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Haftstrafe für LGBTIQ+-Aktivistin
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Haftstrafe für Aktivistin Schock nach Urteil über zweieinhalb Jahre Gefängnis in Marokko

ms - 12.09.2025 - 11:00 Uhr
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Ein Gericht in Marokko hat die LGBTIQ+-Aktivistin und Feministin Ibtissam Betty Lachgar (50) zu einer Haftstrafe von 30 Monaten verurteilt – ihr Vergehen: Sie trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Allah ist lesbisch“ und stellte das Bild bei Instagram online.

Beleidigung des Islams 

Nach Einschätzung der Richter habe Lachgar damit gegen das marokkanische Strafgesetzbuch verstoßen, das Beleidigungen der Monarchie oder des Islams verbietet. Nebst ihrer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren muss die Aktivistin außerdem eine Geldstrafe von umgerechnet rund 4.800 Euro bezahlen, wie ihr Anwaltsteam jetzt mitteilte. Während der Anhörung hatte Lachgar ein Kopftuch getragen und wirkte nach Angaben der Deutschen Welle erschöpft.

Die 50-Jährige erklärte vor Gericht, dass die Botschaft auf ihrem T-Shirt politischer Natur gewesen sei und sie nicht die Absicht gehabt habe, den Islam zu beleidigen. Rechtsanwalt El Guellaf hatte zudem bekräftigt: „Gott gehört nicht nur den Muslimen, sondern auch den Christen und Juden. Ich sehe in dieser Veröffentlichung keine Beleidigung des Islam. Ich bin selbst Muslim und fühle mich dadurch nicht beleidigt.” Diese Einschätzung teilten die Richter nicht. Hakim Sikouk, Präsident der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte, bezeichnete das Urteil als „schockierend” und als „Angriff” auf die Meinungsfreiheit.

Im Online-Post hatte Lachgar noch erklärt, der Islam sei wie „jede religiöse Ideologie“ faschistisch und frauenfeindlich. Der Beitrag verbreitete sich wie ein Lauffeuer und die 50-Jährige bekam daraufhin massenhaft Vergewaltigungs- und Morddrohungen sowie Aufrufe zur Steinigung. Das Anwaltsteam von Lachgar will jetzt in Berufung gehen und betonte, dass das Tragen des T-Shirts unter die Meinungsfreiheit falle. Zudem sei die Anklage selbst verfassungswidrig.  

Kampf für Gleichberechtigung 

Lachgar ist Psychologin und setzt sich seit Jahren für die Rechte von Frauen und LGBTIQ+-Menschen ein. Zudem fordert sie die Entkriminalisierung von Sex außerhalb der Ehe. Vor mehr als zehn Jahren organisierte sie eine Kundgebung vor dem Parlament, bei der sich Paare küssten, um ihre Solidarität mit zwei unverheirateten Teenagern zu bekunden, die wegen Unzucht angeklagt worden waren, weil sie sich geküsst und ein Bild davon bei Facebook online gestellt hatten. Homosexualität wird bis heute in Marokko kriminalisiert; Versuche, den Passus der „unzüchtigen oder unnatürlichen Handlungen“ zwischen gleichgeschlechtlichen Personen aus dem Strafgesetzbuch zu streichen, scheiterten bisher. 

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