Direkt zum Inhalt

Erfolg bei Cold Case Mordfall aus der Community nach 42 Jahren aufgeklärt

Von ms - 24.11.2025 - 11:30 Uhr
Erfolg bei Cold Case
Foto: iStock / spxChrome
ANZEIGE
Loading audio player...

Fast 43 Jahre nach dem Mord an einem Sexarbeiter in Hamburg hat die Polizei jetzt einen Tatverdächtigen ermittelt. Der heute 61-jährige Mann wurde nun im Stadtteil Finkenwerder von Zielfahndern festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen führten zur Aufklärung eines der ältesten ungelösten Kriminalfälle, den die Cold Case Unit der Polizei Hamburg je bearbeitet hat.

Jahrzehntelange Unklarheit

Am 11. Januar 1983 wurde ein 41-jähriger Sexarbeiter in seinem Wohnwagen im Hamburger Stadtteil Hammerbrook erschossen. Der Täter konnte damals fliehen und trotz intensiver Ermittlungen blieb der Fall ungelöst. Erst als die Cold Case Unit des Landeskriminalamts (LKA) die Ermittlungen übernahm, wurden die gesicherten Spuren aus der Tatnacht mit moderner Kriminaltechnik erneut analysiert. Eine DNA-Spur führte schließlich zur Identifizierung des Tatverdächtigen, der zur Tatzeit erst 19 Jahre alt gewesen war. Nach intensiven Ermittlungen erließ die Staatsanwaltschaft daraufhin einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Verdächtigen und beantragte Haftbefehl. 

Fortschritte bei Cold Cases

Der Fall ist nicht der einzige Cold Case, der in Hamburg durch moderne DNA-Technologie aufgeklärt werden konnte. Zwei Jahre zuvor führte ein DNA-Treffer zur Festnahme eines Mannes in Großbritannien, der im Oktober 2023 im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod eines Blumenhändlers in Hamburg-Horn festgenommen worden war. Der Fall, der mehr als 32 Jahre zurückliegt, wurde jedoch 2024 vom Landgericht Hamburg abgeschlossen. Der Angeklagte wurde vom Mordvorwurf freigesprochen, da die nötigen Tatmerkmale für eine Mordverurteilung nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Stattdessen kam nur noch Totschlag in Betracht, doch auch dieser verjährt nach 20 bis 30 Jahren.

Alte Fälle, neuste Technik 

Die Cold Case Unit des Hamburger LKA hat derzeit noch etwa 460 ungelöste Fälle zu bearbeiten. Diese betreffen vor allem vollendete oder versuchte Tötungsdelikte sowie Vermisstenfälle, bei denen die Polizei von einem Tötungsdelikt ausgeht. Die Polizei Hamburg betonte, dass die erneute Analyse von DNA-Spuren und anderen Beweismitteln einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung des Mordes an dem Sexarbeiter geleistet hat. Die Cold Case Unit, die sich auf das Aufarbeiten von Altfällen spezialisiert hat, verfolgt bei der Lösung dieser Fälle eine beharrliche und systematische Vorgehensweise. Trotz des Fahndungserfolgs bleibt die Polizeiarbeit bei Cold Cases oft eine schwierige und langwierige Aufgabe. Besonders bei Fällen, in denen die Beweislage dünn oder die Tatzeit weit zurückliegt, gestaltet sich die Aufklärung als herausfordernd. 

Wichtig für Betroffene – und die Community

Für viele der betroffenen Familien und Angehörigen ist die Aufklärung eines Cold Cases ein langer, schmerzhafter Prozess. Die Hoffnung auf eine Lösung bleibt jedoch und jeder neue Fahndungserfolg sendet ein starkes Signal: Es gibt immer noch Chancen, auch nach Jahrzehnten der Ungewissheit Gerechtigkeit zu finden.

Der Erfolg der Cold Case Unit ist nicht nur ein rechtlicher, sondern auch ein symbolischer Sieg, gerade auch wenn es wie hier um einen schwulen Sexarbeiter aus der Community geht. Die Ermittlungen der Polizei zeigt dabei auf, dass Gerechtigkeit für alle Opfer, unabhängig von ihrem sozialen Status, möglich ist. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Frankfurter Allgemeine ZeitungGriechenland: Zwölf Migranten bei zwei Bootsunglücken ums Leben gekommentazDurchsuchung in Berlin-Kreuzberg: Polizei razzt queeres ZentrumBerliner Morgenpost„Hormone für alle“: Spontane Versammlung nach LKA-Durchsuchung in KreuzbergWDRQueere Menschen wollen kein Feindbild seinAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

LGBTIQ+-Schutz in der Ukraine

Queere Community bleibt skeptisch

Die Ukraine plant einen besseren Schutz von LGBTIQ+-Menschen. Doch frühere Gesetzesvorhaben und fehlende Partnerschaftsrechte sorgen für Zweifel.
Israel wählt neue Knesset

LGBTIQ+-Rechte unter Druck

Vor der Parlamentswahl in Israel stehen die Zukunft Netanjahus, der Krieg in Gaza und der Schutz von LGBTIQ+-Menschen im Mittelpunkt.
Scharfe Kritik von UN-Experten

Angriffe auf LGBTIQ+ in der Türkei

18 UN-Menschenrechtsexperten verlangen ein Ende der Maßnahmen gegen LGBTIQ+-Aktivisten in der Türkei und warnen vor Einschränkungen der Grundrechte.
Urteil gegen Moldau

EU-Gerichtshof verhängt Geldstrafe

Moldau muss eine LGBTIQ+-Organisation entschädigen, weil Behörden einen Pride-Marsch nach Drohungen von Gegnern eingeschränkt hatten.
Viel Widerstand in Berlin

Rot-Grün-Rote Koalitionspläne

In Berlin wollen Linke, Grüne und SPD gemeinsam regieren. Doch Kritik aus der Bundes-SPD belastet die Gespräche über das Bündnis.
Triumph in Roanne

Mika Brunold dreht das Finale

Mika Brunold gewinnt in Roanne nach Satzrückstand. Für den offen schwulen Schweizer ist es der zweite Challenger-Titel in gut einem Monat.
Keine Scham im Wahlkampf

Gallant kontert den Fotowirbel

Alte Fetischfotos sollten Chris Gallant schaden. Jetzt setzt der schwule US-Kandidat auf Offenheit – und einen frechen Wahlkampfslogan.
177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.