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Große Trauer in Tucson Mahnwache mit rund 1.000 Menschen, Angehörige warnen vor Hass

Von ms - 07.09.2026 - 10:30 Uhr
Große Trauer in Tucson
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
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Rund 1.000 Menschen haben jetzt in Tucson im US-Bundesstaat Arizona bei einer Gedenkveranstaltung um zwei schwule Männer getrauert, die bei einem Hassverbrechen vor einer Schwulenbar getötet wurden. Vincent Anthony Siqueiros (✝42) und Cameron Davis Capara (✝33) waren vor der Bar Venture-N erschossen worden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zwei schwule Männer, Vincent Anthony Siqueiros und Cameron Davis Capara, wurden vor der Bar Venture-N in Tucson erschossen.
  • Die Polizei stuft die Tat als gezielten Angriff aus Hass auf die LGBTIQ+-Community ein.
  • Der mutmaßliche Täter Ousman Ceesay starb durch eine selbst zugefügte Schussverletzung.
  • Bei ihm wurde eine Liste weiterer schwulenfreundlicher Geschäfte sowie eine Anti-LGBTIQ+-Botschaft gefunden.
  • Rund 1.000 Menschen kamen zu einer Gedenkveranstaltung zusammen.
  • Angehörige und Freunde erinnerten an die Opfer und warnten vor der Rolle von Sprache, Vorurteilen und gesellschaftlichem Hass.

Polizei bestätigt Hassverbrechen 

Die Polizei bestätigte nach mehreren Tagen der Ermittlungen jetzt, dass es sich um einen gezielten Angriff aus Hass auf die LGBTIQ+-Gemeinschaft handelte. Der mutmaßliche Täter Ousman Ceesay (✝44) hatte nach Angaben der Polizei zuvor keine Verbindung zu den beiden Opfern. Er war erst vor kurzem in die Region Tucson gezogen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler eine Notiz, aus der nach Angaben der Polizei hervorging, „dass er allein gehandelt hatte und dass die Schießerei ein gezielter Angriff war, der durch Hass auf die LGBTIQ+-Gemeinschaft motiviert war“. Ceesay hatte zudem eine Liste mit weiteren Geschäften bei sich, die von der LGBTIQ+-Gemeinschaft frequentiert werden.  Die Polizei nahm Kontakt zu den genannten Geschäften auf und erklärte, es gebe keine aktuelle Bedrohung für die LGBTIQ+-Community in Tucson.

Siqueiros und Capara hielten sich gegen 0.30 Uhr am Montagmorgen letzter Woche auf dem Parkplatz des Venture-N auf, als sie von Ceesay angegriffen und erschossen wurden. Der Täter betrat die Bar nicht. Anschließend erschoss er sich mit einer 9-Millimeter-Pistole. Siqueiros und Capara starben noch am Tatort, Ceesay wurde später im Krankenhaus für tot erklärt. Nach Angaben der Polizei hatte er keine Vorstrafen und durfte legal eine Schusswaffe besitzen.

Gedenken an die Opfer

Bei der Gedenkveranstaltung im Catalina Park erinnerten Angehörige, Freunde und Mitglieder der LGBTIQ+-Gemeinschaft jetzt an die beiden Männer. Polizisten waren bei der Mahnwache ebenso anwesend. Kerzen in Regenbogenfarben, Blumen und Fotos zu Ehren der Opfer wurden an der Außenwand des Venture-N angebracht. Die LGBTIQ+-Community von Tucson forderte zugleich ein Ende von Hass und queerfeindlicher Rhetorik. Die Organisation Tucson Queerstory bezeichnete das Venture-N als „einen sicheren Anlaufpunkt“ für die Community von Tucson und rief dazu auf, die Bar bei ihrer geplanten Wiedereröffnung zu unterstützen. „Tucson ist seit Langem für seine einladende Atmosphäre und seine starke queere Gemeinschaft bekannt. Ein weiteres Hassverbrechen zu dieser Geschichte hinzuzufügen, ist herzzerreißend“, erklärte die Organisation.

Schwester betont frühen Hass 

Angehörige der Opfer betonten, LGBTIQ+-Menschen müssten offen leben können, ohne Angst vor hasserfüllten Angriffen haben zu müssen. Kate Márquez, die Schwester von Siqueiros, sagte: „Das verlangt etwas von jedem Einzelnen von uns, denn Hass beginnt nicht mit einer Waffe. Er beginnt viel früher. Unsere Rhetorik ist von Bedeutung, die Witze sind von Bedeutung, die Worte, die wir entschuldigen, sind von Bedeutung, Schweigen ist von Bedeutung, und die Art, wie wir Menschen lieben, ist wichtig.“

Caparas Vater Jeff Capara erinnerte an die Anteilnahme seines Sohnes für andere Menschen und an das, was dieser noch hätte bewirken können. „Er kümmerte sich zutiefst um Menschen in Tucson oder um Menschen, die Tausende Kilometer entfernt waren. Um Menschen, die marginalisiert, übersehen oder missverstanden wurden“, sagte er und betonte überdies: „Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit mit Cameron gehabt, ich wünschte, ich hätte sehen können, wohin sein Leben ihn geführt hätte … welche Fotos er gemacht hätte, welchen Menschen er geholfen hätte und was er mit seinem riesigen Herzen noch alles getan hätte.“

Freunde erinnern an Opfer 

Auch Caparas Freunde erinnerten an den 33-Jährigen. Seine beste Freundin Alli Lee sagte dem PBS-Sender AZPM, sie sei stolz darauf gewesen, dass Capara bei Protesten und Kundgebungen für Menschen eingetreten sei, die Opfer von Hass geworden seien. „Ich war immer so stolz darauf, dass Cameron bei jedem Protest und jeder Kundgebung draußen auf der Straße war und sich für diejenigen einsetzte, die Opfer von Hass waren. Er hätte niemals einfach den Kopf in den Sand gesteckt oder mit dieser Doppelmoral gelebt. Er war voller Empathie und lebte ohne Heuchelei.“ Auch Menschen aus der Venture-N-Gemeinschaft beschrieben beide Männer als selbstbewusst und unabhängig. Brian King, ein Freund von Siqueiros und Capara, sagte: „Sie waren wirklich sie selbst. Sie versuchten nicht, jemand anderes zu sein, sie passten sich nicht an, sie schmeichelten niemandem. Sie mochten, wer sie waren, und deshalb mochten die Menschen sie, weil sie sich in ihrer Haut wohlfühlten – man weiß, wenn jemand das nicht tut, besonders an einem Ort wie diesem.“

Alexis McCants, eine Freundin und Kollegin von Siqueiros, sagte, sie habe zunächst nicht glauben können, dass er tot sei. „Ich verstehe nicht, warum jemand so etwas tun könnte, geschweige denn einer so außergewöhnlichen Person“, sagte sie dem Sender KOLD. Siqueiros sei für sie wie ein älterer Bruder gewesen. Sie hätten viele Geburtstage und Feiertage miteinander verbracht. Besonders schwer sei für sie, dass die Tat ausgerechnet am Venture-N geschah, seinem Lieblingslokal. Adam Blanchette, ein Freund Caparas, sagte KOLD, der 33-Jährige sei für ihn und seine Frau wie ein Bruder gewesen. Capara sei der Fotograf und Trauzeuge bei ihrer Hochzeit gewesen. „Er war ein so freundlicher und fürsorglicher Mensch; er hat niemals jemanden dafür verurteilt, wer er war. Er glaubte wirklich an das, wofür er kämpfte, und an alles, was er für die Rechte getan hat, vor allem in Arizona“, sagte Blanchette.

Vereint im Kampf für Rechte

Tucson Queerstory rief dazu auf, sich daran zu erinnern, „dass wir einander brauchen und die allgemeine Gemeinschaft daran zu erinnern, dass wir in unserem Recht auf Existenz vereint sind“. Die Familien von Capara und Siqueiros dankten für die Anteilnahme und erklärten, sie seien „überwältigt von der Zuneigung“, die ihnen entgegengebracht worden sei. Die Southern Arizona AIDS Foundation erinnerte daran, dass Orte wie das Venture-N Räume für Freundschaft, Wahlfamilie, Sicherheit und Zugehörigkeit seien. Sie anzugreifen, bedeute, eine ganze Gemeinschaft anzugreifen.

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