Direkt zum Inhalt

Endspurt Europawahl Richtungswahl für die LGBTI*-Community

Von ms - 19.04.2024 - 11:00 Uhr
Endspurt Europawahl
Foto: iStock / Veronaa
ANZEIGE
Loading audio player...

Wie der Bundeswahlausschuss in Wiesbaden jetzt mitteilte, wurden für Deutschland insgesamt 35 Parteien und politische Vereinigungen zur Europawahl im Juni zugelassen. Mehrere LGBTI*-Verbände beteuerten dabei zuletzt, wie wichtig es gerade für Homosexuelle und queere Menschen ist, in diesem Jahr wählen zu gehen. 

Drei neue Parteien 

Erstmals und neu mit dabei unter den Parteien sind drei Vereinigungen: Das „Bündnis Sahra Wagenknecht“, die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ sowie die „Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch“ – letztere wird als Ableger der türkischen Regierungspartei AKP eingestuft, auch wenn die Mitglieder dies selbst bestreiten. Klar dürfte sein, dass von dieser Partei kaum mehr Rechte für LGBTI*-Menschen zu erwarten sind.  

Am 9. Juni werden insgesamt 720 Mitglieder des Europäischen Parlaments neu gewählt, 96 davon kommen aus Deutschland. Anders als bei der Bundestagswahl gibt es bei der Europawahl keine sogenannte Sperrklausel, sodass es je nach Stimmenverteilung ausreichen kann, wenn ein Abgeordneter ein Prozent der Stimmen für sich gewinnen kann. 

Keine LGBTI*-Unterstützung mehr in der EU?

Die LGBTI*-Organisation Forbidden Colours warnte zuletzt vor einer dramatischen Neubesetzung des Europäischen Parlaments für die LGBTI*-Community – nach den jüngsten Prognosen könnten nach der Wahl 40 Prozent der EU-Abgeordneten LGBTI*-Rechte ablehnen, aktuell sind es „nur“ 27 Prozent. Gerade einmal gut die Hälfte der derzeit aktiven Parlamentsmitglieder (57%) hat in den letzten fünf Jahren sich stets für LGBTI*-Vorhaben ausgesprochen. 

Kommt es zu einem befürchteten Rechtsruck oder/und einer Umverteilung zu Ungunsten von LGBTI*-Menschen, dürften Projekte wie die 2020 beschlossene LGBTI*-Gleichstellungsstrategie der Europäischen Union vollends zum Erliegen kommen. Exekutiv Direktor Rémy Bonny von Forbidden Colours hatte dazu bekräftigt: „Wir werden kämpfen, um sicherzustellen, dass die aktuellen Prognosen widerlegt werden.“ 

Richtungswahl für die LGBTI*-Community

Dr. Jörg Hutter aus dem Bundesvorstand des LSVD+ hatte dazu erklärt: „Es geht um nichts weniger als um die Zukunft der europäischen Demokratie. Deshalb rufen wir die ganze Community, ihre Verbündeten und alle Demokrat*innen dazu auf, wählen zu gehen und nur die Parteien zu wählen, die sich glaubhaft für Gleichheit und Akzeptanz von LSBTIQ* in Europa einsetzen. Bei Menschenrechten von LSBTIQ* und anderen marginalisierten Gruppen darf es trotz des starken Gegenwinds von Rechten und Rechtsextremen keine Kompromisse geben.“ 

Gerade in der kommenden EU-Legislaturperiode brauche es einen umfassenden EU-Aktionsplan für Gleichberechtigung und einen besseren Schutz vor Diskriminierung und Hassverbrechen gegenüber LGBTI*-Menschen, so Hutter weiter.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.