Direkt zum Inhalt

Aufmarsch von Rechtsextremen Großaufgebot der Polizei sichert Lage in Grevesmühlen

Von ms - 15.09.2025 - 09:30 Uhr
Aufmarsch von Rechtsextremisten
Foto: spd_mv
ANZEIGE
Loading audio player...

Beim allerersten CSD in Grevesmühlen, Mecklenburg-Vorpommern, kam es am vergangenen Wochenende zum Aufmarsch von rund 350 Rechtsextremen – diesen gegenüber standen rund 1.000 Pride-Teilnehmer. Bereits im Vorfeld hatte es massiv Drohungen gegenüber den Veranstaltern und den Plänen für die erste Pride-Parade in der Kleinstadt im Landkreis Nordwestmecklenburg gegeben. 

1.000 CSD-Teilnehmer 

Am Samstagabend marschierten rund 1.000 CSD-Teilnehmer unter dem Motto „Unsere Liebe ist stärker als euer Hass!“ durch die Stadt, um sich für Gleichberechtigung und Akzeptanz einzusetzen. „Der CSD steht für eine offene Gesellschaft, in der alle frei und selbstbestimmt leben können“, so Bürgermeister Lars Prahler (parteilos), der sich darüber freute, dass in Grevesmühlen ein Zeichen für Vielfalt gesetzt wird. Das bekräftigte auch Landrat Tino Schomann (CDU), der klarstellte, Vielfalt sei keine Schwäche, sondern die „Grundlage für ein starkes Miteinander.“

Am Bahnhof hatten sich gegen Mittag zu einer angemeldeten Gegendemonstration unter dem Motto „Für Familie, Heimat und Tradition – statt CSD, Pädophilie und Perversion!“ rund 350 Rechtsextreme getroffen, die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, nachdem zuvor bereits Teile der Innenstadt gesperrt worden waren. Die Einsatzkräfte konnten verhindern, dass die beiden Gruppen aufeinandertrafen, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es so nicht, vereinzelt wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Verstöße gegen das Vermummungsverbot. 

Angst vor Rechtsextremen 

Drei kleinere Demonstrationen hatten zudem den CSD unterstützt. Bürgermeister Prahler erklärte bereits vorab, dass der Aufmarsch der Rechtsextremisten eine „menschenverachtende Verunglimpfung“ von queeren Menschen sei. Ähnlich hatte sich auch der LSVD+ Mecklenburg-Vorpommern geäußert: „Die Absichten und das niederträchtige Motiv sind klar erkennbar. Neben der geschmacklosen und ekelhaften Verächtlichmachung der queeren Community wird der Versuch unternommen Chaos zu stiften, zu polarisieren, einen kriminellen Anschein zu erwecken und nicht zuletzt jene einzuschüchtern, die es wagen sollten sich solidarisch zu zeigen“, so Geschäftsführer Roy Rietentidt. Nach dem CSD erklärte er weiter: „Ich bin sicher, dass deutlich mehr queere Menschen gekommen wären. Viele haben sich aber durch die angekündigte Gegendemo der Rechtsextremisten abschrecken lassen.“

Starkes Signal für Gleichberechtigung 

Bereits Wochen vor dem CSD waren die zwei Organisatoren Rachel Hanf und Sebastian Hüller immer wieder online attackiert und beschimpft worden, vor dem Haus von Hanf waren zudem nach Angaben des NDR zwei mutmaßliche Rechtsextreme aufgetaucht. Nachdem die Pride-Parade jetzt schlussendlich friedlich verlaufen ist, erklärte das CSD-Team, man plane alle zwei Jahre im Wechsel mit Wismar ein Pride-Event zu veranstalten. „Trotz massiver Anfeindungen und offener Gewaltaufrufe von Rechtsextremen im Vorfeld konnte die Community weitestgehend störungsfrei demonstrieren. Der CSD Grevesmühlen konnte ein starkes Signal senden: Wir lassen uns das Demonstrieren nicht nehmen – auch nicht auf dem Land“, betonte abschließend Hüller. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandWDRDüsseldorfer spricht über Coming-out und Identitätder FreitagTürkischer Exil-Autor Barbaros Altuğ: „Ich stand dort plötzlich wie der Hauptangeklagte“BILDSpätes Coming-out - Früher liebten wir Frauen. Heute daten wir Männer.Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Queere Vielfalt im Tierreich

Wenn Widder auf Widder stehen

Manche Widder bevorzugen andere Männchen. Gleichgeschlechtliches Verhalten ist weit verbreitet – was Studien zeigen und wo Vergleiche hinken.
Ältere Brüder, schwule Söhne?

Was die Forschung wirklich zeigt

Ältere Brüder und schwule Söhne: Studien finden Zusammenhänge. Doch die Ursache ist nicht bewiesen – und die Statistik bleibt umstritten.
Dresden holt den EuroPride

Rückkehr nach 25 Jahren

Dresden richtet den EuroPride 2029 aus. Nach 25 Jahren kehrt das europäische Pride-Event nach Deutschland zurück. Das Motto setzt auf Brücken.
Streit um Pornoseiten

Sperren vorerst gestoppt

Pornhub und YouPorn müssen vorerst nicht gesperrt werden. Das OVG NRW verweist auf EU-Recht. Der Streit um wirksamen Jugendschutz geht weiter.
Empörung auf Bestellung

Ragebait ist Jugendwort 2026

„Ragebait“ ist das Jugendwort 2026. Was der Begriff bedeutet, warum Provokation Reichweite bringt und was die LGBTIQ+-Community daraus lernen kann.
Warnung von Andrew Scott

Kein Vergessen der Aids-Krise

Der schwule Schauspieler Andrew Scott fordert, die Aids-Krise nicht zu vergessen. Sein neuer Film „Elsinore“ erinnert an jene Zeit.
Schwuler Politiker wehrt sich

BDSM-Fotos sorgen für Wirbel

Alte BDSM-Fotos bringen den schwulen US-Politiker Chris Gallant in die Schlagzeilen. Doch der Kongresskandidat denkt nicht an Rückzug.
Coming-Out bleibt ein Tabu

Schwule Profis schweigen weiter

Thomas Hitzlsperger sieht kleine Fortschritte gegen Homophobie im Fußball. Doch viele schwule Profis fürchten ein Coming-Out selbst nach Karriereende.
Schutz für queere Jugendliche

Mamdani finanziert trans* Medizin

New York stellt neun Millionen Dollar für die Behandlung trans* Jugendlicher bereit, nachdem mehrere Kliniken ihre Angebote eingestellt haben.