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Eklat in Großbritannien

Eklat in Großbritannien Rechtskonservativer Politiker betont Nähe zwischen LGBTIQ+ und der Hamas

ms - 29.10.2025 - 12:00 Uhr
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Die Unterstellung einer Verbindung zwischen der LGBTIQ+-Community und der Terrororganisation Hamas sorgt in Großbritannien derzeit für Schlagzeilen und wütende Proteste von queeren Aktivisten. Ins Rollen gebracht wurde der Eklat von Reform-Politiker Danny Kruger.

Angst vor linkem Parteienbündnis 

Die rechtskonservative Partei Reform UK, einst als Anti-Brexit-Partei 2019 angetreten, hat sich in den letzten Jahren immer wieder als scharfer Kritiker der LGBTIQ+-Community positioniert. Nun sorgt die Partei aufgrund ihrer Wortwahl erneut für Aufsehen, von mehreren Politikern im Land wird inzwischen gefordert, dass sich Parteichef Nigel Farage für die „beschämenden und völlig inakzeptablen“ Äußerungen entschuldigt. 

Was war passiert? Der Abgeordnete Danny Kruger wechselte erst vor einem Monat von der Konservativen Partei zu Reform UK und hat dabei gleich mit einem Donnerschlag für landesweite Bekanntheit gesorgt. In einem Video wetterte er gegen die Vielzahl linker Parteien im Land, die nach seiner Meinung ein klarer Beleg dafür seien, wie „schlecht es um unser Land steht.“ Dann erklärte er: „Was mir Sorgen macht, ist, dass sie sich nach der nächsten Wahl zusammentun und eine Art entsetzliche, Hamas-unterstützende, LGBT-unterstützende nationalistische Partei gegen das Vereinigte Königreich bilden, die versucht, uns zurück in die EU zu bringen. All das sind Dinge, die das britische Volk immer wieder abgelehnt hat.“ 

Nähe zwischen Community und Hamas

Das Video ging kurze Zeit später viral, schnell wurde erste Kritik laut, doch Kruger bekräftigte auf Rückfrage seine Aussage erneut und erklärte in einer Pressekonferenz gestern in London: „Es gibt tatsächlich ein Kaleidoskop von Menschen, die einerseits ihre Überzeugung für die Rechte von Homosexuellen bekunden und andererseits ihre Unterstützung für die Hamas!“ Er fügte hinzu, er wolle damit „auf die unglaubliche Inkohärenz dieser Koalition“ hinweisen.

Es ist der zweite mediale Supergau für die Partei in kurzer Zeit, nachdem zuvor die Abgeordnete Sarah Pochin für eine erneute Rassismus-Debatte im Land gesorgt hatte, als sie erklärte, es mache sie „wahnsinnig“, dass die Werbung im Fernsehen „voll von schwarzen und braunen Menschen“ sei. Nun der nächste Schlag, dieses Mal gegen die queere Community. 

Spaltung und Populismus 

Für politische Kontrahenten ist die jüngste Sprachwahl der Parteimitglieder ein klares Signal dafür, dass Reform UK „Trumps Amerika zu Farages Großbritannien machen will.“ Der britische Arbeitsminister Sir Chris Bryant erklärte via X: „Jetzt verurteilt Danny Kruger also die Idee einer ‚LGBT-freundlichen‘ Regierung. Die Reform-Dinosaurier sind in voller Stärke unterwegs. Farage sollte sich dazu bekennen. Seine Partei wird von vorsintflutlichem Unsinn angetrieben und schürt damit wiederum Spaltung.“

Ein Sprecher der Liberaldemokraten sagte: „Die Äußerungen von Danny Kruger sind skandalös und völlig inakzeptabel. Die Abgeordneten von Nigel Farage vertreten eindeutig Ansichten, die völlig im Widerspruch zum modernen Großbritannien und seinen Werten stehen. Nigel Farage muss erklären, ob er diesen Äußerungen zustimmt.“ Der ehemalige konservative Premierminister Sir John Major warf Reform UK derweil „amateurhaften Populismus“ vor.

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