Direkt zum Inhalt
Gewalteskalation in Hamburg
ANZEIGE

Gewalteskalation in Hamburg Die Hansestadt liegt noch über dem deutschlandweiten Trend beim Anstieg von Hassverbrechen gegen LGBTI*-Menschen

ms - 30.05.2024 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Die Hasskriminalität gegenüber LGBTI*-Menschen ist in Deutschland zuletzt im Jahr 2023 um 65 Prozent angestiegen – noch dramatischer zeichnet sich die Lage jetzt in Hamburg ab. In der Hansestadt stiegen die Fallzahlen im vergangenen Jahr um 75 Prozent an. 

Drei Angriffe jeden Tag

Der Senat erklärte so auch folgerichtig als Antwort auf die Anfrage des Hamburger Grünen-Abgeordneten Farid Müller: „Es handelt sich dabei um einen bundesweiten Trend.“ Während die Fälle von Raub und Körperverletzung auf einem hohen Niveau gleich geblieben sind, haben 2023 vor allem Bedrohungen und Beleidigungen sowie auch Volksverhetzungen deutlich zugenommen.

Insgesamt registrierte die Hamburger Polizei im Bereich LGBTI* offiziell 98 Fälle von Hasskriminalität – die tatsächlichen Fallzahlen dürften sich auf rund 1.000 Fälle summieren. 90 Prozent der Straftaten werden von LGBTI*-Menschen in Deutschland gar nicht erst zur Anzeige gebracht (Studie EU-Grundrechteagentur 2024). Statistisch gesehen kommt es also zu rund drei Angriffen auf LGBTI*-Menschen pro Tag in der Hansestadt. 

Hotspot dabei ist die Region rund um St. Pauli – jede vierte schwere Körperverletzung gegen Homosexuelle wird hier registriert. Zu weiteren Körperverletzungen kam es in den Bezirken Barmbek-Nord, Wilhelmsburg, St. Georg und Winterhude.

„Absolut inakzeptabel“

Der Bürgerschaftsabgeordnete Müller erklärte dazu gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Der dramatische Anstieg der queerfeindlichen Straftaten in Hamburg ist ein alarmierendes Spiegelbild der gesellschaftlichen Stimmung. Die Grenzen des Sag- und Machbaren verschieben sich zunehmend, was vor allem für Minderheiten schlimme Konsequenzen hat. Das ist nicht nur erschreckend, sondern auch absolut inakzeptabel. Obwohl wir in unserer Stadt die Aufklärungsmaßnahmen in Schulen ausgebaut und auch eine bessere Sensibilisierung der Polizei auf den Weg gebracht haben, verschärft sich die Lage weiter.“

Müller fordert daher noch mehr Polizeipräsenz und auch mehr Initiative seitens der Bevölkerung: „Wir müssen das Bewusstsein für Zivilcourage jetzt noch energischer stärken und offen darüber diskutieren, wie wir Opfer besser schützen und die Lage in den Hotspots entschärfen können (…) Hamburg muss ein sicherer Ort für alle Menschen sein, für Hass und Intoleranz darf es hier keinen Millimeter Platz geben.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kritik an der US-Polizei

Queere Menschen im Fokus?

Eine neue Studie offenbart: In Kalifornien werden Menschen, die als trans* wahrgenommen werden, häufiger von der Polizei durchsucht und festgenommen.
Aktivisten verlassen Kamerun

Community massiv unter Druck

In Kamerun bedrohen Exil, Erschöpfung und sinkende Fördermittel die Strukturen der LGBTIQ+-Community und ihre bisherigen Erfolge.
Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.
Spaltung der Community

Kritik an Log Cabin Republicans

Der einstige LGBTIQ+-Verein Log Cabin Republicans in den USA will künftig nur noch LGB-Interessen vertreten und stößt damit auf scharfe Kritik.