Direkt zum Inhalt
Entschädigung von Veteranen
ANZEIGE

Entschädigung von Veteranen Homosexuellen Soldaten in England werden Zahlungen verweigert

ms - 20.02.2026 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Der Umgang mit schwulen und lesbischen Soldaten in der britischen Armee ist ein unrühmliches Kapitel der Geschichte des Vereinigten Königreichs – und offenbar scheint sich die Missachtung von damals bis heute in Teilen weiter fortzusetzen. Eine Gruppe von homosexuellen Veteranen, die unter dem ehemaligen „Schwulenverbot“ aus den britischen Streitkräften entlassen wurden, hat jetzt dem britischen Verteidigungsministerium (MOD) mit rechtlichen Schritten gedroht. Trotz der Entscheidung von 2024, Entschädigungszahlungen zu leisten, bleiben diese bis heute teilweise aus. 

Klage gegen Verteidigungsministerium

Hintergrund sind Berichte, wonach mehrere Antragsteller vom Finanzanerkennungsprogramm (FRS) abgelehnt wurden. Dieses Programm sollte denjenigen helfen, die aufgrund des Verbots, das bis zum Jahr 2000 in Kraft war, benachteiligt wurden. Laut der  homosexuellen Veteranenorganisation „Fighting with Pride“ wurden rund 40 ehemalige Soldaten, die behaupten, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aus dem Militär gedrängt worden zu sein, die Entschädigungszahlungen verweigert. Die betroffenen Veteranen erwägen nun, das Verteidigungsministerium vor das High Court zu bringen.

Zwei der betroffenen Veteranen, Steve Stewart und Mark Shephard, haben bereits rechtliche Schritte eingeleitet und werden von der Anwaltskanzlei Irwin Mitchell vertreten. Stewart, der aus dem Südwesten Englands stammt, diente sieben Jahre als Korporal in der Royal Military Police der British Army, bevor er 1995 nach einer Verhaftung im Zusammenhang mit dem „Schwulenverbot“ ausschied. Shephard war von 1995 bis 2001 in der RAF als Flugzeugmechaniker tätig und gibt an, er sei nach einer Befragung zu seiner Sexualität zu einer „freiwilligen Entlassung“ gedrängt worden.

Große Enttäuschung unter Veteranen

Ed Hall, Vorsitzender von „Fighting with Pride“, zeigte sich enttäuscht, dass einige Veteranen, die dem Land gedient haben, trotz der Bemühungen, historische Ungerechtigkeiten zu korrigieren, vom Programm jetzt wieder ausgeschlossen werden. „Es ist tief enttäuschend, so weit auf dem Weg zu sein, die Fehler der Geschichte zu korrigieren, nur damit eine Minderheit von mutigen Männern und Frauen, die unserem Land gedient haben, von einem Programm abgewiesen wird, das dazu gedacht war, die Ungerechtigkeiten zu beheben, die sie erlitten haben“, sagte Hall.

„Viele unserer Veteranen wurden einfach dafür bestraft, wer sie sind und wen sie lieben“, fügte er hinzu. Hall betonte, dass das Programm eine Chance für die Regierung sei, sich auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen und appellierte an die Regierung, die Ungerechtigkeit zu adressieren, mit der die betroffenen Veteranen konfrontiert sind.

Hall erklärte auch, dass die beiden Veteranen, die den Fall anführen, eindeutig unter die Bestimmungen des Entschädigungsprogramms fallen. „Es ist absolut klar, dass Steve und Mark aufgrund des illegalen Schwulenverbots aus den Streitkräften gedrängt wurden. Sie sind genau die Art von Menschen, die das Programm abdecken soll“, so Hall.

Licht und Schatten 

Obwohl Hall anerkannte, dass viele Veteranen positive Erfahrungen mit dem Entschädigungsprogramm gemacht haben, wies er darauf hin, dass es auch nach wie vor Probleme gebe. „Hunderte von Menschen, die vom Verbot betroffen waren, haben positive Erfahrungen mit dem Programm gemacht, aber leider nicht alle. Es ist traurig, dass einige Fälle von offensichtlicher Ungerechtigkeit im Entschädigungsprozess aufgetaucht sind“, sagte er. Die homosexuelle Veteranenorganisation werde weiterhin alle Veteranen unterstützen, die vom Verbot betroffen sind. „Wir hoffen, dass die Regierung die Gelegenheit ergreift, das Programm zu überprüfen und mit uns zusammenzuarbeiten, um das Richtige zu tun, bevor es zu spät ist“, so Hall.

Langer Weg der Wiedergutmachung

Das Finanzanerkennungsprogramm wurde im Dezember 2024 eingeführt, nachdem jahrelange Kampagnen von Veteranen und Wohltätigkeitsorganisationen für eine Anerkennung der durch das „Schwulenverbot“ verlorenen Karrieren und Renten erfolgreich waren. Im Juli 2023 entschuldigte sich der damalige Premierminister Rishi Sunak offiziell für das „erschreckende Versagen des britischen Staates“, und im Oktober 2025 enthüllte König Charles III. ein Denkmal im National Memorial Arboretum, um LGBTIQ+-Dienstmitglieder zu ehren.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polen blockiert Homo-Ehe

Streit mit der EU wächst massiv

Polnische Gerichte streiten erneut über die Anerkennung gleichgeschlechtlicher EU-Ehen, während auch die Slowakei in einen Konflikt mit der EU gerät.
Weltmeister im Fokus

Spekulationen um Ibiza-Küsse

Neue Ibiza-Fotos von Ferran Torres und Marcos Llorente lösen Spekulationen aus – die beiden spanischen WM-Weltmeister flirten und küssen sich dabei.
Nackte setzen Zeichen

Regenbogen-Kunst für Vielfalt

Hunderte Menschen bildeten auf Gran Canaria nackt eine Progress-Pride-Flagge – als Kunstwerk für Vielfalt und Zeichen der Solidarität mit Berlin.
Boy George sorgt für Kritik

Umstrittener neuer Song

Boy George veröffentlichte ein pro-israelisches Lied über den Hamas-Angriff und löst damit jetzt heftige Kritik aus.
Mehr Hass im Stadion

Homophobie nimmt zu

Eine neue Statistik zeigt: Bei fast 15 Prozent der britischen Premier-League-Fußballspiele wurden in der Saison 2025/26 homophobe Vorfälle gemeldet.
CSD Nürnberg findet statt

Sicherheitskonzept erneut überprüft

Trotz der Amokfahrt in Berlin findet der CSD Nürnberg 2026 wie geplant statt – das Sicherheitskonzept wurde jetzt überprüft und nachgeschärft.
Umfragehoch für Buttigieg

Der Weg ins Weiße Haus?

Neue Umfragen sehen den schwulen Politiker Pete Buttigieg bei den möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 2028 vorn.
Online-Verbote in Österreich

Social-Media-Grenze für Jugendliche

Österreich plant ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige – Fachverbände warnen vor besonderen Risiken für queere Jugendliche.
Proteste in Hamburg

Trans* Block plant Die-In

Beim CSD Hamburg wollen trans* Menschen und Sexarbeiter mit einem Die-In auf Gefahren, politische Forderungen und Versorgungslücken hinweisen.