Appell von FIFA-Direktor Bryan Swanson verteidigt Kooperation mit Anti-LGBTIQ+-Ländern
Bryan Swanson, der schwule Direktor für Medienbeziehungen der FIFA, hat sich jetzt für einen Dialog mit Ländern ausgesprochen, die homosexuelle Beziehungen kriminalisieren, anstatt diese Staaten durch Boykotte zu isolieren. Dabei reflektierte Swanson über seine persönlichen Erfahrungen als schwuler Mann in der FIFA und stellte infrage, ob Boykotte der richtige Weg sind, um die Rechte der LGBTIQ+-Community im weltweiten Fußball zu fördern.
Outing vor Katar
Die FIFA geriet in den letzten Jahren immer wieder massiv in die Kritik, zuletzt aufgrund der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2034 nach Saudi Arabien – einem Land, in dem schwulen Männern bis heute die Todesstrafe droht. Im Mittelpunkt steht dabei des Öfteren FIFA-Chef Gianni Infantino, der zuletzt auf Anbahnungskurs mit Russland ging.
Swanson gab jetzt bekannt, dass er seine sexuelle Orientierung öffentlich während einer Pressekonferenz vor der Weltmeisterschaft 2022 in Doha, Katar, bekannt machte. Katar, ein Land ebenso mit Haft- und Todesstrafen für Homosexuelle, stellte für die Community damals wie heute eine große Herausforderung dar. Trotz der schwierigen äußeren Umstände fand Swanson allerdings nach persönlicher Einschätzung innerhalb der FIFA ein „unterstützendes Umfeld“, das ihm geholfen habe, seine Identität zu leben.
Kritik an anderen Staaten
Der FIFA-Direktor stellte dazu die Frage: „Warum erwarten wir, dass der Fußball alle Probleme der Welt löst?“ Er kritisierte die Inkonsequenz von Regierungen und Organisationen, die einerseits die FIFA unter Druck setzen, sich für LGBTIQ+-Rechte einzusetzen, aber andererseits weiterhin wirtschaftliche Beziehungen zu Ländern unterhalten, die diese Rechte verletzen.
Swansons Haltung entspricht der wechselhaften Strategie der FIFA in den letzten Jahren. Die Organisation fördere nach eigener Aussage Inklusion und Respekt durch interne Netzwerke für LGBTIQ+-Mitarbeiter, Anti-Rassismus-Kampagnen und Partnerschaften mit Organisationen, die Vielfalt und Diversität im Sport unterstützen, knickte aber in der Vergangenheit immer wieder ein, wenn es um die Verteidigung der Menschenrechte ging. Laut Swanson seien die positiven Maßnahmen der FIFA allerdings durch Boykotte, die Länder mit Menschenrechtsverletzungen isolieren, stark gefährdet.
Seiner Meinung nach sind Dialog und direkte Zusammenarbeit mit diesen Staaten der effektivere Weg, um Veränderungen zu erreichen. Belege dafür gibt es indes nicht – die vielversprochene Verbesserung der Lage für Homosexuelle in Katar beispielsweise ist so nach der Fußballweltmeisterschaft 2022 im Emirat bis heute nicht eingetreten. Im Gegenteil sogar: Homosexuelle werden seitdem sogar verstärkt verfolgt als zuvor.