Direkt zum Inhalt

Buttigieg macht Druck Kein Bundesstaat in den USA soll verloren gehen

Von ms - 18.08.2026 - 08:30 Uhr
Buttigieg macht Druck
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Wenn Pete Buttigieg wirklich doch nicht für das Präsidentenamt kandidieren will, macht er derzeit wenig, um diesen Eindruck glaubwürdig zu untermauern. Der frühere US-Verkehrsminister ist im Wahlkampf unterwegs und unterstützt von ihm favorisierte Kandidaten. Das ist für einen möglichen Präsidentschaftsbewerber in dieser Phase des politischen Zyklus nicht ungewöhnlich. Auffällig ist jedoch, dass Buttigieg einen großen Teil seiner Zeit und Energie in Kandidaten für die Parlamente der Bundesstaaten investiert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Pete Buttigieg unterstützt zunehmend Kandidaten für die Parlamente der US-Bundesstaaten.
  • Der frühere Verkehrsminister und mögliche Präsidentschaftsbewerber will, dass die Demokraten von der erfolgreichen Strategie der Republikaner auf Staatsebene lernen.
  • Die Republikaner kontrollieren derzeit 28 Parlamente der Bundesstaaten, die Demokraten 18. 
  • Die Demokraten wollen ihre Parteistrukturen wieder in allen 50 Bundesstaaten stärken.
  • Die Strategie wird als Hinweis verstanden, wie eine mögliche Präsidentschaftskampagne Buttigiegs aussehen würde: Kein Bundesstaat soll vollständig aufgegeben werden.

Republikaner dominieren

Begonnen hat Buttigieg damit in seinem Heimatstaat Indiana. Offenbar arbeitet er zudem an einer Liste von Unterstützungen in weiteren Bundesstaaten. Buttigieg verweist dabei auf den Erfolg der Republikaner beim Aufbau politischer Macht auf Ebene der Bundesstaaten. Die Demokraten sollten davon lernen, sagte er dem Politikportal Politico: „Dies ist ein Bereich, in dem die Demokraten von den Republikanern lernen sollten, die über viele Jahre geduldig und geschickt Macht von der Ebene der Schulbehörden an aufwärts aufgebaut haben.“

Die Republikanische Partei hat ihre Kontrolle über die Parlamente der Bundesstaaten genutzt, um ihre politische Agenda voranzutreiben. Dazu gehören auch zahlreiche Maßnahmen gegen trans* Menschen sowie parteipolitisch motiviertes, sogenanntes Gerrymandering, also die gezielte Neuzuschneidung von Wahlkreisen zugunsten einer Partei. Der Oberste Gerichtshof hat solche Wahlkreiszuschnitte teilweise gebilligt. Die Parlamente der Bundesstaaten sind zudem ein wichtiges Sprungbrett für Politiker, die später auf Bundesebene Karriere machen wollen. Fast die Hälfte der derzeitigen Mitglieder des US-Kongresses waren zuvor Abgeordnete in einem Parlament eines Bundesstaates.

Rückstand wieder aufholen

Für die Demokraten ist der Aufbau neuer politischer Talente auch deshalb wichtig, weil ihre Parteiführung als überaltert gilt. Die Parlamente der Bundesstaaten bieten dafür ein wichtiges Reservoir. Buttigieg verfolgt mit seinem Engagement allerdings auch eigene Interessen. Wenn seine Präsidentschaftskampagne beginnen sollte, könnten politische Kontakte und Unterstützer auf Staatsebene für ihn von Vorteil sein. Unabhängig davon haben die Demokraten in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig in Wahlen zu den Parlamenten der Bundesstaaten investiert. Derzeit kontrollieren die Republikaner 28 Parlamente, die Demokraten 18. Drei Parlamente sind zwischen den Parteien aufgeteilt. In Alaska regiert eine parteiübergreifende Koalition.

Buttigieg wird allerdings nicht ohne Weiteres eine Bewegung anführen können, die etwa das Parlament seines Heimatstaates Indiana unter demokratische Kontrolle bringt. Viele Bundesstaaten tendieren traditionell deutlich zu einer Partei. Eine solche politische Ausrichtung zu verändern, kann lange dauern – wenn es überhaupt gelingt. Das Ziel müsse deshalb nicht sein, einen stark republikanisch geprägten Bundesstaat wie Idaho in einen demokratisch dominierten Staat zu verwandeln. Vielmehr gehe es darum, die eigenen politischen Vorteile dort auszubauen, wo dies möglich sei, und den Einfluss der Republikaner möglichst stark zu begrenzen. Dafür sehen die Demokraten derzeit gute Chancen. In mehreren Bundesstaaten könnten sie die Kontrolle über eine oder beide Parlamentskammern übernehmen. In anderen Staaten könnten sie republikanische Supermehrheiten brechen.

Strategie für alle 50 Staaten

„Im Großen und Ganzen spielen die Republikaner derzeit eher Verteidigung als Angriff“, sagte Katy Owens Hubler, Direktorin für Wahlen und Neuzuschnitt von Wahlbezirken bei der National Conference of State Legislatures, gegenüber Stateline. Die Demokraten kehren deswegen zu einer Strategie zurück, bei der die nationale Partei in allen 50 Bundesstaaten in die jeweiligen Parteiorganisationen investiert. Allerdings: Viele einflussreiche Politiker und Strategen in Washington lehnten die Strategie ab. Dazu gehörten auch Personen, die später in der Regierung von Barack Obama tätig waren. 

Buttigieg verfolgt die Strategie inzwischen daher auf eigene Faust. Wie groß der Einfluss eines einzelnen Politikers dabei sein kann, bleibt offen. Für den schwulen Vorzeige-Politiker und die Demokraten könnte sich der Einsatz dennoch auszahlen, sollte sich die derzeit erwartete demokratische Erfolgswelle tatsächlich entwickeln. Zugleich könnte Buttigiegs Vorgehen einen Hinweis darauf geben, wie eine mögliche Präsidentschaftskampagne des früheren Verkehrsministers aussehen würde: Keinen Bundesstaat vollständig abschreiben.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDWegen lockerer Maskenpflicht: Wie eine Lesben-Bar in einen "woken Shitstorm" gerietBR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Scruff kauft Growlr

Millionen für Dating-App

Die Scruff-Firma Perry Street Software übernimmt die Bear-Dating-App Growlr und will Millionen in einen kompletten Neustart der Plattform investieren.
Verknallt in Testosteron-Jesus

Anti-LGBTIQ+-Influencer schwärmt

Der christliche Anti-LGBTIQ+-YouTuber Gabe Poirot sagt, er habe im Koma Jesus getroffen und dieser sei sehr „männlich“ und voller „Testosteron“.
McHenry startet in Italien

Offen schwul in der SuperLega

Der schwule US-Volleyballer Merrick McHenry wechselt nach Piacenza, schreibt als offen schwuler Profi Geschichte und hat Olympia 2028 im Blick.
Rekord bei Buchverboten

Strikte Zensur in den USA

Fast 12.000 Buchverbote registriert PEN America aktuell an US-Schulen – besonders häufig betroffen sind Werke über Sexualität, LGBTIQ+ und Rassismus.
Eiskunstlaufstar aus Südafrika

Bodasing schreibt Sportgeschichte

Shiven Bodasing schreibt südafrikanische Eiskunstlauf-Geschichte – neben seinem Beruf als Jurist und seinem Einsatz für LGBTIQ+.
Pionier Donald Webster Cory

Vom Vorkämpfer zur Reizfigur

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet Donald Webster Cory, der die frühe US-Schwulenbewegung prägte und später mit seinen Ansichten empörte.
Flucht vor Todesdrohungen

Aktivisten erreichen Spanien

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind nach ihrer Flucht in Spanien angekommen. Sie berichten von massiven Todesdrohungen.
Trump verspottet Aktivisten

„Gays for Palestine“ im Visier

Donald Trump verspottet „Gays for Palestine“ und deutet an, queere Aktivisten würden von einer Reise in die Region nicht zurückkehren.
Trauer um Hélène Hazera

Ein Leben voller Kämpfe

Die französische Journalistin, trans* Aktivistin und Vorkämpferin der Community Hélène Hazera ist am Montag mit 74 Jahren gestorben.