzungen bis zu 70.000 Pfund erhalten. Das britische Verteidigungsministerium (MoD) erklärte, es bedauere den Umgang mit homosexuellen Veteranen „zutiefst“ und arbeite daran, die Programme bekannter zu machen. Homosexualität wurde in Großbritannien zwar ab 1967 schrittweise entkriminalisiert, für das Militär galt jedoch weiterhin ein Verbot bis zum Jahr 2000. Betroffene wurden häufig verhört, aus dem Dienst entlassen und vor Familie und Umfeld „geoutet“.

Die frühere RAF-Angehörige Karen Usher schilderte ihre Erfahrungen während ihres Dienstes in den 1990er-Jahren. Nach einer Vertraulichkeit gegenüber einem Militärseelsorger sei sie gemeldet und später isoliert worden. „Sie haben mich wegen meiner Sexualität isoliert, sie wollten nicht, dass ich in der Nähe anderer bin oder mit jemandem Kontakt habe. Sie haben mich getrennt, bis sie mich zurück nach Großbritannien fliegen konnten. Mein Kopf war völlig durcheinander, ich blicke zurück und kann nicht glauben, was ich in diesem Alter durchmachen musste.“

Usher gehört zu mehr als 1.500 Veteranen, die bereits Entschädigungen beantragt haben. Sie äußerte zugleich Zweifel, dass alle Betroffenen erreicht werden. „Einige der Veteranen, besonders die älteren, wurden wegen ihrer Sexualität eingesperrt. Es ist niederschmetternd, dass sie das verpassen könnten, worauf sie Anspruch haben.“ Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte dazu: „Wir arbeiten intensiv daran, sicherzustellen, dass berechtigte Veteranen von diesen Programmen erfahren, indem wir mit lokalen Behörden, dem NHS sowie anderen Organisationen und Wohltätigkeitsgruppen zusammenarbeiten.“

Liebesbrief an Freundin 

Auch Pam Johnson, heute 74 Jahre alt, schildert ihre Erfahrungen aus ihrer Zeit im Women’s Royal Army Corps ab 1969. Sie war im Bereich militärische Aufklärung tätig. „Ich bin damit aufgewachsen, wir haben immer gesagt: Wenn du meinen Vater schneidest, würde er Khaki bluten.“ Später sei sie entlassen worden, nachdem ein Liebesbrief an eine andere Soldatin entdeckt worden sei. Sie habe ihre Sicherheitsfreigabe verloren und sei zur Rückkehr in eine untergeordnete Tätigkeit gezwungen worden. „Ich war entsetzt über die Behandlung, ich war psychisch am Ende. Aus Verzweiflung habe ich mich aus meinem Vertrag freigekauft.“ Sie wartet noch auf die Entscheidung über ihren Antrag: „Wenn es passiert, werde ich vor Glück weinen“, sagte sie. „Es wird mir das Gefühl geben, dass endlich anerkannt wird, dass das, was sie getan haben, falsch war.“

Warnung vor unbekannt vielen Fällen

Peter Gibson von Fighting With Pride geht davon aus, dass mehr als 1.000 Betroffene noch nicht erreicht wurden. „Wir wissen, dass viele sich aufgrund ihrer Behandlung so ausgegrenzt und verletzt fühlten, dass sie sowohl Abstand vom Militär als auch von der LGBTIQ+-Gemeinschaft genommen haben. Wer sich bei uns meldet, erhält vollständige Vertraulichkeit. Wir sind entschlossen, Ihren Stolz und Ihre Würde im Dienst wiederherzustellen.“ Laut Schätzungen könnten insgesamt bis zu 4.000 Menschen vom damaligen Militärverbot betroffen gewesen sein.

Das Verteidigungsministerium erklärte dazu weiter: „Wir sind verpflichtet, diese Fehler wiedergutzumachen – sowohl durch finanzielle Leistungen als auch durch nicht-finanzielle Maßnahmen für Betroffene.“ Neben finanziellen Zahlungen sind auch symbolische Wiedergutmachungen möglich, darunter die Rückgabe von Auszeichnungen oder ein sogenanntes „Etherton Ribbon“. Karen Usher erklärte, diese Maßnahmen hätten ihr geholfen: „Ich habe das Gefühl, dass unsere Dienste endlich anerkannt werden. Ich kann endlich stolz sagen, dass ich Veteranin bin.“

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