Direkt zum Inhalt
München: Aufregung wegen Dragqueen-Kinderbuchlesung

Aufschrei von rechter Seite München: Aufregung wegen Dragqueen-Kinderbuchlesung

mr - 02.12.2025 - 14:30 Uhr
Loading audio player...

Am 1. Dezember 2025 fand vor der Stadtbibliothek München-Moosach eine besonders aufmerksam verfolgte Kinderbuchlesung statt: Dragqueen Vicky Voyage las dort mehreren Kindern vor. Doch während einige Gruppen dies zum Anlass nahmen, Protest gegen queere Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zu organisieren, war der Gegenprotest von Bürgerinnen und Bürgern ungleich stärker vertreten.

 

Rechte Proteste mit geringer Resonanz

Im Vorfeld hatten rechte und ultrakatholische Gruppen ihre Ablehnung gegen die Veranstaltung formuliert und über soziale Medien, Petitionen und Telegram-Kanäle Stimmung gemacht. Besonders auffällig: Die Initiative „Citizen Go“ sammelte nach eigenen Angaben über 32.000 Unterschriften gegen das Bilderbuchkino. Marcel Dold von „Kinder stehen auf“ sowie der AfD-Landtagsabgeordnete Rene Dierkes gehörten zu den Verfechtern dieser Proteste. Dennoch blieb vor Ort die Zahl der demonstrierenden Queerfeindinnen und Queerfeinde äußerst überschaubar. Rund 20 Personen fanden sich ein, großteils aus dem Umfeld verschwörungsideologischer Gruppierungen. Sie präsentierten weder Transparente noch ausgearbeitete Reden, stattdessen bestimmte ein Rosenkranzgebet der ultrakatholischen Gruppe „Christkönigtum München" das Bild.

 

Buntes München setzt Zeichen

Während auf der einen Straßenseite Unsicherheit und Vereinzelung herrschten, demonstrierte die Gegenveranstaltung Geschlossenheit und Vielfalt: Dreimal so viele Unterstützerinnen und Unterstützer versammelten sich, um Vicky Voyage und das Recht auf queere Sichtbarkeit zu verteidigen. Unter ihnen befand sich auch Dominik Krause, Zweiter Bürgermeister der Stadt München. Die Solidaritätskundgebung, organisiert durch „München ist bunt“, wurde zum klaren Bekenntnis einer toleranten Stadtgesellschaft. Ähnliche Entwicklungen waren bereits im November in Berlin beobachtet worden, wo die AfD ebenfalls zu Protesten gegen eine Dragqueen-Lesung aufgerufen hatte.Auch dort überflügelte die Unterstützung der Demokratinnen und Demokraten die wenigen Gegnerinnen und Gegner deutlich.

 

Demokratie muss verteidigt werden

Die aktuelle Debatte zeigt, wie sehr queere Veranstaltungen zur Zielscheibe rechter Stimmungsmache werden können. Gleichzeitig ist spürbar, dass Widerstand gegen Vielfalt in der bürgerlichen Mitte wenig Zuspruch erfährt. Studien des Deutschen Instituts für Menschenrechte bestätigen: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland sprechen sich für Gleichstellung und Akzeptanz aus. Mit Blick auf das nächste Jahr bleibt die Frage, wie Städte, Bildung und Zivilgesellschaft gemeinsam daran arbeiten, demokratische Werte und Respekt für alle zu sichern, damit solche Begegnungen ein Normalfall werden, statt ein Politikum zu bleiben.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

LGBTIQ+ in Rheinland-Pfalz

Fortführung des Landesaktionsplans

Der Landesaktionsplan in Rheinland-Pfalz wird weiter fortgesetzt, Staatssekretär Littig betont überdies die enge Zusammenarbeit mit der Community.
Staatsanwaltschaft ermittelt

Hilfskraft vergeht sich an Toten

Ein 39-jähriger Mann soll in einem Krankenhaus im nordrhein-westfälischen Bünde sexuelle Handlungen an zwei Leichen vorgenommen haben.
Rollback in den USA

Rückabwicklung von Schutzrechten

In den USA wurden Leitlinien zurückgenommen, die queere Menschen vor Diskriminierung im Job schützen sollten. Queere Verbände betonen Gefahren.
Prozess gegen Neonazi-Anführer

Mitglieder rekrutierten Jugendliche

In Rom hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Anführer einer Neonazi-Gruppe begonnen, der gezielt Homosexuelle als Angriffsziel auserkoren hatte.
Politische Krise in Bulgarien

Rücktritt des Präsidenten

Bulgariens Präsident Radew ist zurückgetreten, um als Ministerpräsident zurückzukommen. Die queere Community blickt mit Sorge auf die Entwicklung.
Ende der Party

US-Community unter Schock

Die Fassungslosigkeit ist in der ganzen US-Community spürbar: Der altehrwürdige Tucson Pride ist nach fast 50 Jahren am Ende.
Spaniens Einsatz für LGBTIQ+

Botschafter bekräftigt Ziele

Online-Hassrede ist mehr denn je ein Problem für die Community. In Spanien fordert der LGBTIQ+-Sonderbotschafter nun mehr Einsatz im Kampf gegen Hetze
Jugendprojekt in Berlin

Stärkung von LGBTIQ+-Menschen

Mit einer großflächigen Plakatkampagne will das Berliner Queer-Bündnisses mehr Sichtbarkeit und Verständnis für queere Jugendarbeit schaffen.
Neuauflage des SchwuZ?

Comeback des Berliner Clubs

Gibt es in Berlin ein Comeback des queeren Clubs SchwuZ? Aktuell mehren sich die Anzeichen, dass die Institution wieder auferstehen könnte.