Direkt zum Inhalt

Florida vs. LGBTI*-Community Eine halbe Million LGBTI*-Menschen wollen Wähler gegen DeSantis mobilisieren

Von ms - 04.08.2022 - 10:00 Uhr
Hat sich der homophobe Gouverneur verspekuliert?
Foto: IMAGO / ZUMA Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Ron DeSantis kann unbestritten als ein Gegner der LGBTI*-Community definiert werden – der Gouverneur aus Florida hat in diesem Jahr ohne Rücksicht auf Verluste sein neues Gesetz mit dem umgangssprachlichen Titel “Don´t Say Gay“ durchgedrückt, welches alle LGBTI*-Themen an Schulen verbietet und sogar Lehrern untersagt, über Homosexualität zu sprechen oder auch nur Symbole wie die Regenbogenflagge zu zeigen. Erst vor wenigen Tagen bekräftigte das Bildungsministerium im Namen des Gouverneurs dann auch, dass sich die Schulleitungen strikt an die Vorgaben zu halten haben, selbst dann, wenn andere, landesweite Diskriminierungsgesetze dem zuwiderlaufen würden.

Warum? DeSantis gilt mehr denn je als heißer Kandidat für die Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren, er positioniert sich immer mehr als Vorzeige-Republikaner, jung, agil, konservativ und willensstark. Eine erste Vorentscheidung dürfte es bei den Zwischenwahlen im November dieses Jahres geben – und genau hier könnte sich DeSantis am Ende verspekuliert haben. Die LGBTI*-Organisation GLAAD präsentierte jetzt die neusten Ergebnisse einer Umfrage unter queeren Menschen aus Florida – sie wollen die Situation nicht schweigend hinnehmen und machen jetzt innerhalb wie außerhalb der Community massiv mobil, sodass DeSantis im Herbst eine krachende Niederlage erleiden soll. 77 Prozent der Befragten sind sich so auch sicher, dass die Wahl in diesem Jahr wichtiger denn je ist, weil "grundlegende Menschenrechte für Frauen und LGBTI*-Menschen aus Florida von den gewählten Vertretern, die derzeit die Regierung Floridas leiten, ausgehöhlt werden". Nebst dem “Don´t Say Gay“-Gesetz bedrohen auch weitere Richtlinien und neue Gesetzentwürfe die grundsätzlichen Bürgerrechte – auch trans-Menschen sind davon betroffen. Kürzlich hat das Gesundheitsministerium des Bundesstaates einen Vorschlag zur Änderung der Medicaid-Bestimmungen veröffentlicht, der vorsieht, geschlechtsspezifische Behandlungen ganz aus dem Programm zu streichen.

Die Summe der Angriffe auf Frauen und LGBTI*-Menschen ist es dann auch, die DeSantis zum Verhängnis werden könnte. In Florida gibt es mehr als eine Million LGBTI*-Menschen (rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung), eine sehr mächtige Gruppe von Wählerstimmen, bedenkt man zudem, dass DeSantis bei der letzten Wahl im Jahr 2018 gerade einmal mit einer Mehrheit von nur 32.000 Stimmen gewann. Die zuständigen Ministerien bestätigten jetzt auch, dass insgesamt erstmals mehr als 14 Millionen Menschen sich als Wähler in Florida registrieren haben lassen – mehr als jemals zuvor.  Die Stimmung ist also definitiv aufgeheizt. Zudem bestätigte die GLAAD-Umfrage auch, dass die Mehrheit aller Einwohner von Florida der Auffassung ist, dass sich die neuen Gesetze negativ auf queere Kinder und Eltern auswirken würden. Nach den jüngsten Restriktionen gaben die Teilnehmer der GLAAD-Umfrage auch an, dass die Wiederherstellung der Abtreibungsrechte und der Schutz von LGBTI*-Einwohnern für sie die wichtigsten Themen seien. Hohe Wohnungskosten, Inflation und Waffensicherheit waren weitere Anliegen der befragten Wähler.

"Floridas LGBTI*-Wähler und verbündete Wähler sind sehr besorgt über ihre grundlegenden Menschenrechte, einschließlich des Zugangs zur Abtreibung, der Redefreiheit und einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung für LGBTI*-Jugendliche. Die Ergebnisse der Umfrage deuten darauf hin, dass LGBTI*- und verbündete Wähler tatsächlich in der Lage sind, im November in Florida den Ausschlag zu geben, wenn das Gouverneursrennen ähnlich knapp ausfällt. Sie sind alle sehr motiviert, bei dieser entscheidenden Wahl etwas zu bewegen", so die GLAAD-Präsidentin Sarah Kate Ellis. Ihr Kollege, der Pressesprecher von Equality Florida, Brandon Wolf, bekräftigte zudem: "Es steht so viel auf dem Spiel wie nie zuvor: Unsere bürgerlichen Freiheiten, der Fortschritt, den wir erreicht haben, und unsere Demokratie selbst stehen auf dem Spiel. Es ist zwingend notwendig, dass die Einwohner von Florida die Macht ihrer Stimmen nutzen, um Gouverneur DeSantis und seine rechten Verbündeten für den Hass und die Bigotterie, die sie in unserem Staat entfesselt haben, zur Verantwortung zu ziehen."

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostFU Berlin: Immer wieder Hakenkreuze und queerfeindliche AttackenDER STANDARDBirgit Minichmayr, die ergebene Zofe der "Blutgräfin"Berliner MorgenpostProfi-Volleyballer aus Japan outet sich: „Ich hatte seit meiner Kindheit Angst“DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung