Cut der Uncut? US-Kulturkampf mit Bibelbegriffen rund um den Penis
Der rechtsgerichtete, landesweit bekannte Pastor und selbsternannte „Prophet“ Hank Kunneman hat die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA mit einem religiös aufgeladenen Kulturkampf verknüpft und sorgt derzeit für Schlagzeilen in den USA. Während eines Gottesdienstes griff der Geistliche unter anderem trans* Menschen, Muslime und andere von ihm als Außenseiter dargestellte Gruppen an – insbesondere haben es ihm dabei unbeschnittene Männer angetan.
Das Wichtigste im Überblick
- Der rechtsgerichtete Pastor und selbsternannte „Prophet“ Hank Kunneman warnt vor den US-Zwischenwahlen.
- Kunneman behauptet, „unbeschnittene, nicht im Bund stehende Menschen“ wollten die USA „stehlen“.
- Er verbindet seine Aussagen mit Angriffen auf trans* Menschen, den Islam und Frauen- und Männersport.
- Seine Argumentation vermischt biblische Begriffe mit aktuellen Themen der politischen Rechten.
- Kunneman vertritt die Vorstellung, die USA seien Jesus Christus gewidmet und gehörten dem Gott seines Bundes.
- In rechtsextremen christlich-nationalistischen Kreisen kursieren ähnliche Verschwörungserzählungen über Migration, LGBTIQ+-Menschen und gesellschaftliche Teilhabe.
Gefahr der „Unbeschnittenen“
Kunneman, der für die One Voice Ministries auftritt, sprach von „unbeschnittenen, nicht im Bund stehenden Menschen“, die versuchten, die Vereinigten Staaten zu „stehlen“. Wörtlich sagte er: „Ich werde nicht zulassen, dass unbeschnittene, nicht im Bund stehende Menschen versuchen, diese Nation zu stehlen, die Jesus Christus, dem Gott meines Bundes, gewidmet wurde!“ Damit stellte der Pastor die politische Auseinandersetzung um die Zwischenwahlen in einen religiösen Zusammenhang. Seine Wortwahl greift auf Begriffe aus der Bibel zurück und überträgt sie auf heutige politische Konflikte.
Kunneman forderte seine Anhänger außerdem dazu auf, gegen Menschen zu stimmen, die seiner Ansicht nach nicht in die traditionelle Geschlechterordnung passten. Er wandte sich gegen „diese Menschen, die in unsere Toiletten gehen und als Frau gekleidet sind, obwohl sie ein Kerl sind!“ Anschließend richtete sich seine Rede gegen Männer im Frauensport. Kunneman sagte: „Männer, raus aus dem Frauensport, ihr unbeschnittenen Philister!“ Kurz darauf bezog er auch den Islam in seine Argumentation ein: „Islam, diese Nation gehört dem Gott, mit dem wir im Bund stehen!“
Krude Verschwörungstheorien
Die Aussagen verbinden damit unterschiedliche Themen, die in der politischen Rechten der USA häufig Teil des Kulturkampfs sind: Trans* Menschen, Einwanderung, religiöse Identität und christlicher Nationalismus. Biblische Vorstellungen von Beschneidung und einem religiösen Bund werden dabei mit politischen Forderungen der Gegenwart vermischt. Die Argumentation weist zugleich einen offensichtlichen Widerspruch auf. Muslimische Männer sind üblicherweise ebenfalls beschnitten. Die Verbindung zwischen dem Begriff „unbeschnitten“ und dem Islam ergibt deshalb inhaltlich keinen Sinn – das scheint den Pastor aber nicht zu irritieren.
Hinter Kunnemans Aussagen steht die Vorstellung, die Vereinigten Staaten seien grundsätzlich eine christliche Nation, deren Zugehörigkeit von anderen Gruppen bedroht werde. Trans* Menschen, Muslime und weitere gesellschaftliche Gruppen werden dabei als politische Gegner dargestellt, gegen die sich Christen zur Wehr setzen müssten. Ähnliche Verschwörungserzählungen finden sich immer wieder im Umfeld weißer christlicher Nationalisten. Dort werden unter anderem Migration, Diversität, LGBTIQ+-Menschen und Programme für gesellschaftliche Gleichstellung als Bedrohung für Christen dargestellt. Die Vorstellung einer angeblichen „Verdrängung“ oder eines „Austauschs“ dient dabei als wiederkehrendes Motiv.
Jesus, der Schwulenfeind
Kunneman ist bereits früher mit umstrittenen und falschen Behauptungen aufgefallen. So behauptete er unter anderem, Jesus habe schwulenfeindliche Beleidigungen benutzt. Außerdem verbreitete er die inzwischen vielfach widerlegte Verschwörungserzählung, Schüler würden in Schulen Katzenklos benutzen, weil sie sich als Tiere identifizierten. Schulbezirke und Journalisten wiesen diese Behauptung zurück; in rechtsgerichteten Kreisen wurde sie dennoch weiter verbreitet.
Mit seiner jüngsten Rede weitet Kunneman den politischen Kulturkampf nun auf einen Begriff aus, der ursprünglich aus religiösen und biblischen Zusammenhängen stammt: die Beschneidung. Damit wird aus der bevorstehenden Wahl in seiner Darstellung ein Kampf darum, wer nach seiner Auffassung zu Amerika gehört. Die Botschaft richtet sich letztlich gegen verschiedene Gruppen, die Kunneman als Bedrohung für eine christlich geprägte amerikanische Gesellschaft darstellt. Die Zwischenwahlen erscheinen in seiner Argumentation deshalb nicht lediglich als politische Abstimmung, sondern als Entscheidung über die religiöse und gesellschaftliche Identität des Landes.